Erhobenen Hauptes und mit martialischen Blicken schauen die Soldaten des Kriegerdenkmals über den Luisenplatz. Immer wieder gab das 1938 errichtete Denkmal Anlass zu Kontroversen. Wie soll man mit solchen Kunstwerken umgehen, die im Laufe der Geschichte ihre Aussage verändern und konträr rezipiert werden? Sollten sie entfernt oder als Zeitzeugnisse stehen bleiben und erläutert werden?

In Radolfzell habe man sich für die zweite Lösung entschieden, erklärt Bürgermeisterin Monika Laule. Nachdem es in der Vergangenheit viele verschiedene Einzelaktionen auf dem Gebiet der Erinnerungskultur gegeben hätte, wolle man das Thema nun geballter ins Zentrum der Öffentlichkeit stellen. Das Herzstück bildet die Sonderausstellung im zweiten Stock des Stadtmuseums: „Denk mal an den Krieg“ (bis zum 17. April). Das Wortspiel und die ersten Anstöße zur Ausstellung hat Katharina Maier, Leiterin des Stadtmuseums, vom Konstanzer Kreisarchivar Wolfgang Kramer aufgenommen. In Radolfzell wurde die Ausstellung um die städtischen Einzelheiten wesentlich erweitert. Erläutert wird auf zahlreichen Bildtafeln, wie sich Kriegs- und Gefallenendenkmäler im Laufe der Geschichte veränderten. Von glorreichen Kriegsdarstellungen nach der großen Begeisterung des gewonnenen deutsch-französischen Krieges 1870/71 hin zur trauernden Erinnerung an die Millionen Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Diese Erinnerungsstätten sind oftmals von christlicher Symbolik geprägt. Die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg errichteten „Heldendenkmäler“ wurden nach 1945 als Schande erlebt. Vielerorts wie auch am Luisenplatz wählt man heute den Weg, sie durch nüchterne Erläuterungen zu ergänzen und sie als Mahnmale zu nutzen.

Begleitet wird die Ausstellung von Vorträgen zu verschiedenen Denkmälern und deren Geschichte. Ab 30. April wird sich die Sonderausstellung „Aktion T4 Berlin/Radolfzell“ mit den NS-Euthanasie-Verbrechen beschäftigen.