Unter der Überschrift "Zukunft" erläuterte der OB, was er in den nächsten Jahren umsetzen will. Wir haben vier Punkte herausgegriffen

  1. Konstanzer Straße: Martin Staab ist ein aufmerksamer Zeitungsleser, das hat er auch in seiner Neujahrsansprache mehrfach dokumentiert. So bemerkte der OB: "Kaum war das Thema Vorfahrt für Bildung in 2014 ausgelobt, gab es brennende Presseartikel und Beschwerden von Taxifahrern zu vereinzelten Schlaglöchern." Das wird nun repariert, nicht mit Zeitungsartikeln, mit Geld und Arbeit. Die Konstanzer Straße werde in mehreren Bauabschnitten in den nächsten drei Jahren saniert, versprach der OB. Für das Projekt hat die Stadt 2,6 Millionen Euro in den Doppelhaushalt 2018/2019 eingestellt. Es sind nicht nur die Füllungen für die Schlaglöcher geplant. Zum Sanierungsprojekt in der Konstanzer Straße gehören Mittelinseln mit Bäumen, ein durchgehender Sicherheitsstreifen für Radfahrer auf beiden Fahrbahnseiten und eine mögliche Querungshilfe nördlich der Hebelstraße.
  2. Parken und Mobilität: Das Mobilitätskonzept gehört zu Staabs Lieblingsprojekten.
    Wann immer sich die Gelegenheit bietet, versucht er Zuhörer von der Idee zu überzeugen, dass es berechtigt ist, mehr Geld für einen Parkplatz zu verlangen und zeitgleich die Fahrkosten für den Bus auf einen Euro pro Fahrt zu senken. Der OB ging bei seiner Neujahrsansprache vom Grundsätzlichen ins Detail. "Einmal von vorn bitte: Die Stadt ist nicht in der Pflicht, für private Unternehmen Parkplätze zu errichten und zu betreiben", trug Staab eindringlich Grundsätzliches vor. Der OB stellte eine Frage ans Publikum: "Ich weiß nicht, wer von Ihnen als Steuerzahler gerne die Herstellung und den Betrieb von Mitarbeiterparkplätzen mit seinen Steuern bezahlen möchte?" Seiner Bitte, dies mit Handzeichen kundzutun, kamen im Milchwerk nicht all zu viele nach. Der Erfolg des Mobilitätskonzepts aus Sicht des OB: Jetzt gebe es genügend Dauerparkplätze für in der Altstadt wohnende und arbeitende Menschen. "Und das zu einem günstigeren Monatspreis als das normale Monatsticket. Und es gibt keine Warteliste mehr." Bleibt der Blick in die Zukunft und dieser wird für die Kirchgänger unter Umständen unbequemer. Das hat Martin Staab zum Umgang mit der Fußgängerzone gesagt: "Reger Taxi- und Zufahrtsverkehr, Lieferfahrzeuge ganztags und sonntäglicher Kirchenparkverkehr müssen auf den Prüfstand." Das Thema könnte ähnliche Wellen schlagen wie Parken am Strandbad.
  3. Umwelt, Gewerbe, Bauen: Auch bei der Neuansiedlung von Gewerbe möchte Radolfzell die ambitionierte Umweltstadt bleiben. Dafür plant die Stadt im Kreuzbühl einen sogenannten "Clean-Energy-Park". Der OB hat das in seiner Neujahrsansprache so übersetzt: "Saubere und zukunftsfähige Arbeitsplätze in einem Gewerbegebiet, das die erneuerbare Energie direkt vor Ort gewinnt." Für die Erschließung des rund sieben Hektar großen Gebiets zwischen Kasernenareal und dem Flecken Reute hat die Stadt etwas knapp über zwei Millionen Euro eingeplant. Das Thema Bauen will der OB "maßvoll" angehen: "Wenn wir sehen, dass über 80 Prozent unserer Gemarkungsfläche in irgendeiner Form unter Schutz stehen, dann müssen wir schonend mit den restlichen 20 Prozent umgehen." Die grundsätzliche Debatte, ob Radolfzell mehr Wohnungen brauche, sei noch nicht für alle in der Stadt geklärt und bejaht. Wozu es noch keine konkreten Aussagen gab: Wie und wann das Pflegeheim auf der Mettnau gebaut werden soll. Wenigstens ein Plan soll 2018 gelingen.
  4. Rad, Brücke, Mole: Streng genommen gehört das Thema Rad zum Mobilitätskonzept. Dort hat es der OB in seiner Rede eingeordnet. Aber das Rad bekommt eine herausgehobene Stellung, Staab hat es zum "Mobilitätsschwerpunkt 2018" erklärt. Es gehe um "klar definierte Radrouten", die Innenstadt, Mettnau, Schulen, Gewerbegebiete mit Wohngebieten und Ortsteilen verbinden. Oder über eine – vielleicht neu zu bauende Brücke – über die Bahn an Mole und See führen. Doch ob die Brücke wirklich ein Zukunftsprojekt wird, ob es bei der Schmalspurunterführung bleibt oder eine neue, breite Seetorquerung kommt – darüber muss der Gemeinderat erst entscheiden. Der Knackpunkt werden die Kosten sein, eine erste Schätzung für eine Brückenlösung ist für Februar versprochen. Das Aufregerthema der vergangenen Jahre lechzt nach Fortsetzung, Ausgang ungewiss. Obwohl Staab befindet: "Der zentrale Seezugang muss entschieden werden." Aussichtsreich ist dagegen ein Abriss der vereinigten Hüttenwerke auf der Radolfzeller Mole. Der Gemeinderat habe sein Okay für einen Wettbewerb gegeben, den die Bodenseehafengesellschaft als Grundstückseigentümerin für eine Gastronomie auf der Mole ausloben möchte. "Die Zusammenarbeit mit den Konstanzern läuft sehr gut und es könnte sein, dass schon 2019 Baubeginn ist." Zukunft am See – läuft. Mit Hilfe aus Konstanz.

 

Erdschichtarbeiten

Keine Baustraße, sondern Erdschichtarbeiten im Gewann Kreuzbühl: Vor den eigentlichen Erschließungsarbeiten für das neue Gewerbegebiet suchen die Archäologen nach Funden.
Keine Baustraße, sondern Erdschichtarbeiten im Gewann Kreuzbühl: Vor den eigentlichen Erschließungsarbeiten für das neue Gewerbegebiet suchen die Archäologen nach Funden.

Was aussieht wie eine provisorische Baustraße für das geplante Gewerbegebiet Kreuzbühl am Kreuzbühlhof zwischen Reute und dem RIZ, sind Erdschichtarbeiten im Auftrag des Landratsamts Konstanz. Dort lässt Kreisarchäologe Jürgen Hald das Gelände systematisch nach Fundstellen absuchen. Die grüne Wiese oder der Acker zwischen Kreuzbühlhof und ehemaliger Kaserne ist ergiebig für die Archäologen, sagt Archäologe Hald: "Wir haben 100 Einzelfundstellen aus verschiedenen Zeitepochen." Die meisten Funde im Kreuzbühl seien römischen und spätantiken Ursprungs aus der Zeit 200 bis 500 nach Christus.