Drei Mannschaften aus dem Landkreis Konstanz paddelten mit einem Großkanadier beim 9. Gaudi-Turnier mit aller Kraft auf die Siegertreppchen im Kanu-Club Radolfzell. Doch manchmal reicht es vollkommen aus, einfach nur originell zu sein.

Denn ein weiterer Preis verlieh der Kanu Club in der Kategorie Originalität. Und genau letztgenannte Klasse machte den eigentlichen Spaß beim Sommerfest des Clubs aus: 21 bunt verkleidete Mannschaften traten in einem spannenden und lustigen Wettkampf am Ufer des Zeller Sees an.

In einem Zweikampf drohten Kanadier zu sinken. Sie kenterten oder schossen am Ziel vorbei. Schlagmänner hechteten sich mit einem Sprung aus dem Boot an den Zieltrichter und scheuten dabei keine Blamage – alles zum Vergnügen der rund 400 Besucher beim Sommerfest des Clubs.

Am Ufer des Kanuclubs versammeln sich mehrere hundert Besucher und Teilnehmer beim Gaudi-Turnier.
Am Ufer des Kanuclubs versammeln sich mehrere hundert Besucher und Teilnehmer beim Gaudi-Turnier. | Bild: Georg Lange

Holger Goertz leitete und moderierte mit Humor den neunten Wettkampf der Großkanadier. Vor neun Jahren feierte der Kanu Club Radolfzell sein 75-jähriges Bestehen.

Der ehemalige Vorsitzende Goertz wollte zum Jubiläum keine Feier für Verbände und Honoratioren, sondern ein Fest, an dem sich Radolfzeller aktiv beteiligen. Der Verein entwickelte die Idee eines Gaudi-Turniers, bei dem Bürger, Institutionen, Vereine und Firmen mitmachen können.

Auf was es ankommt

Das Wichtigste beim Kanadier-Rennen sei das Steuern am hinteren Paddel. An zweiter Stelle komme der Schlaggeber, der meist vorne im Boot sitzt und den Takt für die achtköpfige Mannschaft vorgibt, erläutert Goertz:

Zuerst sei es wichtig, an Fahrt zu gewinnen und dann paddelnd auf der Strecke zu bleiben. Die Kunst sei es, mit einem großen Boot die Wende zu schaffen und den Ball in den Zieltrichter zu werfen.

Die Mannschaft des Handball Clubs kenterte an der Wendeboje. Mit aller Kraft drehten die Kanuten den Kanadier im See und erreichten mit sportlichem Teamgeist die Ziellinie.
Die Mannschaft des Handball Clubs kenterte an der Wendeboje. Mit aller Kraft drehten die Kanuten den Kanadier im See und erreichten mit sportlichem Teamgeist die Ziellinie. | Bild: Georg Lange

An welcher Stelle das Kentern wahrscheinlich ist

Mehrfach kenterten Kanadier am Ziel oder an der Wende. Einige Schlaggeber richteten sich in voller Fahrt vor der Zielgeraden auf und hechteten mit kräftigem Sprung an den Trichter.

Teams mit den besten Zeiten paddelten im höchsten Tempo an den Trichter und über die Zielgerade hinaus, ohne an Fahrt zu verlieren. Vor ein paar Jahren schlug ein Kanadier bei hohem Wasserstand in den Geländerlauf, verbeulte ihn schwer und kam abrupt zum Stillstand.

Entspannte Zuschauer beobachten das Rennen.
Entspannte Zuschauer beobachten das Rennen. | Bild: Georg Lange

Steißlinger Landfrauen mit Ehrgeiz

Spaß stehe zwar an erster Stelle, doch häufig antretende Gruppen entwickeln im Laufe der Zeit einen Ehrgeiz, den Pokal zu erringen, beobachtete Goertz.

Die Steißlinger Landfrauen, ein närrischer Freundeskreis aus Männern, kündigten bereits einen Monat zuvor auf Facebook an, dass die Trainingsvorbereitungen für das Projekt „Titelverteidigung 2018“ angelaufen seien: „Denn eines ist klar – der Pott bleibt bei uns!“ Sie sollten mit einer rekordverdächtigen Fahrt Recht behalten.

Mannschaften und Besucher des Gaudi-Turniers feuerten ihre Favoriten lautstark an.
Mannschaften und Besucher des Gaudi-Turniers feuerten ihre Favoriten lautstark an. | Bild: Georg Lange

Ein extra Training mit Holger Goertz

Im Vorfeld trainierte Holger Goertz bis zu zwei Mal mit den Mannschaften. Es gebe neue Gruppen, die bis zum Turnier nie in einem Boot gesessen hätten, so der Wettkampfleiter. Bei einer halbstündigen Ausfahrt erhielten sie Tipps für das Turnier.

Danach saßen sie bei einem Plausch beisammen. Jede Mannschaft fuhr im Wettbewerb zwei verschieden lange Strecken, die sich um wenige Meter unterschieden. Nach Raumgefühl werden beide Strecken parallel angelegt, auf denen zwei Teams antreten.

Für den Wettkampf werden die Zeiten beider absolvierten Strecken addiert. Der Veranstalter verzichtete auf ein Knock-Out-Verfahren, damit die Spannung bis zuletzt aufrechterhalten blieb.

Das Team Arche aus Überlingen am Ried ruderten sich mit dem originellsten Kostümen und einem schnellen Zeitrennen auf die vordersten Plätze.
Das Team Arche aus Überlingen am Ried ruderten sich mit dem originellsten Kostümen und einem schnellen Zeitrennen auf die vordersten Plätze. | Bild: Georg Lange

Was für kommendes Jahr geplant ist

Das Sommerfest entstand aus dem ehemaligen Vereinsfest kombiniert mit einer Regatta. Bis tief in die Nacht amüsierten sich die Gäste unter Lampions und ausladenden Trauerweiden bei Livemusik am idyllischen Ufer des Sees. Vorsitzender Jürgen Schneider kündigte für das nächste Jahr ein zweitägiges Fest an, auf dem die Narrenmusik an einem Frühschoppen musizieren wird.

Die Narrengarde ruderte bis zur Ziellinie im größtem Tempo. Der vorderste Ruderer bereitet den Wurf seines Balles in einen Trichter vor
Die Narrengarde ruderte bis zur Ziellinie im größtem Tempo. Der vorderste Ruderer bereitet den Wurf seines Balles in einen Trichter vor. | Bild: Georg Lange