Radolfzell-Liggeringen – Eigentlich kann man davon ausgehen: Wenn das Zeltlager des Handball Sport Clubs Radolfzell (HSC) auf dem alten Sportplatz in Liggeringen stattfindet, dann regnet es. Der Club-Vorstand ist schon versucht, eine eigene Bauernregel für das drei Tage andauernde Spektakel aus Handball, Völkerball und Baseball für die Nachwuchsmannschaften zu erfinden. Bereits beim ersten Zeltlager vor zehn Jahren gingen die Kinder auf die Barrikaden, als der Club das sportliche Zeltlager wegen Regens abbrechen wollte, erzählt Vorsitzender Christian Geiger. 60 Vereinskinder spielen bei jedem Wetter und eine Woche nach dem Hausherrenfest in acht Mannschaften und in drei olympischen Disziplinen um den Vereinspokal. Zum Finale kommen rund 370 Radolfzeller zu einem sonntäglichen Brunch zusammen und feuern die Kinder im Pokalspiel an. Die Atmosphäre ist einzigartig. Auch wenn die Kinder, die 16 Trainer sowie die 24 Betreuer und Schiedsrichter erschöpft erscheinen, so haben sie ein Leuchten in den Augen. Das Zeltlager schweißt die Mitglieder des Vereins zusammen. Während andere sich über mangelndes Engagement ihrer Mitglieder beklagen, so ist beim HSC die Elterngemeinschaft die tragende Kraft des Vereines.

Jane Bosch und Jannik Franz kommen zum fünften Mal zum olympischen Zeltlager nach Liggeringen. Beide 13-Jährige schätzen das sportliche Camp gleichermaßen und sind von den netten Teilnehmern begeistert. Das Wort nett fällt auffällig häufig bei den jungen Handballern. Die Teilnehmer kennen sich untereinander. Vorab wird besprochen, wer mit wem in einem der 20 Großzelte übernachtet. Der Trend hat sich vom kleinen Drei-Mann-Zelt zu Großzelten für bis zu acht Personen verlagert, die zu einer Zeltstadt auf dem Rasen aufgebaut werden. Nachts gibt es keine Bettruhe. Es kommt vor, dass Kinder bis um vier Uhr Morgens auf dem Rasen Fußball spielen, erzählt Jannik Franz. Kinder zwischen acht und 13 Jahren sitzen gemeinsam um das drei Tage lang brennende Lagefeuer und grillen Stockbrot. Eine Nachtwache beobachtet das Feuer rund um die Uhr. Am Samstag gibt es im Pfadfinderzelt Kino, bei dem die Filme demokratisch ausgesucht werden. Nur, wenn es gewittert, gehen sämtliche Kinder in das Vereinsheim am alten Liggeringer Sportplatz. Die Betreuer halten derweil die großen Zelte fest, scherzt Jannik Bosch. Beide bedauern, dass sie zum letzten Mal am Lager teilnehmen und wünschen sich, dass auch ältere Jugendmannschaften teilnehmen können. Die Jüngsten ahmen die Älteren nach und bleiben oft genauso lange wach. Ihnen fehle dann die Kraft bei den Wettkämpfen, bedauert Jannik Bosch.

"Wir machen keine Schnitzeljagd. Wir sind ein Sportverein und machen Sport", erzählt Christian Geiger auf dem Zeltlager. Der Vorsitzende kennt das Camp noch mit einer Spaßolympiade mit Disziplinen wie Wasserschöpfen und Wäscheaufhängen. Doch der Vorstand stellte schnell fest, dass die Kinder als Anreiz mehr brauchten. Als Leistungssportler gehen die Handballer jedes Wochenende auf Punktejagd. So entwickelte sich die Spaßolympiade zu einem Wettkampf der Besten. Die Mannschaften werden am Freitagabend aus Lostöpfen mit unterschiedlichen Spielstärken besetzt. "Ausgewogenheit und Homogenität ist uns wichtig", erläutert der Vorsitzende. Bereits am ersten Abend finden bei gutem Wetter die ersten Trainings statt. Das Zeltlager des HSC hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Baden-Württembergische Toto-Lotto-Gesellschaft unterstütze das Zeltlager mit einem Förderpreis von 400 Euro als außerordentliche Maßnahme für die Belebung des Vereinslebens.

 

Zum Verein

Der Handball Sport Club Radolfzell hat rund 500 Mitglieder und trainiert in der Untersee-Sporthalle. Er hat kein eigenes Vereinshaus, betrachtet jedoch die Sporthalle als das Wohnzimmer des Vereines. Der Verein hat eine Familienbeauftragte, die den Zusammenhalt des Clubs mit gemeinsamen Aktivitäten fördert. Der Verein hat 46 Trainer für sämtliche Altersstufen und sechs Schiedsrichter für den Handball.