Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Konstanz 736 Fahrräder von ihren Eigentümern bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Im Kampf gegen die Fahrraddiebe setzt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) auf Prävention. „Dazu gehört, dass man Fahrräder individuell kennzeichnet und registrieren lässt und Räder an sicheren Orten anschließt“, empfiehlt der Sprecher der Radolfzeller ADFC-Ortsgruppe, Hanspeter Bürgel.

Gerade für hochwertige Fahrräder und E-Bikes sei eine Kennzeichnung durch einen Code von Nutzen, so Bürgel. Einerseits würden Codierungen das Fahrrad für Diebe unattraktiv machen. Andererseits wird mithilfe des Codes das Auffinden eines gestohlenen Fahrrades sowie dessen Rückgabe einfacher. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erläutert Hanspeter Bürgel, wie die individuelle Kennzeichnung entsteht und wie die Codierung angebracht wird.

Neue Codiermethode besser als ihre Vorgänger

2014 nahm sich der Fahrradclub der Verbesserung des Diebstahlschutzes von Fahrrädern an. Zuerst gravierte er einen Code in einem aufwendigen Verfahren in das Rahmenrohr. Wie in einer alten Druckerei wurde mit spiegelbildlichen Lettern der Code zusammengestellt und auf den Rahmen übertragen. „Das Gerät war zu teuer und das Verfahren sehr aufwendig“, erinnert sich Bürgel. Da Rahmen moderner Fahrräder immer dünnwandiger wurden, wechselte der Fahrradclub auf ein Verfahren mit Klebeetiketten.

Er gab auch diese Methode auf, da die verwendeten Etiketten leicht ablösbar waren. Der ADFC-Landesverband Hessen entdeckte einen Nadelpräger, der in der Industrie erfolgreich eingesetzt wurde. Dabei wird der Code über ein Display eingegeben oder via Kabel von einem Computer übertragen. Vier Fünftel der Kosten des knapp 5000 Euro teuren Nadelprägers konnte der Radolfzeller Ortsverband aus Spendengeldern zusammentragen. Der Aufwand der Codierung inklusive Erfassung der Daten und Prägung reduzierte sich auf 15 Minuten.

Rechtmäßiges Eigentum wird überprüft

Beim Codieren bringt der Eigentümer des Fahrrades seinen Personalausweis und den Kaufnachweis mit. Fehlt ihm ein Kaufnachweis, so gibt er vor dem Codieren eine Eigentumserklärung ab. Die Polizei ermittelt im Anschluss an das Codieren, ob das angegebene Fahrrad bereits in einer Liste verzeichnet ist. Dieser Vorgang schrecke Diebe ab, die mit einer Codierung eine illegale Eigentumsübertragung erreichen wollen, erläutert Bürgel: Deshalb sei es wichtig, dass gestohlene Fahrräder bei der Polizei gemeldet sind.

So funktioniert die Codierung mit dem Nadelpräger

Die Codierung wird an der rechten Seite an das Sitzrohr angebracht. Nach dem Entfetten des Sitzrohres bringt Hanspeter Bürgel eine Lackschutzfolie an. Mit dem Nadelpräger überträgt er einen 17-stelligen Code durch die Folie ans Rohr. Der aufwendige Code setzt sich aus dem Wohnort im Landkreis, der Adresse inklusive Hausnummer sowie den Initialen des Eigentümers zusammen. Der Code ist bundesweit nahezu einheitlich. Bei einem Umzug sei es nicht notwendig sein Rad neu codieren zu lassen, da Meldeämter die Umzugsdaten kennen und diese von der Polizei ermittelt werden können, erläutert Bürgel: Somit reiche eine einmalige Codierung aus.

Mit einem Wachsstift hebt Bürgel die Prägung hervor. Dann überklebt er mit einem farbintensiven Etikett mit Sichtfenster die Prägung. Auf diesem steht kontrastreich und für jeden Dieb sichtbar, dass dieses Fahrrad kodiert wurde und von der Polizei verfolgt werden kann. Sollte das Fahrrad geklaut werden, so kann sich der Eigentümer mit dem Kodierauftrag an die Polizei wenden. Zudem wird durch den Code den Dieben ein Verkauf der Fahrräder auf Gebrauchtmärkten oder Internetbörsen erschwert. Werden die Etiketten abgelöst, so ist der Code auf dem Rohr dennoch sichtbar.

Weitere Möglichkeiten zum Diebstahlschutz

Das Codieren hat einen weiteren Vorteil: Von Stadtverwaltungen aufgefundene kodierte Fahrräder werden bei Auktionen nicht verkauft, sondern gleich bei der Polizei gemeldet. Weitere präventive Schutzsysteme gegen einen Diebstahl sind im Rahmen eingefügte Peilsender, die eine GPS-Ortung ermöglichen, und ein detailliert verfasster Fahrradpass, der die Polizei bei der Suche unterstützt, sowie eine Sicherung des Fahrrades mit schwer aufzubrechenden Schlössern. Dabei sollte jedes Fahrrad an unverrückbaren Rohren gesichert werden, empfiehlt Hanspeter Bürgel. Sein Tipp: „Lieber anschließen als nur abschließen!“