Schüler unterschiedlicher Schulen in Radolfzell hatten anlässlich des Volkstrauertags am gestrigen Sonntag ihren persönlichen Wunsch nach Frieden künstlerisch umgesetzt. Am Luisenplatz wurden die 48 Fahren mit Friedenssymbolen aufgestellt. Am Volkstrauertag gedenkt man in ganz Deutschland den Opfern von Krieg und Gewalt. Bei den Friedensfahnen handelt es sich allerdings um eine Wiederholung. Sie wurden erstmals zum Anlass der Kulturnacht am 2. Oktober aufgestellt und wenige Tage später von Unbekannten gestohlen (siehe Infokasten). Entsprechend kamen am Sonntag drei Kinder der Liggeringer Grundschule exemplarisch zu Wort, um ihr Unverständnis und ihre Trauer über den Diebstahl auszudrücken. Veronika Lasku, Pauline Bongartz und Constantin Jäckel beklagten zu Recht die Ignoranz der Diebe gegenüber ihrem Wunsch nach Frieden.

Das Thema nahm auch Redner Reinhard Rabanser auf. Der Stadtrat bestärkte die Jugend in ihrem Vorgehen und bedankte sich für ihr Engagement und den Mut, die Friedensfahnen ein weiteres Mal auf dem Luisenplatz aufzustellen. "Jede Handlung ist wichtig. Und genau deshalb ist es ein Zeichen der Hoffnung, dass sich unsere Stadt und die hier anwesenden Kinder sich nicht haben unterkriegen und einschüchtern lassen von den feigen Dieben der Friedensfahnen", lobte der Stadtrat und ehemalige Schuldirektor der Ratoldusschule. Die Fahnen wollte er als ein Zeichen dafür verstanden wissen, "dass der positive Blick in die Zukunft überwiegt", und daher Hoffnung macht. Dabei ist es mitunter nicht leicht, sich der zahlreichen Opfern von Krieg und Gewalt in der Welt zu vergegenwärtigen und dennoch positiv in die Zukunft zu schauen.

"Gewalt ist alltäglich und allgegenwärtig. Sie äußert sich in vielerlei Formen und hat tausend Gesichter", stellte Reinhard Rabanser treffend fest. Er wählte mit Zitaten von Wolf Wondratschek und Carolin Emke zwei deutsche Schriftsteller aus, die es verstanden haben, die Folgen von Gewalt zu verdeutlichen.

Dabei gehe es nicht ausschließlich um die Verhinderung von Kriegen und Terror, sondern oftmals um ganz alltägliche Begebenheiten und Vorfälle, die das Miteinander nach und nach vergiften. "Für die alltägliche Formen der Missachtung und Demütigung, für all die Zurichtungen und Zuschreibungen in vermeintlich homogenen Kollektiven, dafür sind wir alle zuständig", zitierte Rabenser Carolin Emke mit ihrer Dankesrede zum Preis des Deutschen Buchhandels. Und daher forderte der diesjährige Redner beim Volkstrauertag in Radolfzell jeden dazu auf, sich für Werte wie Frieden, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzusetzen. "Wir können die Toten nicht in das Leben zurückholen, wir können aber versprechen, mit aller Kraft zu versuchen, das Leben in Frieden und Freiheit zu schützen", schloss Reinhard Rabanser seine Rede ab. Anschließend hinterlegte er zusammen mit Oberbürgermeister Martin Staab, Bürgermeisterin Monika Laule und dem Landtagsabgeordneten Jürgen Keck die Kränze an der Gedenktafel für die Opfer von Krieg und Gewalt in der Welt. Insgesamt besuchten rund 150 Bürger die Veranstaltung.


Gestohlene Fahnen

In der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober hatten unbekannte Täter die Friedensfahnen gestohlen, die im Rahmen der Kulturnacht beim Kriegerdenkmal am Luisenplatz aufgestellt worden waren. Bei dem von der Stadt geförderten und begleiteten Projekt hatten Schüler die Fahnen gestaltet. Nach dem Diebstahl erstattete die Stadt Radolfzell Anzeige und bestellte umgehend 48 neue Fahnen bei den Schülern.