Seit Juni 2015 trägt die Gerhard-Thielcke-Realschule den Titel "Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage". Mehr als drei Viertel aller Schüler und Lehrer haben sich dafür ausgesprochen, Toleranz im Schulalltag aktiv zu fördern. Darüber hinaus setzen Schüler sich für Flüchtlingskinder ein.

Auf der Internetseite der Schule ist eine Fotostrecke von Schülern verschiedener Klassen zu sehen, die gedruckte Botschaften, wie: "Menschen sind nur solange fremd, bis man sie kennenlernt" präsentieren. Die Sechstklässlerin Luisa Toch hat eine Erzählung über einen Flüchtling geschrieben. In der Fantasiegeschichte verarbeitet sie, was sie im Fernsehen sieht: "Es bewegt mich, dass so viele Menschen im Meer sterben." Damit lag die Idee nahe, den direkten Kontakt zu Flüchtlingen zu suchen. In der Teggingerschule lernen Flüchtlingskinder in einer Vorbereitungsklasse Deutsch, bevor sie stufenweise am Unterricht einer Regelklasse teilnehmen können. Birgit Storz-Kögel, Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus, berichtet, 2015 sei eine Kooperation zwischen der Diakonie und den beiden Schulen entstanden. Gemeinsam organisieren sie mehrmals pro Jahr Aktivitäten für Flüchtlingskinder. In der Realschule übernimmt die Schülermitverwaltung (SMV), in der hauptsächlich Klassensprecher zusammenarbeiten, den Großteil der Organisationsarbeit. Unterstützt werden die Schüler von den Verbindungslehrern Daniel Krüger und Liesa Kohn.

Die Aktivitäten starteten mit einem wöchentlichen Handballtraining. Mittlerweile hat sich ein Rhythmus verschiedener Aktivitäten ergeben. Zu Anfang des Schuljahres geht es ins Berolino, eine Sport-Spiel-Halle in Steißlingen. Die Schülerin Carolina Groß, die seit Jahren in der SMV-Gruppe für Flüchtlingskinder mitarbeitet, erzählt: "Das ist ein schöner Einstieg. Dann können sich die Flüchtlinge und die Neuen in der SMV kennenlernen." Später im Jahr stehen Besuche im Kletterwerk und im Allensbacher Wildpark auf dem Programm. Zur Fasnacht werden Masken gebastelt und zu Weihnachten gibt es eine Bescherung.

"Total viel Spaß hat das erste Fußballturnier gemacht", erzählt Carolina Groß weiter. Deshalb planen die Schüler inzwischen zwei Turniere im Jahr in der Unterseehalle. In den Teams mischen sich Flüchtlinge und Realschüler. "Wir wollen ja nicht gegen die ausländischen Schüler spielen, sondern miteinander", meint Lukas Kleemann aus der zehnten Klasse, der sich ebenfalls seit langem in der Flüchtlingsarbeit engagiert. Während die beiden SMV-Schüler erzählen, kommt ein kleiner Junge aus der Vorbereitungsklasse angerannt und zeigt mit Gesten, dass er etwas trinken möchte. "Zu Anfang haben sich alle mit Zeichensprache verständigt", erklärt Lukas Kleemann. Die Flüchtlinge, die jetzt schon drei Jahre hier sind, sprechen inzwischen gut Deutsch. Scheu wirkt keiner. Die deutschen Schüler hätten auch gelernt, dass man mit den geflüchteten Kindern nicht nur Mitleid haben muss, erzählt Daniel Krüger lachend: "Manche können sich gut durchsetzen. Sie brauchen Regeln wie alle anderen Kinder auch."

Carolina Groß und Lukas Kleemann sind in der zehnten, der Abschlussklasse. Am nächsten Tag steht eine Mathearbeit an. Trotzdem sind sie zum Turnier gekommen. Carolina Groß sagt: "Es macht mir wirklich Spaß, etwas für die Kinder zu tun. Sie sind so dankbar." Auch Lukas Kleemann findet es wichtig hier zu sein: "Die Arbeit in der SMV hat für mich Priorität. Mathe lerne ich abends."

Das steckt hinter dem Lerntandem

Im Jahr 2015 schlossen Diakonie, Teggingerschule und Gerhard-Thielcke-Realschule einen Kooperationsvertrag, in dem alle Parteien Unterstützung im Engagement für Flüchtlingskinder zusagen. Damals wurde das sogenannte Lerntandem ins Leben gerufen. Jeden Donnerstagnachmittag helfen ehrenamtliche Bürger Flüchtlingskindern in der Teggingerschule bei den Hausaufgaben. Im ersten Jahr wurden sie durch Realschüler der siebten Klasse unterstützt. Derzeit sind neun Ehrenamtliche im Lerntandem aktiv. Jedes Flüchtlingskind kann so durch eine Bezugsperson unterstützt werden. Kontakt per E-Mail: mgh.radolfzell@diakonie.ebika.de