Zeugnis der Gartenstadt-Bewegung

Das Wohngebiet zwischen Ratoldus-, Schwert-, Köllin- und Zangererstraße ist in den 1920er Jahren erbaut worden. In symmetrischen Elementen, auf wenig Raum, sind so Reihenhäuser für Arbeiter entstanden, die im Zuge der Gartenstadtbewegung errichtet wurden. Zu den Häusern gehörten größere Gärten, die die Bewohner einst ernähren sollten. Torbögen erinnern noch heute an diesen Baustil. Die Gärten sind längst zugebaut. Nach und nach wurde auch in der kleinen Radolfzeller Gartenstadt nachverdichtet. Doch damit soll nun Schluss sein.

Stadträte stellen gemeinsamen Antrag

Ein interfraktioneller Antrag im Gemeinderat forderte einen Bebauungsplan für dieses Areal. Damit wolle man die Reste der aus der Sicht der Stadträte erhaltenswerten Architektur schützen. Bis man einen Bebauungsplan erstellt hatte, forderten die Räte in ihrem Antrag zusätzlich eine Veränderungssperre. Bei den übrigen Stadträten traf dieser Antrag jedoch auf taube Ohren. Mit sechs Pro- und 15 Contra-
stimmen, bei zwei Enthaltungen, wurde er abgelehnt. Jedoch einigte man sich darauf, nochmals prüfen zu lassen, ob man eine Erhaltungssatzung für das Areal verabschieden könnte.

Denkmalamt sieht kein schützenswertes Gebäude

Eine erste Prüfung durch das Landesamt für Denkmalpflege, welches sich im März dieses Jahres ein Bild der Anlage gemacht hatte, ergab, dass dieses Areal kein Kulturdenkmal sei. Einzelne Gebäude seien im Laufe der Zeit schon erheblich verändert worden. Schon aufgrund der Beurteilung von außen sei der Prüfer der Auffassung, dass es der Anlage insgesamt an der für ein Kulturdenkmal notwendigen Originalität und Integrität fehle. Nun wolle man die endgültige schriftliche Beurteilung des Landesamtes abwarten und dann entscheiden, ob und wie man einen Bebauungsplan aufstellen könnte.

Gabriel Deufel will Familien unterstützen

Stadtrat Gabriel Deufel (Freie Wähler) war allein dieser Plan schon zuviel. "Mir stinkt es, dass es immer Einwände gibt, sobald einer etwas Bauen möchte", sagte er. Für ihn sei der Fall klar: Eine junge Familie wolle ihre Wohnfläche vergrößern und denen sollten keine Steine in den Weg gelegt werden.

Waltraud Fuchs kritisiert die Pläne

Waltraut Fuchs (FGL) befand, die Familie, die den Anbau plant, sei schlecht beraten worden. Auch die übrigen Anbauten und Neubauten in dem Areal seien ein "unsensibler Umgang mit dieser historischen Bausubstanz". Der geplante Anbau sei nicht verträglich für die Nachbarschaft, stellte Fuchs fest.

Alle Hausbesitzer sollen an einen Tisch

Christof Stadler (CDU) schlug eine Vermittlung zwischen den einzelnen Wohnparteien vor. In dem Gebäudekomplex wohnen insgesamt zehn Parteien, die jeweils Eigentümer ihres Hausteils sind. Von der Ratoldusstraße ist die ursprüngliche U-Form des Gebäudes noch gut erkennbar. Diese würde durch den geplanten Anbau verschwinden. Stadler wollte mit einem runden Tisch eine Lösung für eine einheitliche Erweiterung finden, mit der alle Anwohner leben könnten. Dieser Vorschlag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Auch Norbert Lumbe (SPD) sagte, familiengerechter Wohnraum sollte in Radolfzell eine hohe Priorität haben.