Beim Großkanadierturnier des Kanu Club Radolfzell rangen auf dem Zeller See 24 Mannschaften um Pokale. In spannenden Zweikämpfen drohten die Kanadier zu sinken. Sie kenterten an der Ziellinie oder schossen zur falschen Wendeboje. Taktgeber im Boot scheuten keinen Fehlschlag und hechteten mit einem Sprung an den Zieltrichter – alles zum Vergnügen der rund 400 Besucher. Ein Kopf an Kopf-Rennen lieferten sich die Teams der Schöttli AG und der Narrengarde. Mit nur Zweizehntel-Sekunden Vorsprung gewann die Schweizer Auswahl vor der Garde der Narrizella Ratoldi. Weitere Preise gingen an gemischte Mix- und Frauenteams sowie an das Team mit der originellsten Verkleidung. Gerade die Originalität machte den Spaß beim Sommerfest des Kanu Clubs aus.

Drei Mal nahmen die Schöttli‘s aus dem schweizerischen Diessenhofen am Wettkampf teil. Jahr für Jahr schoben sie sich schrittweise vom dritten auf den ersten Platz vor. Wie alle teilnehmenden Unternehmen begreift auch Luca Lacava von der Schöttli AG das Turnier als tolle Möglichkeit für die Teambildung. Neben dem Ehrgeiz stehe vor allem der Spaß im Vordergrund. Der Zusammenhalt würde gefördert und man könne neue Leute kennenlernen.

Das Team der Panzerknacker demonstriert die Wucht des Windes am Wettkampftag.
Das Team der Panzerknacker demonstriert die Wucht des Windes am Wettkampftag. | Bild: Georg Lange

Die Sozialstation Radolfzell Höri ist seit Anbeginn mit dabei und gewann das erste und das diesjährige Turnier. Es seien der Spaß und Zusammenhalt sowie die gute Laune und das gemeinsame Erlebnis, die das Gaudi-Turnier ausmachten, so Ursula Kessler. Die Gruppe zeigte sich stolz, dass die Geschäftsführerin mit im Boot angetreten ist. Frank Kinder ist der ärztliche Direktor im Klinikum Singen. Insgesamt trat der Gesundheitsverbund mit sieben Mix-Mannschaften an. Wie ein Lauffeuer der Freude wurde das Turnier im Verbund bekannt. Man sehe den ganzen Tag nur Menschen mit guter Stimmung, so Kinder.

Annabell Uhl bietet ein Outdoor-Training sowie Yogaübungen auf einem Board für Standup Paddeling an. Ihre Kursteilnehmer schlossen sich zu den „Autdoors“ zusammen. Das Team gewann mit schrill-glitzernder Sportbekleidung, die an einen Jane Fonda Aerobic Memorial Fanclub erinnerte, den Preis für die originellste Verkleidung. Ein weiterer erster Platz ging an das Team der „Sechszylinder“.

Das Team der „Sechszylinder“ gewann gemeinsam mit den „Autdoors“ den Preis für das originellste Kostüm beim Großkanadier-Turnier auf dem Zeller See.
Das Team der „Sechszylinder“ gewann gemeinsam mit den „Autdoors“ den Preis für das originellste Kostüm beim Großkanadier-Turnier auf dem Zeller See. | Bild: Georg Lange

Nicht nur sportliches Geschick waren Attraktionen beim Turnier. Gruppen kreierten Erzählmythen um ihre Kostüme: Angestellte der Sparkasse „raubten“ als Panzerknacker verkleidet eine Bank aus und flüchteten mit dem Großkanadier und einer Beute von 22,5 Millionen Euro über den See Richtung Iznang. An der Wendeboje verließen sie die Kräfte und sie kehrten zum Ufer zurück. Die „Wasserschutzpolizei“, eine Gruppe aus Radolfzeller Anglern, patrouillierte am Ufer und sah über den Fluchtversuch großzügig hinweg. Mit ihren knappen Fetisch-Kostümen samt Handschellen und Polizeihut waren sie mit ihrem Sexappeal beschäftigt. Die „Wapo“ gewann den dritten Platz beim Wettbewerb um das originellste Kostüm. Auf jeder Christopher Street Parade hätten sie gewiss den ersten Platz errungen.

Verrutschte Perücke kostet den Sieg

Wie Attraktivität und Originalität zu einem ernsten Hindernis erwachsen und den Frauenfavoriten den Sieg kosten kann, bewies die Renngruppe Step by Step. Sexy, aber für einen Wettkampf gänzlich ungeeignet erwiesen sich deren im 80er-Jahre-Stil gehaltenen Perücken. Die Neulinge im Rennsport machten beim Start alles richtig. Mit kurzen und dicht getackteten Paddel-Schlägen nahm die Gruppe rasch Fahrt auf. Selbst die Kommandos zu den ziehenden Schlägen wurden perfekt ausgeführt. Der Kanadier ging in Führung – wäre da nicht die künstliche Lockenpracht der Perücke vor die Augen der Steuerfrau gerutscht, erläuterte das Team lachend. Dann hätte es wohl den Weg zur eigenen Wendeboje anstatt zu jener des Wettkampf-Konkurrenten gefunden. Die Gruppe nahm es mit Humor. Schließlich sei es ein Gaudi-Turnier.

Die sieben Zwerge verirrten sich vom Wald an den Zeller See. Doch wenn man schon mal da ist, kann man auch beim Wettkampf teilnehmen, scheint es.
Die sieben Zwerge verirrten sich vom Wald an den Zeller See. Doch wenn man schon mal da ist, kann man auch beim Wettkampf teilnehmen, scheint es. | Bild: Georg Lange

Paul Blumentrath startete mit sechs Jugendlichen in den Wettkampf. Jedes einzelne Gruppenmitglied ist ein Kind der Steißlinger Landfrauen, die bereits zwei Mal in Folge den Wettkampf gewonnen hatten. Im letzten Jahr halfen sie noch ihren Vätern aus. Der große Spaß bewegte sie, mit einer eigenen Gruppe anzutreten. Beim ersten Lauf wurden die Jungen von den Team-Mädchen im Kanadier genötigt, einen Blumen-BH zu ihren Hawaii-Baströcken anzuziehen. Damit hätte sich nun eine Kritik an den Vätern erübrigt. Jene traten mit dem Dauerbrenner der Steißlinger Fasnet und deren Gaudi-Markenzeichen im Dirndl an. Sie landeten auf Platz vier und verloren den Titel.

Positiver Effekt auf das Arbeitsleben

Die Radolfzeller Candy Dolls nahmen zum dritten Mal am Gaudi-Turnier teil und sprachen den Veranstaltern ein Lob aus, dass sie über die Fasnet hinweg ihrer ganzen Gruppe eine gemeinsame Aktivität ermöglichten. René Hartmann ging mit sechs weiteren Arbeitskollegen der Radolfzeller Stadtwerke an den Start. Die Hochspannungsmonteure nannten sich „High Voltage Brothers“. Mit ihren Anzügen erinnerten sie an einen Miami Vice Fanclub. Hartmann begreift das Gaudi-Turnier als eine ideale Form von Teambildung. Man verbringe einerseits gemeinsam eine schöne Zeit, andererseits wirke sich der Teamgeist im Kanadier positiv auf die Arbeit aus.