Fast könnte man meinen, in Radolfzell sei das Olympia-Fieber ausgebrochen. Überall gibt es Wettbewerbe. Für das Bahnhofsquartier wird demnächst ein Ideenwettbewerb ausgelobt, für den Untertorplatz soll es einen Investoren-Wettbewerb geben und der Brückenwettbewerb für den zentralen Seezugang ist bereits abgeschlossen. Da gab es zwar einen Gewinner, gebaut wird aber dennoch nichts. Jetzt kommt der Realisierungs-Wettbewerb für das Strandbad auf der Mettnau. Hier sollen Architekten-Büros gegeneinander konkurrieren, wer das beste Konzept, baulich wie betrieblich für das städtische Bad hat.

Die historische Fassade von 1928 soll erhalten bleiben

Der Radolfzeller Gemeinderat hat die Auslobung des Wettbewerbs beschlossen. Das komplette Gelände des Strandbades ist Teil der Wettbewerbsfläche, wie Thomas Nöken, Leiter des Baudezernates erklärte. Die Wettbewerbsteilnehmer sollen sich Gedanken für die gesamte Flächen machen, dennoch wolle man nur punktuelle Veränderungen.

Auch das Hauptgebäude soll nicht komplett umgebaut werden. Vor allem die historische Fassade zur Straße hin möchte der Gemeinderat erhalten wissen. Die Front des Gebäudes erinnere noch an den einstigen Prachtbau von 1928. "Die Silhouette sollte erhalten bleiben, aber dahinter darf es ruhig modern werden", sagt FGL-Stadtrat Siegfried Lehmann.

Lohnt sich eine Gastronomie, die das ganze Jahr geöffnet hat?

Ein Schritt in die Moderne könnte eine neue Ausrichtung der Gastronomie sein. Der Gemeinderat beschloss auf Antrag von Helmut Villinger (CDU), dass eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für eine ganzjährig offene Gastronomie in Auftrag gegeben werden soll. Damit wolle man den Deutsche Hotel- und Gaststättenverband beauftragen.

Susann Göhler-Krekosch (SPD) betonte, dass die Wettbewerbsteilnehmer offen für verschiedene Varianten sein müssten, da vieles noch nicht endgültig geklärt sei. Damit meinte sie zum Beispiel die Frage, ob das Strandbad ein Bezahlbad bleiben soll. Die Verwaltung hatte im Sommer 2017 einen Vorstoß gewagt und vorgeschlagen, das Seebad als Bezahlbad zu führen und das Strandbad vom Eintritt zu befreien. Im Gemeinderat fiel diese Idee zunächst jedoch durch.

Werden Besucher weiterhin Eintritt bezahlen oder nicht?

Nun soll das Strandbad neu gedacht werden. Zu der Frage nach dem Eintritt gesellt sich auch die Frage nach der Zugänglichkeit zur Gastronomie. Soll diese für alle offen sein oder nur für Badegäste? Auch hier gibt es noch keine klare Entscheidung. Um zumindest die Rahmenbedingungen für eine zweite Ganzjahres-Gastronomie neben dem Strandcafé auf der Mettnau zu schaffen, soll die Größe der Pächterwohnung, die im Gebäudekomplex des Strandbades liegt, vergrößert werden. Dafür setzte sich Christof Stadler (CDU) ein. Die Wohnung solle mindestens 100 Quadratmeter haben, um einer Familie mit Kindern ganzjährig Platz zu bieten.

Das Gewinnermodell ist nicht automatisch der neue Entwurf

Wer am Ende den Wettbewerb gewinnt, bekommt ein Preisgeld von 20 000 Euro und den Auftrag für den Umbau des Strandbades. Es gibt jedoch keine Garantie, dass der Gewinner-Entwurf so auch tatsächlich umgesetzt wird, betont Thomas Nöken. Der Gemeinderat wird über die konkreten Pläne im Herbst entscheiden.

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