Radolfzell/Markelfingen – Beschaulich liegt der Gnadensee zwischen Markelfingen und der Mettnau – ein stilles Kleinod am Bodensee. Viele Markelfinger genießen den Blick über den See vom Ufer aus. Groß ist der zugängliche Uferbereich in Markelfingen allerdings nicht. Auf der rechten Seite des Mühlbachs liegt ein öffentlicher Badeplatz. Auf der linken Seite befindet sich das Vereinsgelände des Wassersportclubs Markelfingen. Beide Grünflächen werden von Naturschutzgebieten mit dichtem Schilfbestand umrahmt. Spaziergänger, die dem Badebetrieb aus dem Weg gehen wollen, nutzten bislang den Weg am Mühlbach zu den Ruhebänken auf dem Vereinsgelände des WSC. Doch seit diesem Jahr hängt vor dem Weg eine Kette. Schilder weisen auf das Vereinsgelände hin.

Bürger möchten den offenen Zugang zum See erhalten

Dies sorgt nun für Unmut in Markelfingen. In der Sitzung des Ortschaftsrats meldeten sich Bürger zu Wort, die betonten, wie sehr sie in den vergangenen Jahren den Spaziergang zum See am Mühlbach entlang genossen hätten. Ortsvorsteher Lorenz Thum bestätigte, es seien mehrere Anfragen bei ihm eingegangen. Zur rechtlichen Situation erklärte er, im Jahr 2007 sei ein Pachtvertrag für 30 Jahre mit dem WSC geschlossen worden, der den Weg einschließt.

Verein beabsichtigt nicht, sich abzugrenzen

Eine Nachfrage beim Wassersportclub ergibt, dass sich der Verein nicht abgrenzen will. Vorsitzender Gunnar Gerstmann erklärt: "Es geht uns nicht darum, Markelfinger auszuschließen." Er will die Kette nicht als Verbot verstanden wissen, das Gelände zu betreten, sondern als "ein Signal". Der Verein müsse damit auf Missbrauch reagieren, der seit 2017 vermehrt aufgetreten sei.

Reaktion auf Diebstähle und Beschädigungen an Booten

Diebstähle und Sachbeschädigungen an Booten und Vereinseigentum mussten der Polizei und der Wasserschutzpolizei gemeldet werden, informiert Hartmut Gräber, zweiter Vorsitzender des Vereins. Die Männer aus dem Vorstand sehen einen Zusammenhang mit der Nutzung des Grillplatzes vor dem Vereinsgelände. Seit vergangenen Sommer feierten Gruppen von 50 bis 60 Personen von auswärts an Wochenenden an der Grillstelle, die ursprünglich für Campinggäste und Einheimische angelegt wurde. Bei den Besuchern mangele es oftmals am Verständnis zum korrekten Verhalten auf dem Gelände, fährt Gerstmann fort.

Was der Verein beachten muss und wie er es weitergibt

Dies sei schwerwiegend, weil das Vereinsgelände zum Landschaftsschutzgebiet gehört. Als Pächter unterliege der WSC den Auflagen der unteren Landschaftsschutzbehörde und werde von ihr regelmäßig aus der Luft und über Wasser kontrolliert. "Auf unserem Gelände ist das Lagern, Baden und Zelten verboten", erklärt Gerstmann. Auch Hunde mitzubringen, sei wegen der Nähe zu den geschützten Vogelarten im Schilf nicht sinnvoll, ergänzt Gräber. 2017 betrugen die zusätzlichen Müllentsorgungskosten, die der Verein stemmen musste, 1300 Euro.

Gäste sind weiterhin auf dem Gelände willkommen

All diese Missstände hätten nichts mit dem friedlichen Miteinander zu tun, betonen die Vereinsvorstände. Bei dieser konzilianten Haltung möchte der Verein bleiben, das ist Gerstmann und Gräber wichtig: Wer seit Jahren einen Spaziergang zum See unternimmt, kann das weiterhin tun. Die Kette ist nicht fest verschlossen und kann ausgehängt werden. Abschließend meint Gerstmann: "Wer sich nicht sicher ist, soll uns einfach ansprechen."