Wer einmal seinen Blick aufmerksam auf die Pflastersteine der Radolfzeller Innenstadt wirft, dem begegnen sie plötzlich auf Schritt und Tritt: Zigarettenstummel. Allein auf dem Weg von der Suchtberatungsstelle in der Schützenstraße bis zu den Hotspots am Bahnhof und dem zentralen Omnibus-Bahnhof liegen sie zu Hundert auf dem Boden – vor allem an Stätten mit hohem Publikumsverkehr wie vor dem Rathaus, dem Amtsgericht, dem Bahnhof und an Orten, an denen Menschen verweilen. Der Präventionsrat startet am Samstag, 20. Mai, einen Aktionstag, an dem Bürger und Schüler demonstrativ die Stummel von den Straßen und Parkanlagen auflesen und sie am ersten Radolfzeller Umwelt- und Klimaschutztag auf der Mettnau in einer 80 000 Zigarettenstummel fassenden Waste-Box zusammenlegen wollen.

Für den Umweltmediziner und Präventionsrat Markus Dettenkofer sind die Zigarettenstummel ein Ärgernis: Sie würden mittlerweile zum Stadtbild mit dazugehören. Für ihn sind sie eine Umweltverschmutzung. Als Fahrradfahrer findet er sie auf Feld- und Wanderwegen – doch vor allem in der Stadt. Beim Warten auf den Zug zählte er an einem Abend mehr als einhundert Zigarettenstummel am Seeufer. Auch die technischen Betriebe berichteten der Präventionsrätin Nina Breimaier, dass um Parkbänke herum der Boden voller Stummeln sei – obwohl sich Abfalleimer in der Nähe befänden. Auch der Gemeinderätin Breimaier liegt das Stadtbild am Herzen. Sie möchte nicht mit erhobenen Zeigefinger auf die private Gesundheit der einzelnen abheben, sondern sie bittet die Raucher lediglich um einen Perspektivenwechsel: "Wenn ihr raucht, so sorgt bitte dafür, dass die Kippen dort landen, wohin sie gehören: in den Aschenbechern auf den Mülleimern."

Radolfzell natürlich rauchfrei – mit einer Einsammelaktion am 20. Mai möchte der Präventionsrat Bürger auf das achtlose Wegwerfen von Zigarettenstummeln sensibilisieren. Oftmals liegen sie direkt neben einem aufgestellten Aschenbecher (v.l.): Lars Kiefer (Suchtberatung), Nina Breimaier (Gemeinderätin) und Markus Dettenkofer (Umweltmediziner). <em>Bild: Georg Lange</em>
Radolfzell natürlich rauchfrei – mit einer Einsammelaktion am 20. Mai möchte der Präventionsrat Bürger auf das achtlose Wegwerfen von Zigarettenstummeln sensibilisieren. Oftmals liegen sie direkt neben einem aufgestellten Aschenbecher (v.l.): Lars Kiefer (Suchtberatung), Nina Breimaier (Gemeinderätin) und Markus Dettenkofer (Umweltmediziner). Bild: Georg Lange

Am Aktionstag trifft sich der Rat um neun Uhr vor dem Stadtmuseum am Seetorplatz. Die Sammler werden von den technischen Betrieben mit 150 Kneifzangen, Eimern, Handschuhen, Säcken und Warnwesten ausgestattet und schwärmen gemeinsam aus, um die Zigarettenstummel an den Hotspots der Promenade, dem Bahnhof und dem Taxistand einzusammeln. Sie gehen durch die Innenstadt, hinter den Teich an der Realschule, zur Berufsschule, zum Konzertsegel, zum Minigolfplatz und zur Mettnau-Schule – je nachdem, wie viele Helfer sich beteiligen. Alle Interessierten seien zur Sammelaktion eingeladen. Für Schulklassen bietet der Rat einen Preis bei der Teilnahme an der Aktion an: Diejenige Klasse, die, gemessen an der Klassenstärke, die meisten Schüler zum Sammeln mitbringt, bekommt 100 Euro für die Klassenkasse. Auch die Zweit- und Drittplatzierten werden mit einem Zuschuss belohnt.

Die Aktion diene zur Veranschaulichung, wieviel Zigarettenstummel in Radolfzell achtlos weggeworfen würden. Sie sei der erste Schritt zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Während der Badesaison legt der Präventionsrat Postkarten mit einer kleinen Umfrage aus, ob sich Besucher ein rauchfreies Schwimmbad vorstellen könnten, ob Rauchen im Schwimmbad stören würde oder sich Raucher vorstellen könnten, nur in ausgewiesenen Bereichen zu rauchen. Ende September will der Rat in der Fußgängerzone die Ergebnisse der Aktionen präsentieren. Als Besucheranreiz schwebt ihm dabei ein kleiner Taschenaschenbecher vor, den er an Raucher verteilen möchte.

Nach Schweizer Vorbild diskutiert der Rat auch die Möglichkeit nach Bodenmarkierungen, die auf die Aschenbecher an den Mülleimern hinweisen könnten, ebenso die Anschaffung trickreicher Abfallbehältern an Hotspots, die gleichzeitig als Wahlurne für lustige Abstimmungen fungieren könnten: beispielsweise, welcher Fußballspieler am beliebtesten sei.

 

Die Initiative

Die Aktion "Radolfzell natürlich rauchfrei" ist eine Initiative des Präventionsrates. Wer den Entschluss gefasst hat, mit dem Rauchen aufzuhören, kann sich in der Schützenstraße 2 bei Kursen der Radolfzeller Außenstelle der Suchtberatung Singen unterstützen lassen. Die Kurse zur Entwöhnung sind von allen Krankenkassen anerkannt. Die Suchtstelle berät in Kleingruppen und gibt auch Informationen über Ernährung und Entspannungstechniken. Die Kurse finden in der Regel abends statt, laufen über sechs hintereinander folgende Wochen und dauern jeweils anderthalb Stunden.