Ab Montag ist es soweit: Restaurants dürfen in Radolfzell und dem gesamten Land wieder geöffnet werden. Allerdings haben sich die Gastronomen an zahlreiche Hygienevorschriften zu halten, die die Arbeitsabläufe, aber auch den Besuch verändern. Denn selbstverständlich gelten auch in diesen Bereichen die Abstandsregeln und Schutzmaßnahmen, die eine weitere Verbreitung von Corona verhindern sollen.

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In erster Linie zeigen sich die Radolfzeller Gastronomen erfreut über die erste Lockerung, die jetzt beschlossen wurden. „Wir freuen uns wirklich sehr, dass wir jetzt wieder öffnen können“, sagte Yasemin Yarba vom Restaurant Fino. In der vergangenen Woche kam das Team erstmals nach den Wochen der kompletten Schließung zusammen, um die Vorbereitungen für den Betrieb aufzunehmen. Alles wurde noch einmal intensiv gereinigt und auf die geforderten Hygienemaßnahmen angepasst. Die Tische wurde so positioniert, dass ein größerer Abstand zwischen den Gästen möglich ist. Ab Montag dürfen zwei Familien aus je einem Hausstand an einem Tisch sitzen.

Emsige Vorbereitungen zum Start in die Gastrosaison im Restaurant Fino: (von links) Madalina Badragan, Isabelle Heinz, Naum Filipovski und Barbara Koryciak richten die Tische im Außenbereich her.
Emsige Vorbereitungen zum Start in die Gastrosaison im Restaurant Fino: (von links) Madalina Badragan, Isabelle Heinz, Naum Filipovski und Barbara Koryciak richten die Tische im Außenbereich her. | Bild: Jarausch, Gerald

Auf so manchen Platz muss man vorerst verzichten. Darunter fallen unter anderem die Sitzplätze am Tresen. „Außerdem haben wir alles auf Hochglanz gebracht“, erklärte Yasemin Yarba weiter. „Obwohl die Maßnahmen sehr streng sind und die Organisation eine Herausforderung ist, ist das machbar“, befand sie. Besonders das Personal müsse sich für die nähere Zukunft mit den Vorschriften arrangieren. Denn es gilt eine Maskenpflicht.

Masken macht das Arbeiten nicht leichter

„Das ist schon eine Umstellung“, ergänzte sie Ende der vergangenen Woche ihre Einschätzung. Insbesondere „wenn es im Sommer noch wärmer ist, wird es relativ unangenehm für uns“, stellte sie in Aussicht. „Aber wir machen das Beste aus der Situation“, ließ sie wissen. Damit das internationale Gastronomiepersonal gut auf die neue Situation eingestellt sei, wurden sie in der vergangenen Woche noch einmal intensiv geschult und auf die Einhaltung der Vorschriften hingewiesen.

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Die Einweisung der eigenen Mitarbeiter ist das eine, das andere ist die Reaktion der Gäste auf die Wiedereröffnung. Die bewertet zum Beispiel Florian Repnik vom Restaurant „Am Gleis“ in Markelfingen skeptisch: „Wir werden sehen, wie das anläuft und ob sich die Gäste trauen zu kommen“, sagte er auf Nachfrage des SÜDKURIER. Denn die verordneten Hygienevorschriften halte er „für nicht sehr praktikabel“, wie er weiter sagte. Generell ärgere er sich über so manche nicht eindeutig ausgesprochene Vorschrift. „Ich fühle mich ein bisschen vom Land allein gelassen“, sagte der Gastronom. Dazu gehören unter anderem Angaben des Abstandes. „Gilt die 1,5 Meter-Regel jetzt für die Tischkante oder die Personen zum anderen Tisch“, fragt er sich.

Gastronomie steckt in der Klemme

Ihm persönlich wäre es am liebsten, wenn man die Gäste selber entscheiden lassen würde, ob sie das Risiko eines Restautantbesuches auf sich nehmen wollen. Denn er lässt keinen Zweifel daran, dass sie Gastronomen in einer wirtschaftlichen Klemme stecken: „Wir können nicht länger schließen – sonst gehen wir alle kaputt“, ließ er jetzt wissen.

Daniel Burger: „Die Leute wollen raus.“

Ähnlich zurückhaltend sieht Gastronom Daniel Burger vom Radolfzelller Restaurant „Steg 11“ beim Yachtclub die nähere Zukunft. Er hat in den vergangenen Wochen als Einzelhändler in der Stadt erlebt, wie zurückhaltend die Menschen derzeit beim Konsum sind: „Die Leute sind schon verhaltener als sonst. Außerdem fehlen uns die Touristen“, ist er sich sicher. Wie auch die anderen Gastronomen werden die Gäste bei ihm künftig an der Terrasse empfangen und zu ihrem Tisch geleitet. Außerdem wurde ein Einbahnstraßensystem für die Wege zur Toilette ausgewiesen. Durch die Abstandsvorschriften verliert er rund die Hälfte der Sitzplätze. Allerdings kann er diese teilweise durch eine Erweiterung im Außenbereich kompensieren. Nun hofft er auf regen Zuspruch der Gäste für die neu gewonnene Freiheit: „Der Bedarf ist schon da, die Leute wollen raus“, glaubt Daniel Burger.