Vor rund 1200 Jahren zeichneten Mönche der Insel Reichenau auf einem Pergament den Idealplan eines Klosters auf. Der Plan ist im Besitz der Stiftsbibliothek Sankt Gallen und die Basis für die karolingische Klosterstadt "Campus Galli" in Meßkirch – einem Bauvorhaben mit zeitgenössischen Arbeitstechniken zur Nachbildung eines frühmittelalterlichen Klosters. Fragen zum Mittelalter lassen sich von der Wissenschaft oftmals nur mithilfe nachgestellter Experimente beantworten. Wie beispielsweise dem Klosterbau oder die Reise des irischen Wandermönches Angus O'Neill aus dem 9. Jahrhundert.

Der Mönch ist eine Fantasiegestalt mit historischer Wahrscheinlichkeit, die von Michael Skuppin vom "Campus Galli" verkörpert wird. Mit Krummstock und Kutte sowie in Begleitung von drei Eseln machte er sich auf eine Wanderung von Meßkirch über die Reichenau nach Sankt Gallen. Sein Ziel: Als Überbringer des Reichenauer Klosterplans an den Sankt Gallener Abt Gozbert als Heiliger in die Kirchengeschichte einzugehen. Auf seiner neuntägigen Wanderschaft machte er einen Ruhestopp in Markelfingen und gab an der Konzertmuschel ein Konzert mit mittelalterlichen Liedern, ehe er am fünften Reisetag mit einem Boot auf die Insel Reichenau übersetzte.

Bild: Georg Lange

Michael Skuppin macht einen großen Unterschied zwischen seiner Wanderung im Vergleich zu einer Reise auf einem Pilgerweg. Den Weg eines Wandermönches vor mehr als 1200 Jahre kenne niemand, beschreibt Skoppin die experimentelle Natur seines Unterfangens. Letztlich suche er wie der irische Wandermönch ohne Landkarten den Weg nach Sankt Gallen: "Immer wieder haben wir freundliche Zeitgenossen, die sich in der Gegend auskennen und uns ein Stück des Weges begleiten." Vor Ort gebe es immer wieder jemanden, der ihn samt Esel und seiner mittelalterlichen Begleitung über die spannendsten Pfade führe, die Normalsterbliche nie entlang gehen würden. Manchmal kreuzt sein Pfad mit dem Jakobsweg. Täglich lernt Skuppin neue Menschen kennen. Eines habe er auf der Wanderschaft auf Anhieb erkannt, erzählt er: "Die Regionen hängen historisch zusammen."

Früher sei der See kein Ort mit Grenzen gewesen, so Skuppin, sondern der Platz, der das Verbindende brachte. Zu Zeiten des Missionars Gallus wäre niemand auf die Idee gekommen, um den Bodensee zu laufen. Vielmehr sei man über den See gefahren. Der Schiffsweg war der sicherste Weg um wilden Tieren auszuweichen, wie die Legende von Gallus und dem Bären nahe lege. Die Glöckchen an der Zipfelmütze der Mönchskutten sollten in der Nacht die wilden Tiere verschrecken, weiß Skuppin aus seiner experimentellen Wanderschaft zu berichten. Was es im Mittelalter aber ebenso tat: Es lockte auch die Räuber im Wald an. Manch ein Mönch habe das Bimmeln mit seinem Leben bezahlt.

Martin Skuppin macht in Bad Saulgau, Pfullendorf und Überlingen historische Stadtführungen. Als Wandermönch in Meßkirch wurde der Liedermacher durch sein schauspielerisches Talent vom "Campus Galli" als zweibeiniger Esel für das Experiment gecastet, scherzt der Theater- und Geschichtswissenschaftler. Mithilfe der Figur des Wandermönches und eines fantasievollen Historienspiels lässt er die Zeit des Mittelalters wieder auferstehen. Der aus Irland stammende Wandermönch Angus zog ins Land der Pagani, der Ungläubigen, und brachte ihnen das Christentum näher, erläuterte Skuppin. Das sei anfangs der Auftrag der fränkischen Herrscher gewesen, die jedoch lieber die hierarchisch aufgebaute benediktinische Regeln bevorzugten als das irische Mönchstum.