Radolfzell – Die Zeiten, in denen das Schulgebäude auf der Mettnau unter dem spöttelnden Titel "Frikadellen-Akademie" lief, sind längst vorbei. Der Zweig der Haus- und Landwirtschaftlichen Berufsschulen ist längst ins Berufsschulzentrum (BSZ) Radolfzell an den Mezgerwaidring gewechselt, das agrarwissenschaftliche Gymnasium folgt zum neuen Schuljahr.

Ein Beispiel mit Folgen: Noch sind auf der Mettnau das Biotechnologische und das Sozialpädagogische Gymnasium untergebracht, dazu kommen die sozialen Fachschulen, in denen Erzieherinnen und Altenpfleger unterrichtet werden. Stand heute hat die Mettnauschule rund 820 Schüler. Jetzt diskutiert der Kreistag darüber, ob die Schule nicht seziert und auf andere Berufsschulen aufgeteilt werden kann. Der Vorschlag kam nach einem Gutachten von "Biregio", einer Projektgruppe für Bildung und Region mit Sitz in Bonn, auf den Kreistagstisch. Weil das neu gebaute Berufsschulzentrum am Mezgerwaidring in Radolfzell Kapazitäten hat, weil man noch nicht so genau weiß, wie man das neu zu bauende Berufsschulzentrum in Konstanz füllen will. Peter Kessler, Bürgermeister in Moos und Kreisrat für die Freien Wähler, nennt den wunden Punkt: "Man hat in Radolfzell zu groß gebaut." Der Neubau in Konstanz sei wichtig, weil es dort immer noch die meisten Handwerks- und damit Ausbildungsbetriebe gebe: "Dem müssen wir Rechnung tragen."

Immerhin, die Schulstrukturkommission im Kreis kann sich auch vorstellen, dass die Mettnauschule auf der Mettnau verbleibt und das BSZ Radolfzell und das neue BSZ Konstanz durch Verlagerung anderer Schularten an Bedeutung und Schülern gewinnt. Hermann Repnik, CDU-Kreisrat aus Radolfzell, glaubt, dass noch vor den Ferien eine Entscheidung fallen wird. Aus seiner Sicht verfüge die Mettnauschule über eine gewachsene Struktur: "Die passt theoretisch nirgends rein."

Die CDU-Fraktion im Radolfzeller Gemeinderat stemmt sich vorbeugend gegen eine Auflösung der Mettnauschule. In ihrer Presseerklärung heißt es: "Das Gymnasium ist weithin durch eine gelungene pädagogische Arbeit anerkannt." Mit den Bereichen Agrarwissenschaft, Biotechnologie und Sozialwissenschaften habe sich die Mettnauschule einen guten Ruf in der Bildungslandschaft erworben. "Überschaubare Einheiten statt Großgebilden fördern die Qualität und die Lernatmosphäre. Auch baulich ist die Schule mit über 800 Schülern gut ausgestattet und beliebt", schreibt CDU-Stadtrat Christof Stadler.

Siegfried Lehmann, Berufsschullehrer in Singen, Stadtrat in Radolfzell und Kreisrat der Grünen, sitzt in der Strukturkommission. Er betrachtet das Gutachten skeptisch: "Schülerzahlprognosen für Berufsschulen haben noch nie gestimmt." Aus seiner Sicht spräche eigentlich alles gegen eine Verlagerung der Mettnauschule: "Dort haben sie ein geschlossenes Ausbildungskonzept." Davon profitierten gerade die Erzieherinnen, die aus dem ganzen Landkreis an den zentralen Unterrichtsstandort Radolfzell kommen. "Es wäre schlecht, wenn wir ausgerechnet diesen Fachbereich nach Konstanz verlagern."

SPD-Kreisrat Markus Zähringer ist Lehrerkollege von Lehmann, nicht in Singen, sondern im BSZ Radolfzell. Er fühlt sich deshalb etwas befangen, hält aber eine Verlagerung der Mettnauschule ins BSZ nicht für die geeignete Lösung. Zähringer verweist auf die gewachsene Struktur und auf kompetente, motivierte Lehrkräfte auf der Mettnau: "Sie haben dort einen enormen Zulauf und tolle Schülerzahlen." Der Kreisrat warnt davor, nur auf die Kosten zu schauen: "Der pädagogische Kahlschlag, der da droht, steht dazu in keinem Verhältnis." Solange es Unterrichtscontainer vor Berufsschulen im Kreis gebe, "wäre der Leerstand an unserem BSZ auch anders zu beheben".

Radolfzells OB Martin Staab beteuert: "Zuvorderst geht es der Stadt um den Erhalt der Schule am Standort Mettnau." Als Kreisrat müsse er auch die wirtschaftliche Seite betrachten. Der Kreis habe in das Berufsschulzentrum Radolfzell und damit den Bildungsstandort Radolfzell 40 Millionen Euro investiert. Deshalb hält Staab für die Mettnauschule mit Blick auf den Steuerzahler fest: "Ob eine Verlagerung ans Berufsschulzentrum aus wirtschaftlichen Gründen für den Kreis notwendig werden wird, kann definitiv noch nicht gesagt werden."

Die Schenkung

Stadtrat Christof Stadler verweist in seiner Pressemitteilung zur Mettnauschule auf geschichtliche und vertragliche Gesichtspunkte: "Seit 1882 ist die ehemalige Haushaltungsschule in Radolfzell verankert und beim Neubau 1913 unterstützte die Stadt das Projekt unter anderem durch das kostenlose zur Verfügung stellen des Geländes, während der Kreis Konstanz sich im Gegenzug vertraglich verpflichtete, die Schule auf immer in Radolfzell zu belassen." Bei einem Wegzug von der Mettnau müsste das Gelände nach Ansicht der CDU-Fraktion wieder vom Landkreis an die Stadt Radolfzell übergehen oder ein Ausgleich geschaffen werden.