Die Herkunft von Menschen lässt sich durch kaum etwas besser herausfinden als über den Sprachgebrauch. Zweifellos ist es schwierig zu leugnen, wenn man Schwabe oder Sachse ist, oder nicht?

Die Verortung geht aber sogar noch präziser als „nur“ auf Bundesland-Ebene, oder? Bestes Beispiel: Einige Menschen, die in und um die Große Kreisstadt Radolfzell herum leben oder arbeiten. Denn der eine oder andere scheint da eine ganz exklusive Gewohnheit zu pflegen, oder?

Keine Bedeutung für den Satz

Es ist ein Wort, besser gesagt eine Worthülse. Ein ‚Oder‘ am Satzende, welches aber nicht der Nachfrage dient. Und für den Satz überhaupt keine Bedeutung hat. Beim Gespräch mit einem Radolfzeller, der die Oder-Floskel verwendet, kann das für einen Nicht-Radolfzeller schon mal ganz schön verwirrend sein.

Denn das ‚Oder‘ am Ende des Satzes heißt keinesfalls, dass man von seinem Radolfzeller Gesprächspartner aufgefordert wird, sich in diesem Moment in die Kommunikation einzuschalten, oder?

Georg Becker, der die SÜDKURIER-Lokalredaktion in Radolfzell leitet und die leere Worthülse auch ganz gerne mal ans Satzende hängt, erklärt seine Theorie: „Wir Radolfzeller beherrschen die englische Sprache eben einfach perfekt und haben das ‚Oder‘ vom ‚Isn‘ it?‘ abgeleitet“, sagt er.

Eine Art Bestätigungsfloskel?

Ein kleiner Seitenhieb gegen mich als Linzgauer, der mit der Weltsprache ab und zu so seine Probleme hat? Naja, wie dem auch sei, zurück zum Thema, oder? Der Gebrauch des ‚Isn‘t it?‘ (zu deutsch: nicht wahr?) sei jedenfalls laut Becker eine Art Bestätigungsfloskel.

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Klingt erstmal plausibel, nur stellt sich da eine Frage: Warum wird es dann nicht wie im Englischen verwendet? Denn das ‚Isn‘t it?‘ hat im Satz eine Funktion, das Radolfzellerische ‚Oder‘ in ganz vielen Fällen nicht, oder?

Ein Studenten-Kollege soll helfen

Vielleicht hat ja Niklas Wolf eine Lösung: Der gebürtige Radolfzeller ist ein ehemaliger Studenten-Kollege von mir. Ein absoluter Experte, was die Verwendung der Floskel betrifft. Er beendet gefühlt jeden Satz mit dem bedeutungslosen ‚Oder‘. Seine Erklärung hilft aber leider auch nicht weiter. Auf Nachfrage meinte er: „Ist das so? Mir ist das noch nie aufgefallen.“ Kein Wunder, denn nach einer Autofahrt mit seinem Papa wird mir schnell klar, woher die Gewohnheit kommt, oder?

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Wer hats erfunden? Die Schweizer...

Nun gut. Ein dritter und letzter Erklärungsansatz führt uns ins Nachbarland. Denn wer hats erfunden? Ja richtig, Sie ahnen es schon, oder? In der Schweiz ist das am Satzende angefügte ‚Oddrr‘ eine weit verbreitete Sprachmarotte. Ein Beispiel: „Das ist jetzt echt hilfreich, oddrr.“ So hilfreich ist leider auch diese Erklärung nicht, denn wie das ‚Isn‘t it?‘ hat auch das ‚Oddrr‘ eine Bedeutung für den Satz. Die Lösung dieser Radolfzeller Angewohnheit haben also letztlich wohl nur die Radolfzeller selbst, oder?

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