In der Not stehen sich die Helferkreise bei. Als klar war, dass das Landratsamt Konstanz die Flüchtlinge in der Notunterkunft in Dettingen-Wallhausen in die Notunterkunft nach Radolfzell verlegen wollte, funktionierte der kurze Draht vom Helferkreis Dettingen-Wallhausen zum Freundeskreis Asyl Radolfzell: „Wir haben einen guten Kontakt unter den Helferkreisen und sind auf dieser Schiene noch vor den offiziellen Informationen über die bevorstehende Verlegung unterrichtet worden“, berichtet Reiner Kühl vom Vorstand des Radolfzeller Helferkreises.

Die Situation in der Notunterkunft Tennishalle in Dettingen-Wallhausen ließ dem Amt für Migration und Integration kaum eine andere Wahl, wie Amtsleiter Ludwig Egenhofer berichtet: „Wir verfahren nach dem Motto: Wo haben wir Platz, wo ist es warm?“ Technische Probleme mit der Heizung ließen die Temperaturen in der Tennishalle Dettingen nachts auf bis höchstens zehn Grad fallen, tagsüber erreichten sie höchstens 15 Grad. Deshalb seien 60 Flüchtlinge – davon etwa 30 Kinder – Anfang vergangener Woche mit dem Bus nach Radolfzell in die Notunterkunft in der Herrenlandstraße gebracht worden.

Wie bewerten es die Helferkreise?

Reiner Kühl vom Freundeskreis Asyl hat Verständnis für die Maßnahme des Landratsamts: „Es war eine Notsituation, ich würde das nicht überbewerten.“ Schwierig sei der Vorgang für die Flüchtlinge mit und ohne Familien gewesen: „Sie wurden aus allem herausgerissen, der Kita, dem Sprachunterricht, der gewohnten Betreuung.“ Vor allem für die Mitarbeiter des sozialen Diensts sei dies eine Herausforderung gewesen. Die Mitglieder des Freundeskreises Asyl spürten den Ansturm im Haus der Vielfalt. Die Kinder der Flüchtlingsfamilien seien es aus Dettingen gewohnt gewesen, dass es neben der Tennishalle eine Kinderbetreuung gibt. „Wir können das im Haus der Vielfalt nicht bieten“, berichtet Timm Klotz vom Freundeskreis Asyl. Ludwig Egenhofer bestätigt, dass dies ein Problem ist: „Es tut uns leid, dass insbesondere die Familien von heute auf morgen einfach aus Dettingen, ihrem vertrauten Umfeld, herausgerissen wurden.“ Die Integration dieser Familien sei dadurch unterbrochen worden.

Bei der Kinderbetreuung gibt es Hilfe aus Dettingen

Auch hier meldet Reiner Kühl Entspannung. Zwei Helferinnen aus Dettingen seien am Freitag in Radolfzell gewesen: „Da hilft schon, wenn die Kinder bekannte Gesichter sehen.“ Mittlerweile seien für die großen Familien andere Unterkünfte oder Wohnungen gefunden worden. „Die ersten Familien ziehen bereits diese Woche aus der Notunterkunft in Radolfzell wieder aus“, kündigt Egenhofer an. Das Landratsamt sei bemüht, sie in festen Unterkünften im gesamten Landkreis unterzubringen, damit insbesondere die Familien wieder einen geregelten Alltag fänden. „Aber auch die alleinstehenden Männer vergessen wir nicht – vor allem die, die eine Schule besuchen oder arbeiten“, so Egenhofer. Allerdings sei noch unklar, wie viele der 60 von Dettingen verlegten Flüchtlinge in Radolfzell bleiben müssten.

 

Unterkünfte in Radolfzell und Dettingen

  • Notunterkunft und Gemeinschaftsunterkunft: Flüchtlinge, die aus den Erstaufnahmeinrichtungen in die Landkreise verteilt werden, kommen in eine Not- oder Gemeinschaftsunterkunft. Der Unterschied liegt in der Ausstattung. Eine Notunterkunft biete nicht so viel Privatsphäre wie eine Gemeinschaftsunterkunft, erläutert Ludwig Egenhofer vom Amt für Migration und Integration im Landratsamt Konstanz.
  • Herrenlandstraße: In der Notunterkunft Herrenlandstraße sind aktuell 112 Flüchtlinge untergebracht, davon 32 Kinder. Das Landratsamt beschäftigt tagsüber vier Sicherheitskräfte und nachts fünf. Die Polizei wird immer wieder in die Notunterkunft zu Auseinandersetzungen gerufen. Für Sozial-Bürgermeisterin Monika Laule ist das kein Anlass für Krisengespräche, "wenn jemand mal einen Koller bekommt". Egenhofer teilt die Einschätzung, dass es bei dieser Art der Unterbringung zu Auseinandersetzungen kommen könne. Neben der Notunterkunft Herrenlandstraße gibt es die Gemeinschaftsunterkunft Kasernenstraße, dort wohnen 153 Menschen.
  • Freundeskreis Asyl Radolfzell: "Wir suchen den persönlichen Kontakt in Gesprächen und Besuchen zu den Geflüchteten in den Sammelunterkünften in Radolfzell und versuchen, direkte und unkomplizierte Hilfe bei den Problemen dieser Menschen zu leisten", heißt es in der Selbstbeschreibung auf der Internetseite des Freundeskreises. Dies setzt der Freundeskreis in verschiedenen Arbeitsgruppen wie Café International im Haus der Vielfalt oder Fahrrad-Reparatur um.
  • NotunterkunftDettingen: Ob die Notunterkunft in Dettingen wieder betrieben wird, ist noch nicht absehbar. Zu den Heizungsproblemen sei jetzt noch ein Wasserrohrbruch gekommen, berichtet Ludwig Egenhofer.