Mit dem digitalen Impfnachweis kann jeder Corona-Immunisierte seinen Impfstatus bequem mit dem Smartphone und ohne den gelben Impfpass nachweisen, zum Beispiel auf der Urlaubsreise ins Ausland. Die Information, dass Apotheken die digitale Variante ausstellen können, kam spontan. Birgit Schinzinger, Mitarbeiterin in der Ratoldus-Apotheke in Radolfzell, sagt: „Kurzfristige Aufgaben schocken uns nicht mehr. Nachdem wir von heute auf morgen FFP2-Masken kaufen und anbieten mussten, sind wir abgebrüht.“

Trotzdem sei mit dem Ausstellen der Impfnachweise wieder alles auf einen Schlag gekommen. „Immerhin hatten wir Glück und waren schon auf der Apotheken-Plattform im Internet registriert.“ Die Freischaltung sei deswegen mit nur wenigen Klicks recht schnell gegangen. „Was viel mehr in die Hose ging, war, dass wir zuerst nur wenige Informationen zum Ablauf bekommen haben“, erklärt die Apothekerin.

Zu wenig Vorbereitungszeit

Dem Team sei nicht bewusst gewesen, dass die Kunden für jede Impfung einen Nachweis ausgedruckt bekommen sollten, also einen Nachweis für die erste Impfung und einen zweiten für die zweite Impfung. „Es ist für uns unmöglich, jetzt die Leute die schon da waren und von uns nur einen Nachweis ausgestellt bekommen haben, darauf aufmerksam zu machen.“

Auch wenn sie für den digitalen Nachweis personenbezogene Daten in den Computer eingeben muss, könne sie danach nicht mehr darauf zugreifen. Eine Woche mehr Vorbereitungszeit und eine detailliertere Anleitung hätten das verhindern können, sagt sie. Der Apothekerverband hat die ersten Informationen am Donnerstag, 10. Juni, an die Apotheken weitergegeben. Los ging es für die dann am Montag, 14. Juni.

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Probleme mit der Technik

Zu Beginn der Woche sei zusätzlich der zentrale Server über weite Strecken überlastet gewesen. Die Ratoldus-Apotheke habe von Montag bis Mittwoch deswegen kaum digitale Impfnachweise ausstellen können. Weiter sagt Birgit Schinzinger: „Die Leute haben aus Ungeduld angefangen Apotheken-Hopping zu betreiben und für ihren Nachweis von Apotheke zu Apotheke zu gehen. Das hat aber nichts gebracht, weil das System überall überlastet war.“

„Ab Mittwoch lief dann alles reibungslos.“ Zusätzlich kamen am selben Tag neue und ausführlichere Informationen für die Angestellten. „Insgesamt war es mal wieder ein holpriger Start“, fasst die Apothekerin zusammen. Ein weiteres großes Manko: Corona-Genesene würden bis heute noch keinen Nachweis bekommen, weil das System dafür noch keine Lösung habe.

Apotheken müssten das Angebot des digitalen Impfpasses nicht anbieten, es steht ihnen offen. Jeder ausgestellte Nachweis spült den Apotheken aber Geld in die Kasse. Für die Ausstellung beider Nachweise von Erst- und Zweitimpfung erhält eine Apotheke pro Person 24 Euro. „Das ist aber kein Grund, warum wir die Nachweise ausstellen“, sagt Birgit Schinzinger. „In erster Linie haben wir keine Lust auf die Diskussionen mit den Kunden, warum wir das Angebot nicht anbieten.“

Ausstellung am besten erst nach der Zweitimpfung

Auf dem Internetportal „Mein Apothekenportal“ können Interessierte schauen, welche Apotheke den digitalen Nachweis ausstellt und welche nicht. Die Gesamtzahl an ausgestellten Dokumenten bei der Ratoldus-Apotheke betrug am Montag, 28. Juni, 1395 Stück. Unklar ist, wie viele Erst- und wie viele Zweitdokumente darunter sind. Birgit Schinzinger sagt: „Wir empfehlen den Kunden, erst nach der zweiten Impfung zu kommen, um sich die Nachweise ausstellen zu lassen. Sonst bringt das ja nichts. Ich denke, wir konnten etwa 700 Menschen den vollständigen Nachweis erbringen.“

Piotr Szumlas von der Neuen Stadtapotheke in Radolfzell hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Zu Beginn gab es einen Serverausfall, der aber recht zügig behoben wurde.“ Trotzdem sei es nicht einfach gewesen, ein gewaltiges Interesse nach dem digitalen Impfnachweis bestanden habe. Mittlerweile habe sich die Lage aber etwas entspannt: „Wir haben uns ein System überlegt und arbeiten jetzt im Wechsel: Eine Person ziehen wir aus dem Alltagsgeschäft und besetzen eine Kasse extra, um dort die Nachweise auszustellen.“ Die Daten würden dort direkt in das vom deutschen Apothekerverband zur Verfügung gestellte System eingegeben und der Impfnachweis ausgegeben.

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Auch der Papier-Impfpass bleibt weiter gültig

Meistens würden die Menschen morgens kommen. „Einige kommen sogar direkt nach dem Impfen“, sagt Szmulas. Der Vorgang dauere normalerweise nur etwa fünf Minuten. Ist allerdings viel Betrieb in der Apotheke, könne es etwas länger dauern. Da empfehle es sich, noch etwas anderes zu erledigen und den QR-Code dann später abzuholen.

Der Ausdruck mit dem QR-Code gilt bereits als Nachweis, ebenso wie auch der gelbe Impfausweis. Der Code kann aber auch direkt aufs Smartphone geladen werden, damit funktioniert der Nachweis auch papierlos. Das ist über die vom Robert-Koch-Institut bereit gestellte CovPass-App und über die Corona-Warn-App oder die Luca-App möglich. Der QR-Code muss dazu einfach mit der Kamera abgescannt werden. Gültig ist der digitale Nachweis aber erst 14 Tage nach der zweiten Impfung. Der digitale Impfnachweis ist kein Muss – der gelbe Impfpass ist weiterhin gültig.

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