Es ist ein Thema, das auch in der Corona-Pandemie immer wieder thematisiert wurde: Gewalt gegen Frauen. Die Hilfsorganisation Weißer Ring berichtete mehrfach von gestiegenen Fällen häuslicher Gewalt. Aber auch schon die Me-Too-Bewegung hat das Problem in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Um schon die Jugend für das Thema zu sensibilisieren, soll in Radolfzell nun eine szenische Lesung für Schulklassen und Auszubildende stattfinden. Die nächsten Termine sind am 27. und 28. Juni in der Zeller Kultur.

Das Theaterstück ist wichtig für Jugendliche

Bereits im November fand die Veranstaltung mit dem Namen „Schlag und Lichter“ in der Zeller Kultur zum Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Die Texte, die in eine Geschichte eingebettet sind und als Theaterstück präsentiert werden, beschäftigen sich mit der Frage, wie Gewalt entsteht und wie sie vermieden werden könnte. Nun wird das Stück, leicht verändert, erneut aufgeführt.

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„Die erste Aufführung wurde leider etwas von Corona ausgebremst“, erzählt Eva Wernert von Terre des femmes, die rund um den 25. November verschiedene Aktionen organisiert – im vergangenen Jahr unter anderem die Lesung in der Zeller Kultur. Nur etwa 20 Personen sahen das Stück. Doch die Meinung der Zuschauer sei einhellig ausgefallen: Dieses Theaterstück, in dem neben den Schauspielerinnen Anny de Silva und Ricarda Olleck auch die beiden jungen Schauspieler Varinia de Silva und Kai Eberhard auf der Bühne stehen, sollte Jugendlichen zugänglich gemacht werden.

Auch an Radolfzeller Schulen gibt es Probleme

Eva Wernert schrieb alle Radolfzeller Schulen an und stieß in der Gerhard-Thielcke-Realschule sofort auf Interesse. „Zwei Schülerinnen, die auch Mitglieder des Jugendgemeinderats sind, hatten mich gebeten, ins Gespräch zu bringen, dass es an der Schule zu Verhaltensweisen kommt, mit denen einige Mädchen sich nicht wohlfühlen“, erzählt Arno Bone, Sozialarbeiter an der Realschule, auf Anfrage. Das Angebot von Eva Wernert und Anny de Silva sei wie gerufen gekommen.

Gemeinsam mit Direktorin Gabriele Wiedemann sind die neunten Klassen ausgewählt worden, das Stück anzusehen und sich auf diese Weise mit der Frage auseinanderzusetzen, wo unangebrachtes Verhalten gegenüber Mädchen beginnt. Grenzverletzungen anderer Art, etwa Mobbing, würden schon viel früher, bereits ab der fünften Klasse, angesprochen. „Es geht uns darum, zu sensibilisieren und dieses nicht leichte Thema der Grenzüberschreitung altersgerecht immer wieder neu zu bearbeiten“, so Bone.

„Es ist wichtig, Signale wahrzunehmen“

In dem Stück „Schlag und Lichter“ würden die verschiedenen Gesichter, die Gewalt an Frauen annehmen kann, dargestellt, erzählt de Silva. Von verbaler Gewalt und toxischen Beziehungen bis hin zur Zwangsverheiratung. Die beiden jugendlichen Schauspieler stellen eine Szene roher, körperlicher Gewalt innerhalb der Familie dar, verrät sie. Sie zeigen aber auch, wie ein Mädchen allmählich stärker wird und sich von den Bedrohungen und Manipulationen ihres Bruders befreit.

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Eine weitere Geschichte handle von einem hübschen Mädchen, dem ein Fotograf zu nahe kommt. Danach werde die Frage gestellt, ab wann die Situation gefährlich wurde und welche Ausstiegsmöglichkeiten es gegeben hätte. „Für mich ist das eine zentrale Stelle im Stück“, so Wernert. „Es ist wichtig, Signale wahrzunehmen und Situationen zu vermeiden, in denen es zu Gewalt kommen kann. Und wenn man doch in eine gefährliche Lage gekommen ist, zu wissen, wie man wieder aussteigt.“

Möglichst viele sollen dieses Stück sehen

Das Interesse an dem Stück ziehe noch größere Kreise, berichtet Wernert. Die Teggingerschule plane einen Besuch für das neue Schuljahr. Zudem wollen Sozialarbeiter anderer Schulen zu den Aufführungen für die Realschule am kommenden Montag und Dienstag kommen, um zu entscheiden, ob sie das Stück später mit Schülern ansehen. Petra Martin-Schweizer, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Konstanz, hat eine Aufführung für Auszubildende des Landratsamts gebucht. „Schön wäre es, wenn wir das Stück allen Radolfzeller Schülern im passenden Alter zeigen könnten“, meint Wernert. De Silva könnte sich auch vorstellen, vor Klassen aus anderen Städten zu spielen, allerdings sollten die Aufführungen in der Zeller Kultur bleiben.