Dreißig Kinder sitzen still an einen Baum gelehnt. Jedes von ihnen hat sich einen Lieblingsbaum ausgesucht. Leise ruft ein Buchfink. Die Schüler der Klasse 5b des Friedrich-Hecker-Gymnasiums verbringen kurz vor den Sommerferien vier Tage im Altbohlwald.

Ihre Klassenlehrerin Sinje Schulz führt die Projekttage im Wald gemeinsam mit der selbstständigen Biologin Angela Klein durch. Ermöglicht wurden die Projekttage durch eine Spende des Fördervereins, des BUND Konstanz und der Sparkasse Hegau-Bodensee. Sinje Schulz genießt die stillen, naturnahen Momente mit ihrer Klasse: „Das sind Sternstunden für mich.“

Waldsofa selbst gebaut

Morgens wandert die Gruppe vom Parkplatz aus zum „Klassenzimmer“ im Wald. Der Platz wurde mit dem Förster abgestimmt. Niederlassen können sie sich auf einem aus Stöcken und Moos selbst gebauten „Waldsofa„ in einer großen Runde.

Die Schüler der Klasse 5b des Friedrich-Hecker-Gymnasiums lassen das Schuljahr mit einigen Unterrichtstagen im Wald ausklingen. Für ihr Klassenzimmer in der Natur haben sie ein Waldsofa aus Stöcken und Moos gebaut. Bild: Natalie Reiser
Die Schüler der Klasse 5b des Friedrich-Hecker-Gymnasiums lassen das Schuljahr mit einigen Unterrichtstagen im Wald ausklingen. Für ihr Klassenzimmer in der Natur haben sie ein Waldsofa aus Stöcken und Moos gebaut. Bild: Natalie Reiser

Und natürlich musste auch für die ganz profanen Bedürfnisse gesorgt werden. Weit abseits haben die Schüler zwei Toilettenlöcher gegraben und mit Sichtwänden geschützt. Schilder im Klassenzimmer zeigen, ob das stille Örtchen frei oder besetzt ist.

Biologie zum Anfassen

Auf dem Weg in die „Schule“ suchen die Kinder am Waldrand gerade gewachsene Hasel- und Lindenstöcke. Am letzten Tag soll geschnitzt werden. Sie betrachten und befühlen die Blätter an den jungen Ästen. Inzwischen wissen die Schüler, dass Lindenblätter sich weicher anfühlen als Haselnussblätter.

Auch in der Form unterscheiden sie sich leicht. Und zur Symbolik erklärt Sinje Schulz: „Linden sind die Bäume der Liebe, die Baumkrone und Blätter sind herzförmig“.

Schmetterling fliegt 3000 Kilometer

Unterwegs fängt Angela Klein einen Schmetterling ein und setzt ihn in ein kleines Plastikgefäß. Anhand eines Bestimmungsbuchs finden die Kinder heraus, dass es sich um einen Distelfalter handelt. „Der Schmetterling ist schon 3000 Kilometer aus der Sahara zu uns geflogen“, erzählt Angela Klein. Hier werden er und eine weitere Generation Eier ablegen, bevor seine Enkel vor dem nächsten Winter wieder die lange Reise nach Afrika antreten.