Öhningen Zweifel an Wirtschaftlichkeit der geplanten Windkraftanlage Chroobach

In Öhningen gibt es viel Skepsis gegenüber dem Projekt. Etliche Gemeinderäte befürchten Nachteile für ihre Ortschaft.

Die auf Schweizer Seite geplante Windkraftanlage Chroobach erhitzt die Gemüter auf der Höri und war deshalb auch Gegenstand einer Gemeinderatssitzung in Öhningen. Raus aus dem von Atomkraftwerken erzeugten Strom, weg von fossilen Brennstoffen – da waren sich alle Ratsmitglieder einig. Auch der Weg zu einer 2000-Watt-Gesellschaft ist bei allen unbestritten. Dennoch regt sich gegen die geplante Windkraftanlage Chroobach erheblicher Widerstand, und das hat mehrere Gründe. Auf deutscher Seite sind ebenfalls auf der gleichen Windachse Messungen durchgeführt worden. Sie haben aufgezeigt, dass die durchschnittliche Windstärke nicht ausreicht, um eine Windkraftanlage auf dem Schiener Berg wirtschaftlich zu betreiben.

Klaus Nägele, Mitglied der CDU, wohnt auf dem Hof der Oberen Schrotzburg und berichtet, dass die Windkrafträder im benachbarten und von seinem Hof aus sichtbaren Windpark Verenafohren in Wiechs am Randen oft stillstehen. "Es fehlt in dieser Region einfach an Wind", sagt Nägele. Warum können dann die Räder im Windpark Chroobach dennoch wirtschaftlich sinnvoll sein? "Das liegt ganz eindeutig an der erheblich höheren Einspeisevergütung", sagt Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid und deutet damit gleich das nächste Problem an.

Die gegenüber deutschen Regelungen rund dreimal so hohe Einspeisevergütung in der Schweiz wird auf die Bezieher von Strom aus Schaffhausen umgelegt werden, sind sich die Gemeinderatsmitglieder in Öhningen sicher und befürchten eine erhebliche Preiserhöhung für die Bürger, die traditionellerweise ihren Strom bis heute aus Schaffhausen beziehen. Die Befürchtung ist nicht unbegründet. Wenn der Chroobach nicht wirtschaftlich arbeitet, wer soll dann die finanziellen Verluste tragen? Es werden wohl wieder die Verbraucher sein, egal ob in Stein am Rhein oder im Öhninger Ortsteil Schienen.

Aber die Landschaft würde nachhaltig geprägt bleiben. Sowohl in Stein am Rhein als auch in Radolfzell wären die rund zweihundert Meter hohen Windräder sichtbar. Diese massive Sichtbarkeit betrifft nach Aussagen des Unternehmens New Energy Scout, welches mit Machbarkeitsstudien beauftragt worden ist, rund 8300 Schweizer Bürger und 88 000 Bürger auf deutscher Seite. Nachvollziehbar, dass sich Widerstand regt. Denn neben ein paar "Windspargeln" gibt es noch einen weiteren Aspekt: Durch die Errichtung der Windkraftanlage Chroobach könnte eine Veränderung der umgebenden Landschaft entstehen, die zu einer Aberkennung des Unesco-Weltkulturerbes führen kann, sowohl für Stein am Rhein als auch für Öhningen.

Nachteile für beide Nachbarn sind vorprogrammiert, und dagegen will sich der Gemeinderat in Öhningen wehren. Nichts gegen erneuerbare Energien, wenn sie denn sinnvoll sind und nicht nur von einer Windparkindustrie gesteuert werden, ist die grundsätzliche Haltung im Gemeinderat. Es geht um den Schutz eines auch auf Schweizer Seite geschätzten Naherholungs- und Landschaftschutzgebietes. Christine Schäfer (CDU) schätzt ein: "Da wird viel Natur nachhaltig zerstört."

Demgegenüber stehen Subventionsinteressen der Windparkindustrie. Der Gemeinderat will in den nächsten Tagen eine Stellungnahme zu diesem Projekt abgeben. Damit ist es aber noch nicht genug. Otto Kasper, Einwohner aus Schienen, startete nach der Ratssitzung einen eindringlichen Aufruf: "Wenn die Bürger den Stromanbieter wechseln, wird die Anlage auf dem Chroobach immer unwirtschaftlicher."

 

Das Projekt

Vier Windkraftanlagen mit einer Höhe von jeweils 200 Metern sollen auf dem Chroobach/Schienerberg errichtet werden. Informationen zu diesem Projekt gibt es von verschiedenen Seiten. Im Internet gibt es unter www.Chroobach.ch Informationen der Projektgemeinschaft Chroobach Windenergie. Dort wird auch von einer Begleitgruppe interessierter Bürger gesprochen, im letzten Jahr sind aber sieben von 17 Bürgern aus dieser Begleitgruppe ausgeschieden. Unter www.Lssb.de erhält man Informationen der Bürgerinitiative Landschaftsschutz Schienerberg.

 

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