Für die einen ist der Auftakt, für die anderen der Abschluss: In einem gemeinsamen Konzert stellten sich die sieben Teilnehmer am Meisterkurs Dirigieren und die Südwestdeutsche Philharmonie im Milchwerk dem Publikum vor: „Es ist für uns eine schöne Tradition, die Saison damit zu eröffnen. Das Orchester genießt es, die unterschiedlichen Handschriften kennenzulernen“, sagte Intendantin und Schirmherrin Insa Pijanka.

Dirigieren ist Präzisionswerk

Bürgermeisterin Monika Laule bewunderte in ihrer Ansprache die Berufe des Dirigenten und des Orchesters: „Ihre Arbeit ist es, Musik zum Klingen zu bringen. Das ist ein Präzisionswerk und es soll nach Inspiration und nicht nach Arbeit klingen.“

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Inspiriert waren sie alle, die nach einer Woche Arbeit mit dem Meister, Johannes Schlaefli von der Zürcher Hochschule der Künste, ihr Können im Konzert zeigten. Die vier jungen Dirigentinnen und drei Dirigenten meisterten ihre Rollen souverän. „Alle Werke im Programm sind schwierig zu dirigieren. Ich habe ihnen etwas gegeben, woran sie lernen können, womit sie sich aber auch wohlfühlen“, sagte Schlaefli.

Guro Haugli aus Norwegen dirigierte den ersten Satz aus Mozarts Es-Dur Sinfonie ruhig und einfühlsam. Sie arbeitete die dynamischen Kontraste bestens heraus. Kingsley Lin aus Taiwan legte sein Dirigat in Schuberts Unvollendeter vorsichtig an, ließ vor den unvorhergesehenen Ausbrüchen deutliche Pausen und gab stimmige Anweisungen.

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Im Allegro aus Dvoráks h-Moll-Cellokonzert war Alexander Wollheim der Solist. Er war Preisträger der Sommerakademie im letzten Jahr und bezauberte mit rasanter Technik und innigem Spiel. Ein Solokonzert zu dirigieren, ist eine weitere Herausforderung. Celia Llácer aus Spanien meisterte sie mit ganzem Körpereinsatz, deutlichen Gesten, die sie ohne Taktstock ausführte und mit sichtbarer Freude am Tun.

Die Meisterschüler haben zum Teil schon eine Anstellung als Dirigent

Über große Bühnenpräsenz verfügte Tobias Meichsner aus Deutschland, der schon Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung am Landestheater Salzburg ist. Der erste Satz aus der dritten Sinfonie von Brahms war bei ihm in besten Händen. Es hatte alle Orchestergruppen im Blick und sorgte für weiche, fließende Übergänge der wogenden Musik.

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In Debussys zauberhafter Musik, „Vorspiel zum Nachmittag eines Faun“ setzte Marie Rosenmir aus Schweden deutliche Zäsuren. Gekonnt arbeitete sie mit dem Orchester die flirrende Stimmung des impressionistischen Tongemäldes heraus, ließ den vielen Solorollen ihren Raum und setzte ihre Linke, die für Einsätze, Gestaltung und Dynamiken verantwortlich ist, geschickt ein. Strawinskys sechs Sätze seiner Feuervogel-Suite teilten sich Matthew Rhodes aus Großbritannien und Zofia Kiniorska aus Polen. Beide dirigierten die sowohl zarte wie aufbrausende und aufwühlende Musik mit Umsicht und präzisen Anweisungen.

Schwedische Teilnehmerin dirigiert an der königlichen schwedischen Oper

Die Preisträgerin Marie Rosenmir studierte am Royal College of Music in Stockholm. Sie dirigiert das Schwedische Radio-Sinfonieorchester, die Königliche Philharmonie Stockholm und an der Königlichen Schwedischen Oper. Sie dirigierte dann die Zugabe, den ersten ungarischen Tanz von Brahms und entließ ein begeistertes Publikum mit einem Ohrwurm in den herbstlichen Abend.