Geburtstage und Jubiläen sind eigentlich eine feine Sache, oft ein Grund zu feiern. Es gibt Kuchen und man lädt sich Gäste ein. Wer in diesen Tagen allerdings auch Geburtstag gefeiert hat, war das Coronavirus. Vor einem Jahr tauchte es in Europa auf.

Corona feiert Geburtstag

Kurze Zeit später waren die Welt und unser Leben nicht mehr wie sie vorher waren. Da fällt es natürlich schwer, diesen Jahrestag als etwas anzusehen, das man tatsächlich feiert. Es stellt sich eher das Gefühl ein: Ist schon ein Jahr rum? Echt jetzt? Viele stecken aktuell emotional noch im März 2020 fest, als alles begann...

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Der Blick zurück tut oft weh. Vor allem jetzt während der Fasnacht sind Erinnerungen an das Jahr zuvor schwierig. Wir wussten damals schon von Corona, aber wir wussten doch nicht genug. Eigentlich waren es die letzten schönen Tage vor der Pandemie.

Mit diesen Gedanken kam ich immer wieder zurück auf den Fasnachtssonntag, an dem ich – fast schon zur Tradition geworden – arbeite. Obwohl man es kaum Arbeit nennen darf, denn an diesem Tag findet der große Sonntagsumzug in Radolfzell statt. Und ich bekomme Besuch in der SÜDKURIER-Redaktion.

Mit einem Brief und einem Foto grüßt das Hansele-Preisgericht zur Corona-Fasnacht.
Mit einem Brief und einem Foto grüßt das Hansele-Preisgericht zur Corona-Fasnacht. | Bild: Schneider, Anna-Maria

Das Narrizella-Hansele-Preisgericht, bestehend aus Bärbel Burth, Beate Grünwald, Marlies Reining, Karin Rapp sowie deren Assistent und Laufbursche Axel Burth, baut seine Kommandozentrale in unseren Räumen auf, beobachtet genaustens die vielen liebevoll gebastelten Kostüme und entscheidet danach, wer welchen Preis bekommt.

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Meine bescheidene Aufgabe ist es, für die Verpflegung und gekühlte Getränke zu sorgen, dafür werde ich mit dem Einblick hinter den Kulissen des Kostüm-Wettbewerbs belohnt. Ein super Tag eigentlich.

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Diesen Fasnachtssonntag werde ich nicht arbeiten, niemanden in der Redaktion begrüßen und keinem prächtigen Umzug aus dem Fenster zuschauen können. Vermutlich fühlen sich jetzt alle so, die sonst zu dieser Zeit im Jahr bereits seit Wochen oder Monaten an den Kostümen nähen, kleben und basteln: irgendwie traurig.

Als hätten die Hansele-Juroren nicht nur die Fähigkeit, Kostüme zu bewerten, sondern auch die, Gedanken zu lesen, bekam ich einen Gruß und ein kleines Geschenk von eben jener Jury.

Bild: Schneider, Anna-Maria

Auch sie vermissen den Sonntagsumzug schmerzlich, vertreiben mir aber mit einem schönen Brief, einem Erinnerungsfoto und jeder Menge Konfetti im Umschlag den Trübsinn. Auf dem Fußboden im Büro liegen nun die bunten Schnipsel, genau wie vor einem Jahr.

Zur Kolumne: Das Corona-Tagebuch der Redaktion Radolfzell begreift sich als hoffentlich vorübergehende Erscheinung