Die CDU-Fraktion im Gemeinderat Radolfzell beklagt in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung den Serviceabbau bei der Bahn in Radolfzell.

Stadtrat Christof Stadler fängt mit einer grundsätzlichen Kritik an: „Wer angesichts der Klimadiskussion auf Verbesserungen im Service und Angebot der Bahn und des Landes gerade im westlichen Bodenseeraum und Hegau durch den Fahrplanwechsel gehofft hatte, bleibt vielfach enttäuscht.“ Als Beispiel nennt er die Hinweisanzeigen auf den Bahnsteigen: „Seit dem zweiten Dezember wird in Radolfzell eingeblendet: Keine Lautsprecheransagen möglich!“

Ansagen sollen künftig über Ulm erfolgen

Christof Stadler habe bei der Bahn nachgefragt und eine „aberwitzige Erklärung“ bekommen: „Die örtlichen Service-Mitarbeitenden dürfen keine Ansagen mehr machen.“ Diese Ansagen sollten auch in Konstanz nun zentral von Ulm aus erfolgen.

Der täglich in die Schweiz pendelnde Stadtrat stellt fest: „Das geschieht aber nicht.“ Für Stadler ist das ein Unsinn: „Nur der örtliche Mitarbeiter sieht die Bedürfnisse der Bahnkunden und kann reagieren. Wie will dies jemand aus Ulm beurteilen? Und was soll die Ansage im Zug: Bitte achten Sie auf die örtlichen Lautsprecheransagen?“, fragt Bahnkunde Stadler erbost.

Dafür fehle jegliches Verständnis. Die Ansagen benötige man bei aktuellen Zeit- und Bahnsteigveränderungen vor Ort. Nach diesen Ansagen-Veränderungen befürchtet die CDU-Fraktion, dass auch der Service-Punkt mittelfristig in Radolfzell aufgegeben werde.

Hochrheinstrecke mit schlechterem Fahrplan

Die Verschlechterung durch den Fahrplan auf der Hochrheinstrecke ist auch ein Dorn im Auge des Stadtrats: „Wer von Allensbach, Markelfingen oder Böhringen nach Schaffhausen, Waldshut oder gar Zürich möchte, muss mit drastischen Verschlechterungen rechnen.“

Stadler rechnet vor: „Wer bislang von Böhringen aus um 6.40 Uhr den Seehas nach Singen nahm und dann 6.51 Uhr den Anschluss nach Basel erreichte, wird zukünftig auf die Bummelbahn 7.04 Uhr umsteigen müssen.“ Dies betreffe bis zu 100 Reisende. Das hält der CDU-Stadtrat für eine verfehlte Verkehrsplanung: „Statt den bisherigen stündlichen, schnellen Verbindungen verdoppeln sich die Fahrzeiten auf 45 min.“

Stadler hält IC-Regelung für nicht nachvollziehbar

Zudem hält Stadler den Zuschlag für den IC zwischen Schaffhausen und Singen für unsinnig: „Die Schweiz verlangt keine IC-Zuschläge, aber das Land Baden-Württemberg auf der Strecke Engen nach Konstanz mit dem IC ebenso wenig. Aber zwischen Bietingen und Singen muss man den IC-Zuschlag von deutscher Seite aus zahlen, das ist mehr als paradox und willkürlich.“

Das könnte Sie auch interessieren

Auch die Leerfahrten des IC von Singen nach Radolfzell stören den Radolfzeller Stadtrat: „Schon bei der Einführung der wenigen direkten IC-Verbindungen vom Bodensee nach Stuttgart wurde moniert, dass die Fahrgäste in Singen aus- und in den Seehas einsteigen müssen, obwohl der IC dann leer seine Reise zum Abstellen nach Radolfzell fortsetzt.“

Polemisch fragt Christof Stadler: „Sieht so die vielbeschworene Mobilitätswende aus?“ (pm)