Ein weiteres Mal ist in dieser Woche ein Schuljahr zu Ende gegangen, das aufgrund der Corona-Pandemie alles andere als normal ablief. Schulschließungen und Wechselunterricht hatten den Alltag gründlich durcheinander gebracht. Um Schülern die Möglichkeit zu geben, fehlendes Wissen aufzuholen, sollen Kinder und Jugendliche im Rahmen der Lernbrücken in den Sommerferien in Förderstunden unterstützt werden. Auch an einigen Schulen in Radolfzell werden diese angeboten – jedoch nicht überall.

Ratoldusschule

An der Ratoldusschule in Radolfzell werden im Rahmen des Projekts Förderstunden angeboten, wie die bisherige Schulleiterin Angelika Haarbach auf Nachfrage berichtet. In Anspruch nehmen diese 37 Schüler der Ratolduschule. Die Betreuung übernehmen laut Angelika Haarbach zwei Lehramtsstudenten sowie eine Krankheitsvertretung, die derzeit an der Schule angestellt sei. Womöglich komme auch noch eine weitere Kraft dazu.

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Weitere Auskunft gibt die Abteilungsleiterin Nuria Loewen: So seien die Lernbrücken-Kurse auf die letzten beiden Ferienwochen gelegt worden und sollen vier Stunden am Vormittag umfassen. Normaler Unterricht finde aber nicht statt, es werde mit Arbeitsblättern und Apps gearbeitet. Dabei sollen die Betreuungskräfte begleiten und unterstützen. Der Ansatz der Lernbrücken sei definitiv gut, befindet sie. Allerdings betont sie auch, dass sich erst noch zeigen müsse, ob eine enge Betreuung der Schüler erfolgreich umsetzbar sei. Zudem sei die Organisation und Vorbereitung für die Lehrkräfte und Schulleitungen mit einem Mehraufwand verbunden.

Gerhard-Thielcke-Realschule

Auch die Radolfzeller Realschule bietet in den letzten beiden Schulferienwochen einen Kurs an. Dieser sei mit 30 Schülern aus den Klassenstufen fünf bis neun besetzt und voll, so Rektorin Gabriele Wiedemann. Im Einsatz sei eine Lehrerin, die Arbeitsmaterial von jenen Kollegen bekomme, deren Schüler an der Lernbrücke teilnehmen. Die Schüler sollen dieses bearbeiten und haben außerdem die Möglichkeit zur Selbstkontrolle.

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„Die Kollegin hilft bei Fragen in den Kernfächern und steht bei der planvollen Arbeit als Hilfe zur Verfügung. In den Pausen ist ein Bewegungsangebot geplant“, berichtet die Schulleiterin weiter. Allerdings findet Gabriele Wiedemann für die Lernbrücken nicht nur lobende Worte. Zwar gebe es immerhin ein Angebot, aber: „das Pflaster ist zu klein für die Wunde“, beklagt sie. Für die Schüler sei die Lernbrücke Übungszeit unter Anleitung, „mehr kann sie nicht sein“.

Teggingerschule

Wie Schulleiter Norbert Schaible mitteilt, kann die Grund- und Werkrealschule in der Innenstadt keine Förderstunden in den Sommerferien anbieten. Etwa zehn Schüler hätten Interesse angemeldet, „aber wir haben keine Lehrkraft, die sich gemeldet hat“, so Schaible. Die Schüler zur Betreuung an anderen Schulen unterzubringen, sei nicht geplant. Die Lernbrücken seien für die Teggingerschule daher schlichtweg abgesagt worden.

Friedrich-Hecker-Gymnasium

„Wir nehmen nicht an den Lernbrücken teil“, informiert Marc Bornmann, stellvertretender Schulleiter des Friedrich-Hecker-Gymnasiums. Zum einen habe die Schule das Gefühl gehabt, dass die Lernbrücken im Jahr 2020 „nicht so effizient waren“, zudem habe es damals Schwierigkeiten mit der Lieferung des Lernmaterials gegeben.

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Auch sei die Schule auch mit einer internen Umstrukturierung beschäftigt: Ende Juni hört Bornmann aus familiären Gründen als stellvertretender Schulleiter auf und übergibt das Amt an eine Kollegin. Außerdem, so gibt Bornmann an, sei ihm gar kein Schüler bekannt, der wegen der Lernbrücken nachgefragt habe.

Schule Schloss Gaienhofen

Anders sieht es an der Schlossschule in Gaienhofen aus. Dort werden laut Rektor Dieter Toder Förderstunden für rund 50 Schüler aus allen Klassenstufen der Schule angeboten. Für die Betreuung seien vier Lehrer gefunden worden, „alles ehemalige Referendare, die ihren Dienst jetzt im Herbst beginnen“, erklärt Toder. Geplant sei ein „individueller Unterricht mit kurzen Input-Sequenzen und Aufgaben, die wiederum kontrolliert und besprochen werden“. Dieser finde in der letzten Sommerferienwoche von 9.30 bis 13 Uhr statt.

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Prinzipiell hält Toder die Lernbrücken für sinnvoll, allerdings sei der Zeitpunkt zu diskutieren. „Jetzt müssen erst mal Ferien sein, für alle“, betont der Schulleiter. „Daher gehen wir auf den letztmöglichen Zeitraum in den Ferien.“ Für angemessener würde er außerdem ein Programm halten, das die Eingangsphase des Schuljahres etwa in den ersten Schulwochen begleitet, „denn dann sind die Schüler auch wieder auf Unterricht eingestellt“.