Die "unverbaubare Aussicht" ist eine Schimäre aus Hochglanzprospekten, die von vertriebsorientierten Immobilienanbietern in Druck gegeben werden. Unverbaubar ist die Aussicht auf der Zugspitze oder dem Feldberg, doch schon auf dem Radolfzeller Münster ist die Aussicht wandelbar. Deshalb gibt es im Baurecht kein "Recht auf Aussicht". Es gibt ein Recht auf ausreichenden Bauabstand und einen Anspruch darauf, dass die gewählten Vertreter in den Gemeinderäten und die Genehmigungsbehörden eine vernünftige Abwägung zwischen den berechtigten Interessen aller Betroffenen bei der Planung eines Neubaugebietes vornehmen.

Zu den Interessen der Stadt Radolfzell gehört auf der Weinburg, den drängenden Wohnbedarf möglichst vieler Menschen aller Einkommensklassen abzudecken. Zu einem funktionierenden Pflegeheim auf der Mettnau – das durch den Verkauf der Grundstücke auf der Weinburg mit finanziert werden soll – gehört, dass die Beschäftigten des Pflegeheims eine bezahlbare Unterkunft in der Stadt finden. Wo sollen sie wohnen? In Einfamilienhäusern auf der Weinburg? Jede nicht gebaute Wohnung verteuert den Standort Radolfzell. Auch das ist eine Aussicht, die nicht gefällt.

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