Neben Senioren und Jugendlichen haben auch Behinderte in Radolfzell ein verankertes Mitspracherecht in der Kommunalpolitik. Im Gegensatz zu den gewählten Senioren- und Jugendgemeinderäten, wird der Behinderten-Beauftragte vom städtischen Sozialausschuss dem Gemeinderat empfohlen, der ihn in einer Wahl bestätigt. Der Empfehlung geht eine Wahl von drei in Radolfzell aktiven Wohlfahrtsverbänden voraus. Wolfgang Weinz ist als Behindertenbeauftragter gleichzeitig Vorsitzender des Behindertenbeirats, der im Rathaus tagte. Auf dessen Versammlung beschäftigte sich der Rat mit der Verbesserung der Verkehrslage für Behinderte und den Vorbereitungen zu der internationalen Tagung im Milchwerk für die Inklusion behinderter Menschen.

Wo kann man was verbessern?

Am Donnerstag, 26. April, veranstaltet der Landkreis im Milchwerk die "Internationale Bodensee-Tagung zur politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Inklusion von Menschen mit Behinderung." Die Arbeitsgruppe "Barrierefreier Tourismus und grenzüberschreitende Mobilität" einigte sich in der Zusammenkunft auf eine Basis-Checkliste für Geh-, Seh- und Hörbehinderte sowie für Menschen mit körperlichen Handicaps. In Kooperation mit der Universität Konstanz soll vom Arbeitskreis eine Checkliste entwickelt werden, mit der öffentlich genutzte Räume auf ihre Zugänglichkeit untersucht werden, so Wolfgang Weinz: Behindern Stufen den Zugang in das Gebäude? Haben die Lokalitäten einen Aufzug? Ist ein unproblematischer Weg zu Toiletten und Parkplätze vorhanden? Haben Behinderte in Hotels einen barrierefreien Zugang zu den Duschen?

Eine App und eine Homepage

Für die Überprüfung der Gebäude sucht der Behindertenbeauftragte die Zusammenarbeit mit Schülern. Die Ergebnisse der Studie bei sämtlichen Bodensee-Anrainer-Staaten sollen nach dem Wunsch von Wolfgang Weinz in eine App und Homepage einfließen, mit deren Hilfe sich behinderte Touristen, aber auch Menschen in der Rehabilitation oder Senioren und Familien mit Kinderwägen orientieren können.

Was sich am Bahnhof ändern soll

Thomas Nöken, stellvertretender Leiter des Dezernats für Umwelt, Planen und Bauen, war Gastredner in der Sitzung. Unter Barrierefreiheit versteht Nöken mehr als nur einen ungehinderten Zugang für Behinderte. Er diene auch Bürgern mit einer Verletzung, Koffern, Kinderwägen oder Rollatoren. Möglichst bald sollen alle städtischen Gebäude barrierefrei gestaltet werden: Der Zugang zum Bahnhof sei seit Jahren eine Katastrophe. Menschen mit Koffern seien auf Hilfe ebenso angewiesen wie Rollstuhlfahrer, die sich anmelden müssen, wenn sie Hilfe brauchen, um zum anderen Gleis zu kommen.

Sechs barrierefreie Bushaltestellen geplant

Die Anlage der Vorzugsvariante sei barrierefrei konzipiert – trotz achtprozentiger Rampenneigung, die mit Aufzügen überwunden werden könne, erläutert Nöken: Bei der Brückenlösung entstünden jedoch durch die Rampenneigung von sechs Prozent zusätzliche Wege von bis zu 155 Metern. Berufspendler würden die alte Unterführung nutzen, prognostiziert er. Bis zum nächsten Jahr will die Stadt in der Konstanzer Straße in beiden Richtungen sechs neue Bushaltestellen bauen, die für Sehbehinderte barrierefrei sein sollen. Aufgenommen würden derzeit sämtliche Bushaltestellen.

Weitere Termine

  • Der offene Treff für Menschen mit und ohne Handicap findet jeden ersten Freitag im Monat von 14 bis 16 Uhr in der Vereinsgaststätte des Behinderten- und Rehabilitationssportverein (BRSV) auf der Mettnau statt, zum ersten Mal am Freitag, 4. Mai. Die nächste Sitzung des Behindertenbeirats findet am 30. Mai um 16 Uhr im Werner und Erika Messmer Haus an der Ecke Bismarkstraße/Brühlstraße statt. Der Beirat lädt eine Referentin ein, die über Vereinsstrukturen berichtet.
  • Kontakt: Behindertenbeauftragter Wolfgang Weinz, E-Mail: wweinz@gmail.com