Hinter Konzertbesuchern und Musikern liegt eine vergleichbar lange Abstinenz von Live-Konzerten. Die Durststrecke konnte am Sonntag für viele beendet werden. Denn, wie Sängerin Annett Louisan gleich zu Beginn des Auftritts im Radolfzeller Milchwerk offenbarte, war der Abend auch für sie eine Premiere der besonderen Art.

Es habe sich für die Musikerin um das erste Konzert in einer Halle seit langer Zeit gehandelt und sei gleichzeitig auch das erste mit Maskenpflicht gewesen. Die mimischen Reaktionen der Menschen auf ihre Musik wollte sie daher von den Augen ablesen. Immerhin konnte sie auf 340 Augenpaare blicken, was aus Sicht des Veranstalters MCD jedoch nicht wirtschaftlich zu nennen war.

Musik aus 20 Jahren

Dem musikalischen Programm tat das keinen Abbruch. Die gerne als Stimme des deutschsprachigen Chansons bezeichnete Louisan spielte sich mit ihrer fünfköpfigen Band durch einen Potpourri aus Stücken ihrer nunmehr 20 Jahre währenden Karriere.

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Auf der Setlist standen Titel wie „Eve“, „Drück die 1“ und sogar ihr erster weitläufig bekannter Song „Das Spiel“. Obschon eine gefühlte Ewigkeit im Repertoire der Künstlerin, bekannte auch sie, dass ihr die Titel nach wie vor gut gefallen. „Wir spielen heute Lieder, auf die ich einfach Lust habe“, ließ die Sängerin das Publikum wissen.

Eine Zeitreise

Die Lieder verfehlten ihre Wirkung nicht, sah sich der ein oder andere Zuhörer in eine Zeitreise durch die Vergangenheit versetzt. Ein paar aktuelle Titel gab es dann aber auch zu hören. In der Mehrzahl handelte es sich um Louisan-typisch interpretierte Klassiker von ihrer jüngsten Veröffentlichung „Kitsch“.

Ihnen verlieh sie mit ihrer manchmal kinderhaft anmutenden Stimme einen neuen Charakter. Leonard Cohens „Hallelujah“ wurde zu „Hallo Julia“. „Bitter Sweet Symphonie“ von The Verve hauchte sie ebenfalls eine andere Note ein. Die Stimme und die Band von Annett Louisan sorgten im letzten Drittel des Konzertes dann für zunehmende Begeisterung, die in drei Zugaben mündete und alle zufrieden nach Hause gehen ließ. Dann wieder ohne Maske – auch etwas Schönes.