Gut, dass Konzerne und Investoren mit dickem Geldbeutel nicht immer die fantasiebegabtesten sind. Sie bringen nach wie vor Motorsägen gegen Bäume in Stellung, anstatt gezielt eine geschützte Kreatur der Natur gegen die durchgehende Verholzung der Bodenoberfläche anzusetzen. Das bringt unschöne Bilder und allzu laute Geräusche, die es dann in die Nachrichtensendungen dieser Welt schaffen. Die Natur wehrt sich gegen hochgewachsenes Holz viel gefühliger, wenn auch manchmal am falschen Platz, wie die zu Boden genagten Pappeln im Radolfzeller Strandbad lehren.

Das könnte die Baumschützer hierzulande ganz schön in die Bredouille bringen, wenn der Biber nicht einfach frei Schnauze seine Bäume fällen würde, sondern gezielt. Wer könnte etwas gegen die Baumrodung im Hambacher Forst sagen, wenn unten am Stamm der Biber seine Zähne in die Rinde fletscht und der alten Eiche sein Ende bereitet? Ja, da hat der RWE-Konzern hochbezahlte Berater, aber keiner ist auf die Idee gekommen, den Hambacher Forst ein bisschen unter Wasser zu setzen und den Biber dort heimisch werden zu lassen. Alle Fällprobleme wären über kurz oder lang gelöst, selbst in der Vogelschutzzeit dürfte der Biber mangels Lesekompetenz von juristischen Schriftstücken ungehemmt nagen. Auch im Büdingen-Park in Konstanz hätten sie nur ein bisschen warten müssen: Kommt Zeit, kommt Biber. Wer sich ins Radolfzeller Strandbad traut, der hätte sich wahrscheinlich auch in einen Konstanzer Park gewagt. Jetzt nicht mehr, Motorsägen mag der Biber nicht, zu laut ist diese Konkurrenz.

Bleibt abzuwarten, was im Herzengelände in Radolfzell passiert. Dort formuliert eine private Gruppe auf einem Plakat Widerstand gegen Pläne, die Saunalandschaft zu erweitern und ein Hotel zu bauen. Auch hier stellt sich die Frage: Wer kommt zuerst – der Biber oder die Motorsäge? Und wenn der Biber vom Strandbad rüber kommt, kann er – wenn ihm schon die Bereitschaft zur juristischen Auseinandersetzung fehlt – die politische Botschaft lesen?

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