Der Ortschaftsrat von Güttingen lud zu seiner jüngsten Sitzung den Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell ein. Andreas Reinhardt sprach über die Entwicklung im Energiesektor, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie, den öffentlichen Personennahverkehr, Wasserversorgung und die Entwicklung auf dem Photovoltaik-Markt. Darum ging es:

  • Preisentwicklung für Brennstoffe: Ab kommendem Jahr wird auf Benzin, Diesel, Heizöl und Gas die CO2-Steuer erhoben. Bemessungsgrundlage hierfür sind die Kohlendioxid-Emissionen, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen. Andreas Reinhardt begreift die CO2-Abgabe als eine Umlage, bei der die Stadtwerke Geld vom Endkunden einnehmen und weiterleiten würden.

Für einen Einfamilien-Haushalt mit Gastherme rechnet Reinhardt mit rund 90 Euro an Mehrkosten im ersten Jahr der Abgabe. Innerhalb von fünf Jahren würde sich eine Preissteigerung von bis zu 200 Euro ergeben. Mit den Einnahmen wolle der Staat den Umbau der Energiewirtschaft finanzieren. Zur Diskussion stehe, ob es in Radolfzell bei Neubauten eine Pflicht zum Einbau von Solaranlagen geben soll, wenn Grundstücke von der Stadt erworben werden. Doch nicht überall mache der Einbau Sinn. Es würden bei der Gemeinde noch Diskussionen über Ausnahmen laufen.

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  • Krisenbedingte Kulanz: Auch die Stadtwerke Radolfzell wollen verhindern, dass Insolvenzen durch die Corona-Krise hinzukommen. Für langjährige Kunden und Betriebe hatten sie eine Reduzierung der Abschläge angeboten. Während der ersten Krisenmonate verzichteten sie darauf, bei säumigen Kunden zu mahnen und den Strom zu sperren. Nun seien die Mahnstopps aufgehoben und die Stadtwerke in das reguläre Mahnmanagement übergetreten. Sollten während der Krisenzeit weitere Zahlungsschwierigkeiten durch Erkrankung oder Arbeitslosigkeit entstehen, lassen die Stadtwerke weiterhin mit sich reden, so Reinhardt. Die Senkung der Mehrwertsteuer soll bei der Jahresendabrechnung berücksichtigt werden. Kunden könnten auch einen Zwischenstand ihrer Zähler für den Juli übermitteln.

Stadtbusse bleiben bis Ende der Sommerferien im Ferienfahrplan

  • Öffentlicher Nahverkehr: Auch bei den Stadtwerken ist die Corona-Krise spürbar. Vor einigen Monaten reduzierten sie die Taktung der Stadtbusse. Sie befahren bis zum Ende der Sommerferien den Nahverkehr im Ferienfahrplan. Ziel sei es nun, mit einem Hygiene-Konzept die Menschen wieder für den Stadtbus zu interessieren, erklärt Reinhardt: Seit Juli seien die Busse mit Schutzscheiben ausgestattet. Man könne wieder vorne beim Busfahrer einsteigen und zahlen.

Die Stadt habe den Stadtwerken einen Auftrag für einen neuen Nahverkehrsplan mit Bürgerbeteiligung erteilt, informiert Reinhardt. In den kommenden Monaten wollen die Stadtwerke mit Ortschaftsräten diskutieren und die Bedürfnisse an den neuen Nahverkehrsplan sowie dessen Anforderungen aufnehmen. Ab 2024 sollen neue Bus-Technologien zum Einsatz kommen und Dieselfahrzeuge der Euro 6-Klasse mit Hybrid-Fahrzeugen und Wasserstoffantrieben ersetzt werden. Seit Februar bieten die Stadtwerke auch ein Elektro-Carsharing an. Nach anfänglicher Corona-Flaute zählen die Stadtwerke nun über 200 Anmeldungen. Sie möchten in jedem Stadtteil eine E-Carsharing-Station errichten.

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  • Trinkwasser und Güttinger Bach: Um rund 50 Prozent an Mächtigkeit hätten in Radolfzell die Quellfassungen und Schüttungen in den vergangenen beiden Jahren verloren, erläutert Reinhardt: 2019 starteten die Stadtwerke das Projekt „Trinkwasser Zielplanung 2050“. Dabei sollen Drucke, Kapazitäten sowie Mächtigkeiten von Gewinnungsanlagen untersucht werden und Zukunftsinvestitionen für den Bau, die Vergrößerung oder den Rückbau von Hochbehältern abgeleitet werden. Auch soll bestimmt werden, ob Wasserquellen und Quellfassungen in den nächsten 20 Jahren ausfallen könnten. Innerhalb der nächsten 18 Monate sollen Ergebnisse vorliegen, auf die Radolfzell die Trinkwasserversorgung für die nächsten 40 Jahre aufbauen könne, verspricht Reinhardt.

Die Stadtwerken seien nicht verantwortlich dafür, dass der Bach durch die Güttinger Gottwiesen kaum noch Wasser führt, so Reinhardt auf eine Anfrage aus dem Ortschaftsrat: Die Stadtwerke entnähmen in der Nähe zwar Wasser aus 40 Metern Tiefe. Doch das hätte keinen Einfluss auf den Bach. Vielmehr könnte eine stark verzögerte Grundwasser-Neubildung die Ursache sein, dass der Bach wenig Wasser führe.

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  • Photovoltaik im Wettbewerb: Manche Photovoltaik-Anlage kommt in die Jahre. Deren garantierte Einspeise-Vergütung in das öffentliche Stromnetz wurde ab Datum der Inbetriebnahme 20 Jahre lang gefördert. Betreiber von alten Photovoltaik-Anlagen müssen daher entscheiden, wie sie weiter verfahren wollen, wenn die Förderung entfällt. Im nächsten Jahr fallen die ersten 20 Radolfzeller Solar-Anlagen aus der Förderung heraus, so Reinhardt, weitere 200 sollen folgen. Dann befinden sich die Betreiber im freien Wettbewerb für ihren Solar-Strom. Die Stadtwerke möchten ihnen ein Abnahme-Angebot unterbreiten und stellen sich eine Art Börsenpreis vor. Sie empfehlen Produzenten, ihren Strom in Batterien zu speichern und ihn anteilig für die Eigenversorgung bereit zu halten. Überschüssiger Strom könne auch auf einer virtuellen Sun-Cloud landen und nach Bedarf verbraucht werden.