Wer in diesem Jahr an Allerheiligen den Gottesdienst in St. Meinrad besucht, den erwartet eine ganz besondere Messe. Denn an diesem Tag sollen in und um die Kirche nicht nur Gläubige Platz finden, sondern auch 25 Mitarbeiter des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) sowie deren Ausrüstung – unter anderem drei fahrbare Kameras. Der Grund: Aus Radolfzell wird eine Folge des ZDF-Fernsehgottesdienstes live übertragen – vorausgesetzt, die Corona-Pandemie bereitet dem Vorhaben nicht doch noch ein frühzeitiges Ende. Aktuell aber gehen das ZDF wie auch die Organisatoren in der Pfarrgemeinde davon aus, dass die Übertragung in St. Meinrad stattfinden kann, beruhigt der Radolfzeller Stadtpfarrer Heinz Vogel.

Schon im Vorfeld hat Corona einiges durcheinander geworfen. Mitte des vergangenen Jahres habe die Katholische Fernseharbeit, eine Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz und verantwortlich für die Organisation der ZDF-Fernsehgottesdienste, in Radolfzell bezüglich einer möglichen Übertragung angefragt, erzählt Vogel. Für ihn kommt eine solche Anfrage nicht zum ersten Mal – schon als Stadtpfarrer in Waldkirch habe er an drei Fernsehgottesdiensten mitgewirkt.

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Nach Absprachen mit dem Pfarrgemeinderat und der Gemeinde seien dann die Planungen losgegangen: Weil es im Münster Unserer Lieben Frau zu viele Säulen gebe, die die Filmaufnahmen erschweren, sei schon früh die Kirche St. Meinrad für die Übertragung ausgewählt worden. „Dort gibt es keine Sichtblockaden“, erklärt Vogel. Ursprünglich habe man außerdem vorgehabt, die Kirchenbesucher so viel wie möglich selbst singen zu lassen – die Pandemie lasse das nun aber nicht mehr zu. Die Ansage des ZDF laute, dass die Gemeinde nicht singen soll.

Stattdessen wurde der Sänger Clemens Morgenthaler angeworben, zusätzlich sorgen Münsterkantor Andreas Jetter, die Radolfzeller Flötistin Julia Stocker und ein kleiner vierköpfiger Chor für die musikalische Gestaltung. Außerdem mussten wegen Corona die Sitzplätze stark reduziert werden – während Heinz Vogel zu Beginn der Planungen noch von vielen Besuchern ausging, können an Allerheiligen jetzt nur noch etwa 70 Gläubige den Gottesdienst vor Ort erleben.

In der Kirche St. Meinrad findet an Allerheiligen der ZDF-Fernsehgottesdienst statt
In der Kirche St. Meinrad findet an Allerheiligen der ZDF-Fernsehgottesdienst statt | Bild: Marinovic, Laura

Umfangreiche Planungen

Aber auch ohne Corona gibt es im Vorfeld der Übertragung viel zu erledigen. „Was eine Dreiviertelstunde Übertragung wirklich an Arbeit bedeutet, das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt Heinz Vogel. Da müssen die Predigt und die Begrüßung der Fernsehzuschauer auswendig gelernt und viele Informationen übermittelt werden, damit die Katholische Fernseharbeit aus ihnen ein Drehbuch erstellen kann, das den ganze Ablauf des Gottesdienstes skizziert. Zusätzlich müssen die Mitarbeiter des ZDF, von denen ein Teil bereits am Donnerstag vor Allerheiligen anreist, untergebracht und versorgt, die Technik aufgebaut und Helfer organisiert werden.

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Wie funktioniert das mit der Technik?

Bereits in der Vergangenheit gab es mit dem ZDF sowie der Stadt und den Stadtwerken eine große Besprechung, erklärt Vogel. Dabei sei etwa die Stromversorgung geplant worden – weil sie vor Ort nicht ausreicht, bringe das Kamerateam selbst einen Generator für die Technik mit. Zudem habe man besprochen, wo die Fahrzeuge des ZDF, darunter tonnenschwere Sattelzüge, parken können.

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Am Freitag vor Allerheiligen soll noch eine gemeinsame Probe aller Beteiligten folgen, am Samstag ein Durchlauf unter Live-Bedingungen sowie die Aufzeichnung der Meditation zur Kommunion und am Sonntag schließlich die Übertragung des Gottesdienstes selbst. All das ist wichtig – denn da der Fernsehgottesdienst nur eine Dreiviertelstunde dauert, dürfen Lieder oder Gebete nicht zu lang sein. Ob der zeitliche Ablauf stimmt, werde bei den Probedurchläufen festgestellt, erklärt Vogel, notfalls müsse rechtzeitig noch gekürzt werden. „Man braucht für so etwas Menschen, die auch bereit sind, bereits Geprobtes ausfallen zu lassen“, sagt der Stadtpfarrer darum.

„Da hat man eine Verpflichtung“

Dass trotz des Aufwands in Radolfzell überhaupt ein Fernsehgottesdienst gedreht wird, hält Heinz Vogel für wichtig. Denn es sei immer schwieriger, überhaupt Gemeinden zu finden, die bereit zu einer Übertragung sind. Diese binde schließlich viele Kräfte und erfordere auch gewisse Voraussetzungen: „Man braucht schon eine Infrastruktur“, erklärt Heinz Vogel. Dabei würden rund eine Million Menschen die Gottesdienste am Bildschirm anschauen – „ich finde, da hat man eine Verpflichtung“, sagt der Radolfzeller Pfarrer. Und schön sei ja auch die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten: „Man wächst in dieser Zeit zusammen.“

Noch sind die Bänke leer – an Allerheiligen sollen in der Kirche neben etwa 70 Gläubigen aber auch Mitarbeiter des ZDF Platz finden.
Noch sind die Bänke leer – an Allerheiligen sollen in der Kirche neben etwa 70 Gläubigen aber auch Mitarbeiter des ZDF Platz finden. | Bild: Marinovic, Laura

Während er bei den früheren Übertragungen als Pfarrer in Waldkirch noch Angst gehabt habe, mitten im Gottesdienst den Faden zu verlieren, helfe ihm jetzt übrigens die Erfahrung. „Eine Grundanspannung ist immer da“, gibt er zwar zu – das sei aber auch bei jedem anderen Gottesdienst so. Aber durch die vergangenen Fernsehgottesdienste wisse er, dass er das könne. „Und das beruhigt.“ Sein Kopf sei so frei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

„Wir gehen ein bisschen auf die Wurzeln unserer Stadt ein“

Etwa den Gottesdienst, mit dem Heinz Vogel die Gelegenheit hat, all den Fernsehzuschauern die Geschichte Radolfzells näher zu bringen. „Wir gehen ein bisschen auf die Wurzeln unserer Stadt ein“, erklärt er. Passend zum Feiertag sollen die Radolfzeller Heiligen im Gottesdienst eine Rolle spielen: Die Patronen der verschiedenen Pfarrgemeinden etwa sollen auf Fahnen bei den Ministranten im Chorraum Platz finden, auf die gleiche Weise sollen auch der Heilige Ratolt sowie die Hausherren präsentiert werden. Aber nicht nur das. „Es gibt ja nicht nur die Heiligen, die wir verehren“, sagt Pfarrer Vogel. Stattdessen gebe es noch viel mehr Menschen, die aufgrund ihrer Taten von ihren Mitmenschen als heilig angesehen werden. Um sie soll es in der Predigt gehen.

Im Anschluss an den Gottesdienst können die Zuschauer Mitglieder der Kirchengemeinde St. Meinrad anrufen, um etwa über den Gottesdienst zu sprechen oder Rückmeldungen zu geben – oder einfach einen Ansprechpartner zu haben. Ein wichtiger Dienst, dessen sagt Vogel. „Ich habe von den letzten drei Übertragungen so rührende Briefe und Telefonate in Erinnerung. Das lohnt sich auf jeden Fall.“

Notfalls findet der Gottesdienst in Bensheim statt

Was aber, wenn die weiteren Corona-Entwicklungen die Übertragung aus St. Meinrad doch unmöglich macht? Dann werde er nach Bensheim in der Nähe von Mainz fahren, wo notfalls der Gottesdienst stattfinde, sagt Heinz Vogel. Die Predigt passe dann allerdings nicht mehr und müsse neu geschrieben werden. Außerdem können die 15 Ministranten, die an Allerheiligen Teil des Gottesdienst in St. Meinrad sein sollen, nicht mitreisen.

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