Viel Närrisches war am Schmutzige Dunschtig nicht in Radolfzell präsent. Wenige Aktionen – darunter der auf die Oberbürgermeisterwahl im Herbst des Jahres verlegte Rathaussturm samt Wahl möglicher närrischer Vertreter – waren optisch wahrnehmbar. Immerhin hatten die Holzer der Narrizella Ratoldi am Ort des Narrenbaums auf das Fehlen der stattlichen Fichte hingewiesen. Doch so ganz ohne eine der sonst üblichen Ordensverleihungen sollte auch dieser Schmutzige nicht vorübergehen. Allerdings wird es wohl die Einzige bleiben.

Am frühen Morgen trafen Narrizella-Zunftpräsident Martin Schäuble und eine der wichtigsten Figuren der neueren Zeit in der Zunft aufeinander, um neben einem kleinen Jubiläum eine Ordensvergabe vorzunehmen. Schäuble ehrte den Schlegele-Beck für seine Präsenz in der Radolfzeller Fasnacht in den vergangenen 25 Jahren mit einer entsprechenden Medaille.

Ordensverleihung natürlich in der Bäckerei

Standesgemäß trafen die Beiden dazu in der „Höllstraß Numero sechs“ aufeinander. Allerdings war die Zahl wohl auf den Kopf gefallen, sodass man tatsächlich beim Beck in der Höllstraße Nummer neun zusammenkam. Dass das dennoch die richtige Adresse ist, belegt eine der Insignien des Schlegele-Beck. Der bekannte Nicht-Weck, der aus dem Fenster schaut, ist eindeutig den Fensterläden des Gebäudes über der heutigen Bäckerei Engelhardt zuzuordnen.

Einer der Höllteufel, die mit dem Schlegele-Beck eine relativ junge, aber nicht minder wichtige Figur der Radolfzeller Fasnacht geworden sind. Wie dieses Bild von der Fasnacht 2006 zeigt, muss man keine Angst vor den grusligen Gestalten haben.
Einer der Höllteufel, die mit dem Schlegele-Beck eine relativ junge, aber nicht minder wichtige Figur der Radolfzeller Fasnacht geworden sind. Wie dieses Bild von der Fasnacht 2006 zeigt, muss man keine Angst vor den grusligen Gestalten haben. | Bild: Antje Kirsch

Der Schlegele-Beck und die sieben Höllteufel haben sich 1996 das erste Mal auf das närrische Parkett gewagt, ohne zu wissen, was sich daraus einmal entwickeln könnte. Sie wurden danach in die Narrenzunft Narrizella Ratoldi 1841 aufgenommen und sogar die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte erkannte diese Radolfzeller Narren an.

Einsam frühmorgens in der Radolfzeller Innenstadt unterwegs: Der Schlegele-Beck wurde am Schmutzige Dunschtig 25 Jahre alt.
Einsam frühmorgens in der Radolfzeller Innenstadt unterwegs: Der Schlegele-Beck wurde am Schmutzige Dunschtig 25 Jahre alt. | Bild: Jarausch, Gerald

Martin Schäuble kann sich an das erste Erscheinen noch gut erinnern: „Das war schon komisch, als die Figur das erste Mal auftauchte. Niemand wusste, wer es ist. Als die Figur dann immer beliebter bei den Radolfzellern wurde, haben wir die Gruppe bei uns aufgenommen“, sagte er. Mittlerweile sind der Schlegelebeck und die sieben Höllteufel nicht mehr aus der Radolfzeller Fasnacht wegzudenken. Aktuell sind sie praktisch allgegenwärtig. Aus vielen Schaufenstern der Einzelhändler winken sie den Passanten entgegen oder sind als Abbildungen und vielen ausgestellten Fotos zu finden.

Und hier sehen sie ein Video von der Ordensverleihung um 10 Uhr morgens.