Zum 23. Mal wird am 18. September in Radolfzell der in Deutschland einzigartige Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderung verliehen. Beim Pressegespräch in der Villa Bosch bezeichnete Oberbürgermeister Simon Gröger den Preis als „Leuchtturmprojekt für Inklusion“ und die Villa Bosch als Ort für Kunst und Kreativität.

Dort wird die Ausstellung der Arbeiten behinderter Künstler stattfinden. „Es geht darum, einander gegenseitig zu achten und zu respektieren. Denn in der Kunst ist jeder Mensch gleich.“

2020 noch digital, nun in Präsenz

Seit 1978 vergibt die Stadt Radolfzell den Preis im zweijährigen Rhythmus, seitdem wurden über 6800 Werke ausgestellt. Dieses Mal gab es 179 Einsendungen von Künstlern mit Behinderung, 2020 waren es über 300. Es werden 100 ausgewählte Werke ausgestellt, daraus 15 Preisträger gekürt. 2020 konnte die Preisverleihung wegen der Corona-Pandemie nur digital stattfinden, in diesem Jahr werden die preisgekrönten Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler am 18. September wieder im Milchwerk gewürdigt.

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Die Schirmherrschaft hat in diesem Jahr Lina Seitzl, Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD), übernommen. Sie betont vorab, wie wichtig es ist, Künstler in den Mittelpunkt zu stellen, „die zwar besonders begabt sind, deren Werke aber dennoch oft nicht gesehen werden“. Der Bundeskunstpreis gebe ihnen eine Bühne für ihre Kunst.

Teilhabe spielt im Kulturleitbild eine große Rolle

Bürgermeisterin Monika Laule wies darauf hin, dass die Kunst von Menschen mit Behinderung durchaus einen eigenen Markt gefunden habe und viele Künstler zum wiederholten Male teilnehmen. Der Leiter des Fachbereichs Kultur, Erik Hörenberg, sieht den Begriff der Teilhabe, der im Kulturleitbild der Stadt eine wesentliche Rolle spielt, hier durch die Wertschätzung der teilnehmenden Künstler in hohem Maße verwirklicht.

Keine leichte Aufgabe hatte die Jury, die Werke für die Ausstellung auszuwählen und die Preisträger zu bestimmen. Andreas Müller, Kulturbeauftragter der Stadt Amriswil, Marlis Faller vom Kunstverein Radolfzell, Ernst Preißer von den Kunstfreunden Markelfingen und Kunstpädagoge, sein Sohn Paul Preißer (DigiPIC-Künstlerblick) sowie der Maler Asmus Semper Schmidt berichteten von ihrer Arbeit.

So erhält jedes Jurymitglied Klebepunkte, um auf den Bildern oder Plastiken ein Votum abzugeben. Dies sei natürlich eine subjektive Wertung, aber sie beruhe auf jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit Kunst. Und der Prozess könne so aus den verschiedenen Blickwinkeln, die die Juroren mitbringen, beleuchtet werden.

Publikumspreis wird diskutiert

Letztlich müssten dann aus noch 25 verbliebenen Kunstwerken die 15 Preisträger ermittelt werden. Das geschah Anfang der Woche. „Der persönliche Ausdruck des Kunstwerks sowie dessen Aussage und künstlerische Eigenständigkeit sind als Qualitätskriterien bei der Preisvergabe ausschlaggebend“ hieß es im Katalog von 2020 als Statement der Jury. Dieser ist nicht bekannt, welche Art von Behinderung vorliegt und welcher Künstler sich hinter den jeweiligen Arbeiten verbirgt.

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Mit insgesamt 6400 Euro sind die Preise dotiert. Seit Jahren unterstützt die Werner und Erika Messmer-Stiftung den Bundeskunstpreis und hat auch in diesem Jahr einen Großteil der Finanzierung übernommen, wie Petra Bialoncig vom Stiftungsvorstand berichtete. Ob auch ein Publikumspreis ausgelobt wird, ist in der Diskussion.