Seit rund zwei Jahren wächst die Schar der wild lebenden Tauben im Radolfzeller Ortsteil Markelfingen an. Die Zahl schätzt Ortsvorsteher Lorenz Thum auf mittlerweile rund 200 bis 250 Tiere. Die Einwohner im Dorf seien zunehmend genervt von den Tieren. Vor allem Hausbesitzer, deren Gebäude sich die Vögel als Rastplatz ausgesucht haben, stören sich an den Folgen dieses Umstands.

Gras wächst in der Dachrinne

So sagt Stefan Rauch, der vor drei Jahren am Krähenhag gebaut hat, dass sein Haus ein Landeplatz sei: „Ich weiß nicht woran es liegt, aber die Vögel haben sich offenbar mein Haus ausgesucht. Es sind im Laufe der Zeit immer mehr geworden, und mittlerweile sind es bestimmt 50 Tiere“, berichtet Rauch. Durch Schmutz, Äste und anderen Unrat, den die Tauben auf das Dach bringen, wächst mittlerweile Gras in seiner Dachrinne. Und das bei einem Neubau nach drei Jahren. Auch seine Photovoltaikanlage auf dem Dach werde in Mitleidenschaft gezogen. „Ich habe schon zehn Prozent weniger Leistung“, berichtet Rauch, der den Vogelkot dafür verantwortlich macht. Durch das Umherfliegen der Tauben fänden sich ohnehin praktisch überall Verunreinigungen. „Das ist eine Sauerei ohne Ende“, schimpft er. Auf den Autos, an den Hauswänden und Fenstern seien die Hinterlassenschaften zu finden.

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Ortsvorsteher Lorenz Thum hatte jetzt aufgrund zahlreicher Anfragen aus der Bürgerschaft einen Ortstermin mit der zuständigen Abteilung Landschaft und Gewässer der Stadtverwaltung gemacht. Dort wollte man gemeinsam das Problem erfassen und nach möglichen Lösungen suchen. Zuvor hatte er eine Anfrage im Ausschuss für Planung, Umwelt und Technik (PUT) gestellt, um auf die Problematik hinzuweisen. So ganz einfach werde man die Tauben nach seiner Ansicht nicht loswerden: „Die vermehren sich halt und sind geschützt“, sagt Thum.

Beste Aussicht: Tauben auf dem Dach der Markelfinger Kirche.
Beste Aussicht: Tauben auf dem Dach der Markelfinger Kirche. | Bild: Jarausch, Gerald

Immerhin habe der Vororttermin eine Verbesserung in Aussicht gestellt. So plane die Abteilung Landschaft und Gewässer, einen mobilen Taubenschlag aufzustellen. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung, die bereits einmal in Böhringen zum Einsatz kam und seither eingelagert ist. Damit sollen die Tiere angelockt und gefangen werden. Anschließend werden sie einer Organisation zugeführt, die Tiere in der Gefangenschaft pflegen. Der Taubenschlag soll im Pfarrgarten in Markelfingen aufgestellt werden.

Stadtpfarrer stimmt zu

Stadtpfarrer Heinz Vogel habe bereits seine Zustimmung signalisiert. Auch er hat ein Interesse daran, dass die Zahl der Tauben eingeschränkt wird. Denn die Tiere nutzten gerne den Kirchturm in der Ortsmitte, um sich auszuruhen. Das wurde zuletzt am Volkstrauertag vielen Besuchern der Veranstaltung deutlich, als sich dort etliche Tauben eingefunden hatten. Einen klaren Zeitplan für die Aktion gibt es laut Lorenz Thum bisher noch nicht. Er rechnet jedoch damit, dass es „rund zwei Jahre dauern“ wird, bis man Herr über die Lage in Markelfingen geworden sei.