Das virtuelle Leben feiert Hochkonjunktur. Nach drei Wochen der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben sich viele in der neuen Welt zurechtgefunden. Rein räumlich besteht diese neue Welt hauptsächlich aus den eigenen vier Wänden. Doch über das Internet kann man in fremde vier Wände blicken. Nicht nur diverse Prominente geben aus dem heimischen Wohnzimmer Interviews und offenbaren dabei ein manchmal mehr, manchmal weniger gutes Händchen für Inneneinrichtung.

Videokonferenzen mit den Freunden

Auch wir Normalbürger holen uns Arbeitskollegen und auch immer häufiger Freunde aufs Sofa. Die Videokonferenz macht es möglich. Mit meinen Freundinnen treffe ich mich Freitagabends zum Feierabendbier und bequatsche die Woche. Man gewöhnt sich schnell an diese Form der Kommunikation. Man kann genauso lachen, sich über Erlebtes aufregen und zusammen einen schönen Abend haben. Die Zeit vergeht dabei wie im Fluge. Und das Beste: Die Getränke kommen bequem aus dem heimischen Kühlschrank und eine Sperrstunde gibt es nicht.

Musiker spielen im Gruppenchat

Auch Musiker haben die Videokonferenz für sich entdeckt. Kontaktverbot heißt auch der vollständige Verzicht auf Proben. Die Profis machen es vor: Jeder bringt sein Instrument mit in den Videochat und man spielt ein Stück zusammen. Sieht doch gar nicht so schwer aus. Das können auch die Halb-Profis aus Radolfzell.

Die Holzhauermusik hat vergangenes Wochenende mit ihrem Beitrag in den sozialen Medien einen Hit gelandet. Zu siebt spielen sie die Kämpferhymne aus den bekannten Rocky-Filmen, jeder bei sich zuhause. Zu sehen ist der einzelne Holzhauermusiker in einem kleinen Quadrat auf dem Bildschirm. Im Hintergrund der Aufnahmen entdeckt man Schrankwände, Bilderrahmen und Raufasertapete.

Holzhauer spielen für alle, die aktuell die Stellung halten

So ähnlich also wie bei den Promis daheim. Mit „Gonna fly now“ von Bill Conti wollen sie sich bei allen bedanken, die in wichtigen Berufen tätig sind und sich Tag für Tag für andere einsetzen. Auch wollte der musikalische Leiter der Gruppe, Jörg Junghanns, seine Truppe ein kleines bisschen motivieren. „Die Auftritte sind unser Antrieb für alles, auch für‘s Proben“, so Junghanns. Und da bis auf weiteres alles abgesagt wurde, müsse man andere Wege finden, die Stimmung bei den Jungs hoch zu halten.

Leider hat keiner ein Tonstudio

Technisch hätten sie für den Beitrag von ihrer musikalischen Videokonferenz ein bisschen in die Trickkiste greifen müssen. Da keiner der Holzhauermusiker daheim ein Tonstudio besitzt und das gängige Laptop-Mikrofon vor einer Trompete, geblasen von einem Radolfzeller Holzhauer, in die Knie geht, habe man sich mit einer Tonspur eines Live-Auftrittes behelfen müssen.

Die Fans finden den Motivations-Song super

Aber ob nun live gespielt oder live aufgenommen, den Fans ist es egal: 250 Mal Daumen hoch, über 100 Mal geteilt, tausende haben das Video angeschaut. Wann die Holzhauer wieder zusammen auf der Bühne stehen können, das steht laut Junghanns noch in den Sternen.

Und wenn das gemeinsame Musizieren via Videochat mit einigen technischen Problemen behaftet ist, müssen Musiker in der Stadt wohl künftig doch wieder auf dem Balkon spielen. Vielleicht steigt ja ein Nachbar mit ein. Jetzt wo es wärmer wird, steht einem Nachbarschaftskonzert nichts mehr im Wege.

Die Kolumne: Das Corona-Tagebuch der Redaktion Radolfzell begreift sich als hoffentlich vorübergehende Erscheinung.

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