Mit der Zeller Karte sollen künftig mehr Familien unterstützt werden. Bei der Neustrukturierung haben sich die Vorschläge der Freien Grünen Liste gegen die Pläne der Stadtverwaltung durchsetzen können. So war ein Vorschlag der Verwaltung, Alleinerziehende und Familien mit mindestens drei Kindern in den berechtigten Personenkreis aufzunehmen. Siegfried Lehmann, Fraktionsvorsitzender der FGL, schlug hingegen vor, alle Familien mit einem maximalen Jahresbruttoeinkommen von 50 000 Euro in den Berechtigtenkreis aufzunehmen. Mit elf zu neun Stimmen wurde dieser Vorschlag im Gemeinderat angenommen.

Vorbild kommt aus Stuttgart

Lehmann hatte sich bei seinem Vorschlag am Stuttgarter Modell orientiert. Dort profitieren Familien mit einem Jahreseinkommen von 70 000 Euro von Vergünstigungen. „Für Radolfzell mussten wir den Betrag anpassen. Wir üben damit jetzt und schauen, wie es klappt“, so Lehmann. Für ihn sei es wichtig, allen Familien mit wenig Einkommen finanzielle Erleichterungen zu ermöglichen. Gerade junge Familien von Geringverdienern mit nur einem oder zwei Kindern wären nach dem Plan der Verwaltung außen vor gewesen. Die Verwaltung hatte zwar keine Einkommensobergrenze festgelegt, aber eine Mindestanzahl an Kindern.

Vergünstigungen auf 50 Prozent reduziert

Ein weiterer Vorschlag der FGL-Fraktion setzte sich in der Gemeinderatssitzung durch. Die Vergünstigungen werden von 80 Prozent auf 50 Prozent reduziert. Da jetzt mehr Familien teilhaben werden, genügten laut FGL-Fraktion auch 50 Prozent der Gebühren beispielsweise für die Musikschule.

Weiter sind Schwerbehinderte mit einem Behindertengrad von 100 Prozent wieder in den Berechtigtenkreis der Zeller Karte aufgenommen. Auch dies hatte Siegfried Lehmann vorgeschlagen. Schwerbehinderte müssten laut Annahme der Verwaltung nicht mehr explizit im Personenkreis aufgeführt werden. Der Gesetzgeber habe mit dem Bundesteilhabegesetz zum 1. Januar 2017 Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen verabschiedet. Dies sah Lehmann anders.