Radolfzell Weltkloster: Japanische Shakuhachi-Meister unterrichten Schüler

Im Radolfzeller Weltkloster unterrichten zehn Shakuhachi-Meister 52 Schüler. Sie sollen lernen, wie man auf einer japanischen Bambusflöte spielt. Gar nicht so einfach, wie es aussieht.

Nach den Städten Prag, London und Barcelona ist nun das Weltkloster Radolfzell Gastgeber der jährlich stattfindenden Shakuhachi Summer School. In der Begegnungsstätte der Weltreligionen finden sich 52 Schüler ein, um sich von zehn Lehrern in der Kunst der Shakuhachi, dem Spiel auf der japanischen Bambusflöte, unterrichten zu lassen. Drei der Meister reisten hierfür aus Japan ein. Die weiteren stammen aus fünf europäischen Ländern sowie aus Australien. Während ihres Aufenthaltes geben die Künstler sechs regionale Konzerte. Eines der Konzerte wird am kommenden Sonntag mit den Schülern in der Radolfzeller Hausherrenschule veranstaltet.

Im 16. Jahrhundert wurde die Kunst der Shakuhachi von japanischen Mönchen zur Zen-Buddhistischen Meditation entwickelt und durch Nachahmung vom Meister an den Schüler weitergegeben. Seit zwei Jahrhunderten existiert eine Notation in japanischer Silbenschrift. „Die meisten Spieler sind nicht mehr Mönche“, weiß das Gründungsmitglied der European Shakuhachi Society, Jim Franklin, zu berichten. „Die Weitergabe der Kunst liegt in den Händen von professionellen Musikern“, fügte der aus Australien stammende Komponist hinzu.

Die musizierenden Wandermönche waren meist wohlhabende und ausgediente Samurais, die sich nach der militärischen Laufbahn einem Bettelorden angeschlossen hatten. Auch die heutigen japanischen Shakuhachi-Musiker hätten einen in der japanischen Tradition verankerten Hang zu typisch männlichen Tätigkeiten, sagte Jim Franklin.

Die Bambusflöte sieht täuschend einfach aus. Sie besteht aus einem Rohr mit fünf Grifflöchern und mit einer schrägen Anblas-Kante. Das traditionelle Spiel auf dem Instrument ist hingegen alles andere als einfach. Die Klangverbiegung kommt vom speziellen Schliff der Anblas-Kante zustande. „Sie ist weltweit einzigartig in dieser Form“, erklärt Jim Franklin. Sie erzeugt einen warmen holzigen Ton, erinnere aber auch je nach Anblas-Stärke an den Klang einer Trompete.

Die Grundstimmung der Musik sei mit der europäischen Moll-Tonart vergleichbar. Die durch das Einatmen entstehenden Zwischenräume der Melodie werden beim japanischen Flötenspiel aktiv als stilistisches Mittel eingesetzt. Sie entsprechen der Zen-Buddhistischen Haltung, die eine Pause nicht als eine bloße Ruhestelle begreift, sondern als einen aktiven Raum – dem so genannten Ma. Dieser „strahlende Leer-Raum“ mache den besonderen Charakter des Shakuhachi, dem Spiel auf der japanischen Bambusflöte, aus.


Infos und Termine

Das Weltkloster versteht sich selbst als Begegnungsort verschiedener Religionen und Kulturen. Durch Vorträge, Seminare und weitere Bildungsangebote sollen die Grenzen zwischen den Menschen, seien diese nun kulturell oder religiös bedingt, überwunden werden.

Weitere Informationen im Internet:

www.weltkloster.de

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