Das überarbeitete Ortsentwicklungskonzept ist im Ortschaftsrat vorgestellt worden. Doch wie es aussieht, bleiben vorerst mehrere Projekte auf dem Papier. Bernadette Siemensmeyer vom Planungsbüro 365grad präsentierte die Ergebnisse der Bürgerbeteiligungen im vergangenen November. Einige Kernwünsche wurden bereits im Frühjahr realisiert. Die Stadt hatte dafür ein Sonderbudget von 5000 Euro zur Verfügung gestellt. 

Für Missstimmung im Rat sorgte nun allerdings, dass größere Projekte, die für die nahe Zukunft in Aussicht gestellt waren, laut Priorisierungsliste der Stadt erst in zwei bis fünf Jahren in Angriff genommen werden sollen. Die Räte vertagten die Abstimmung. Sie wollen sich mit Fachleuten abstimmen, um die Vorschläge zu konkretisieren und die Prioritäten eventuell anders zu setzen.

Auf der Kreuzung Schwanenweg und Oberdorfstraße hat der Kreis dem Bau einer Ampel zugestimmt. Nun befürchten die Ortschaftsräte, dass diese nicht so bald gebaut wird.
Auf der Kreuzung Schwanenweg und Oberdorfstraße hat der Kreis dem Bau einer Ampel zugestimmt. Nun befürchten die Ortschaftsräte, dass diese nicht so bald gebaut wird. | Bild: Natalie Reiser

In den Bürgerwerkstätten hatten die Markelfinger zahlreiche Anregungen zu den Themen Siedlung und Freiräume, Verkehr und Mobilität, soziale Infrastruktur, Treffpunkte, Tourismus und Nahversorgung eingebracht. Bernadette Siemensmeyer stellte die angestrebten Veränderungen im Dorf anhand von Plänen und Fotos dar.

Der Kern soll erhalten bleiben

Den alten, charakteristischen Kern mit schön erhaltenen, historischen Gebäuden und den Geschäften, der sich in nord-südlicher Richtung durch das Ober- und Unterdorf entlang des Mühlbachs erstreckt, gelte es zu erhalten und erlebbarer zu machen. Als negativ werde jedoch die „Zäsur der Radolfzeller Straße“ einmal quer durch den Ort empfunden. Auch Grundschüler, die sich an der Bürgerbefragung beteiligt hatten, bemängelten dies vielfach auf Postkarten an Ortsvorsteher Lorenz Thum und wünschten eine Beruhigung der Durchgangsstraße.

Gleichermaßen böten die Ober- und Unterdorfstraße vor Geschäften und Gaststätten so gut wie keine Aufenthaltsqualität. Darüber hinaus sorgen sich viele Markelfinger um die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer entlang dieser Straßen. Sie schlugen Tempo 30 im ganzen Ort vor, bessere Radwegebeschilderung und eine Beruhigung der Straßen durch bauliche Veränderungen. Weitere Wünsche betrafen unter anderem Treffpunkte für Jugendliche, die Verbesserung von Spielplätzen und einen Dorfplatz als Ortszentrum für Feierlichkeiten.

Die Oberdorfstraße ist eine der Hauptachsen, die durch den historischen Kern von Markelfingen führt. Doch es gibt wenige Stellen, an denen man sich im Freien aufhalten und den Ort genießen kann. Auf der aktuellen Priorisierungsliste der Stadt hat die Umgestaltung der Ober- und Unterdorfstraße mittleren Handlungsbedarf und soll erst in den Jahren 2025 bis 2028 angegangen werden.
Die Oberdorfstraße ist eine der Hauptachsen, die durch den historischen Kern von Markelfingen führt. Doch es gibt wenige Stellen, an denen man sich im Freien aufhalten und den Ort genießen kann. Auf der aktuellen Priorisierungsliste der Stadt hat die Umgestaltung der Ober- und Unterdorfstraße mittleren Handlungsbedarf und soll erst in den Jahren 2025 bis 2028 angegangen werden. | Bild: Natalie Reiser

Auf einer vorläufigen Priorisierungsliste der Stadt erscheinen nun allerdings einige der für die nähere Zukunft avisierten Projekte um einige Jahre nach hinten gerückt. Ortsvorsteher Lorenz Thum erklärte dies mit einem angespannten Haushalt: „Wir müssen uns auf die Kernaufgaben konzentrieren, auch wenn es wehtut.“ Hohe Priorität hätten der Bau der neuen Mehrzweckhalle und ein mit vier Millionen Euro veranschlagter Bau eines dreigruppigen Kindergartens, in dem insgesamt 60 Kinder betreut werden können. Platz finden soll er in dem mehrstöckigen Gebäude im Neubaugebiet im Tal, das für nicht näher definierte soziale Zwecke geplant war.

Sind 60 Plätze wirklich notwendig?

Peter Blum stellte die Notwendigkeit von 60 Plätzen infrage, doch Andreas Blum und Martina Gleich hielten entgegen, in Markelfingen gebe es bereits jetzt zu wenig Betreuungsangebote für Kinder. Mit dem Zuzug von Familien ins Neubaugebiet sei die Anzahl von weiteren 60 Plätzen nicht zu hoch gegriffen. Siemensmeyer fügte hinzu, das Gebäude sei multifunktional geplant und könne im Bedarfsfall auch anders genutzt werden. Mehrere Räte sähen die neuen Gruppen lieber an den bestehenden Kindergarten angeschlossen.

Zu den Plänen, den Mühlbach durch Wege erlebbarer zu machen, gab Peter Blum zu bedenken, Eisvögel und Wasseramseln seien seit zwei Jahren an wenig zugänglichen Stellen zu beobachten und sollten nicht vertrieben werden. Andreas Blum informierte, ein Weg entlang des gesamten Bachs sei bereits vor 15 Jahren geplant gewesen. Damals sei das Vorhaben gescheitert, weil Gespräche mit Grundstückseigentümern zu spät geführt wurden.

Das Hotel und Restaurant „Am Gleis“ wurde von einem privaten Unternehmer gebaut. Im Zuge des Neubaus sollte der Bahnhofsvorplatz so umgestaltet werden, dass man sich dort für eine Weile angenehm aufhalten kann. Die Stadt verschiebt die baulichen Änderungen nun auf frühestens Anfang 2022.
Das Hotel und Restaurant „Am Gleis“ wurde von einem privaten Unternehmer gebaut. Im Zuge des Neubaus sollte der Bahnhofsvorplatz so umgestaltet werden, dass man sich dort für eine Weile angenehm aufhalten kann. Die Stadt verschiebt die baulichen Änderungen nun auf frühestens Anfang 2022. | Bild: Natalie Reiser

Dies sei künftig zu beachten, wolle man Erfolg haben. Aktuell stehen Projekte der Ortsverschönerung jedoch ohnehin nicht oben auf der Dringlichkeitsliste der Stadt. Auch die geplante Ampelanlage an der Ecke Kaltbrunner Straße und Schwanenweg wird es wohl so bald nicht geben. Ebenso ist die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes vorläufig auf frühestens 2022 verschoben.

Michael Jentsch bemängelte zusätzlich, bei vielen Vorschlägen handle es sich lediglich um „Worthülsen“. Seinem Antrag, die Abstimmung zu verschieben, um sie mit Fachleuten zu konkretisieren, stimmten acht Räte zu. Es gab eine Enthaltung. Martina Gleich stimmte dagegen. „Wenn wir jetzt nicht abstimmen, ist es zu spät und wir gehen im kommenden Haushalt leer aus“, sagte sie. Der Entwurf soll am 13. November im Ausschuss Planung, Umwelt und Technik beraten und dem Gemeinderat am 26. November zum Beschluss vorgelegt werden.