Montag, 5. Oktober, zurück in Radolfzell: Das Wochenende war für Nina Breimaier anstrengend. Sie hat versucht, für das Demokratiezentrum mit den Querdenkern und Corona-Widersprechern bei deren Kundgebungen und Demonstrationen in Konstanz ins Gespräch zu kommen. Das sei selten richtig gelungen, berichtet die Stadträtin der Freien Grünen Liste in Radolfzell: „Es herrschte eine wahnsinnige Aggression.“ Weil die Querdenkerdemonstranten nicht als Nazis hingestellt und beurteilt werden wollten. Aber genau das sei schwierig, wenn in deren Umfeld das Magazin „Compact“ verteilt würde. Die Broschüre gilt zumindest als rechtspopulistisch, der Bundesverfassungsschutz listet das Magazin seit März 2020 als Verdachtsfall. Nina Breimaier berichtet, dass einige, die mit ihr für das Demokratiezentrum vor dem Dialogmobil „Frieda“ gestanden und oft vergeblich versucht hätten mit den Querdenkern zu reden, schlecht geschlafen hätten. „Mich hat das auch mitgenommen, aber ich konnte schlafen.“ Sie nahm als positiven Aspekt aus dem Wochenende mit: „Manche haben gemerkt, da ist jemand, der nicht zurückbrüllt.“ Das begreife sie als Chance und Ansporn da weiterzumachen: „Wir müssen raus in den öffentlichen Raum und uns für die Demokratie einsetzen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Dienstag, 6. Oktober, im Milchwerk: Die x-te Diskussion über den Bahnhof Radolfzell, seinen charmanten Tunnel und warum die Seetorquerung doch die schönere Lösung gewesen wäre, neigt sich kurz nach acht dem Ende zu. Stadträtin Breimaier verteilt mit Mund-Nasen-Schutz an alle Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat Masken mit Aufdruck des Demokratiezentrums. Auf der orangen steht „Nachdenken statt Querdenken!“ und auf der blauen „Schütze was Du liebst!“. Sie werden dankend angenommen.

Fast wie Joe Biden

Dienstag, 6. Oktober, immer noch im Milchwerk: Es ist kurz nach neun am Abend und es stehen Anfragen und Anregungen im Gemeinderat an. Walter Hiller von den Freien Wählern streckt und setzt zu einem Beitrag an. Da ruft Stefan Neumeir (CDU), sonst ein äußerst ruhiger Zeitgenosse, seinem Stadtratskollegen zu: „Walter, mach‘s kurz.“ Das erinnert ein bisschen an Herausforderer Joe Biden und seinen Zuruf an Präsident Donald Trump im Wahlkampf-Fernsehduell: „Would you shut up, man?“ Nun, auch Worte können erschöpfen. Den Redner nicht, den Zuhörer. Aber es gilt das Rederecht des Stadtrats Hiller: „Das wird man doch noch sagen dürfen.“ Es hat keiner Nein gesagt.

Zur Kolumne: Das Corona-Tagebuch der Redaktion Radolfzell begreift sich als hoffentlich vorübergehende Erscheinung.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €