Es ist nebensächlich, woher man kommt und wer man eigentlich ist – Hauptsache man ist weiß gekleidet und bringt etwas Köstliches zum Essen mit. Auf der Radolfzeller Uferpromenade an der Hafenmole knallten die Sektkorken. Kandelaber verschönerten mit Kerzenschein die opulent gedeckten Tafeln. Bei einem Picknick unter freiem Himmel zierten Stoffservietten liebevoll dekorierte Tische. Weißes Porzellan klapperte mit Metallbesteck um die Wette. Aus sämtlichen Richtungen im Landkreis kamen rund 650 Gäste zum dritten Radolfzeller Diner en Blanc (Essen/Dinieren in Weiß).

Wie eine verschworene Gemeinschaft erkannten sich die illustren Picknicker auf der Hinfahrt untereinander, da ein Jeder von ihnen weißgekleidet kam. Freunde begrüßten sich stilgerecht mit farblich angepasstem Eierlikör in weißen Portionsbechern. Und wer ohne Freunde zum Diner kam, lernte in der fröhlichen Gesellschaft schnell nette und großzügige Menschen kennen.

Beim Picknick unterm freien Himmel verteilen sich 650 Gäste an der Radolfzeller Mole und der Uferpromenade.
Beim Picknick unterm freien Himmel verteilen sich 650 Gäste an der Radolfzeller Mole und der Uferpromenade. | Bild: Georg Lange

Ein Diner en Blanc hat eine ganz eigene, unverfängliche Atmosphäre und unterscheidet sich deutlich von einem gewöhnlichen Picknick. Unter freiem Himmel und unter den Platanen trafen sich an zwei überlangen Tafeln nahezu unbekannte Menschen, die der Genuss bei einem guten Essen und die Freude am geselligen Beisammensein miteinander verband. Jeder Besucher spielte nach den Regeln der weißen Zusammenkunft.

Teilnehmer blickten am Nachmittag nervös auf ihre Wetterapps. Zunächst schien die Aktion wegen unsteten Wetterbedingungen auf wackligen Beinen zu stehen. Um 16 Uhr entwarnte der Veranstalter und bestätigte den Start des Diner en Blanc über seine Homepage. Viele Besucher hatten einen Plan B und hätten das Diner bei einem Regenschauer privat ausgerichtet.

Zwei 90 Meter lange Tafeln

Ab neun Uhr bereitete ein fünfköpfiges Team des Radolfzeller Stadtmarketings zwei über 90 Meter lange Tafeln mit 84 stoffbezogenen Bierbänken am Ufer der Hafenmole vor. Ein Radolfzeller Sponsor stellte für jeden Tisch als Dekoration einen kleinen Strauß aus Gräsern und weißen Blumen bereit.

Zwischen den Gängen des Diner en Blanc empfehlen sich Spaziergänge an der Uferpromenade (v.li.): Elga Heckner, Heidi Haltmeyer, Rolf Haltmeyer sowie Gerhard Heckner.
Zwischen den Gängen des Diner en Blanc empfehlen sich Spaziergänge an der Uferpromenade (v.li.): Elga Heckner, Heidi Haltmeyer, Rolf Haltmeyer sowie Gerhard Heckner. | Bild: Georg Lange

Zum ersten Mal organisierten die Veranstalter für das Diner eine mobile Fotobox, die sie für Erlebnisfotografien auf den See ausrichteten. Die Projektleiterin des Stadtmarketings engagierte für das Diner einen Pianisten und ein Gitarrenduo, die die Gäste mit klassischer Musik und poppigen Beats unterhielten.

Marina Bosch aus Radolfzell war zum zweiten Mal beim Diner en Blanc. Ihr Freundeskreis meldete sich mit 30 Personen beim Veranstalter an. Bereits die Anfahrt zum Diner habe sich schön gestaltet, erzählt Bosch. Die Gruppe habe durch die Kleidung neugierige Blicke von Passanten auf sich gezogen und sei von Touristen angesprochen worden.

Eine Torte mit 20 000 Kalorien

Marina Bosch hatte eine opulente Sandwichtorte mit Schinken, Käse, Eiern, knackigem Gemüse sowie vier Lagen Vollkornbrot vorbereitet. Sie füllte die Torte mit aromatisierten Frischkäsen und gab ihr eine weiße Glasur inklusive kreativ gestalteter Gemüse- und Schnittlauchdekoration.

Die Torte für 16 Personen war ein prächtiger Energieträger: Sie hatte geschätzte 20 000 Kalorien. Doch an so einem schönen Abend würden keine Kalorien gezählt werden, schmunzelte Marina Bosch. Wer das Diner en Blanc konsequent umsetzen möchte, verwendet selbst bei den Speisen cremigweiße Farben.

Edles Ambiente

Doris Weber aus Gaienhofen zeigte sich von dem edlen Ambiente begeistert. Bei Regen hätte ihre zehnköpfige Gesellschaft das weiße Dinner zu Hause veranstaltet. Willi Lange reiste mit seiner Ehefrau aus Emmingen bei Tuttlingen an. Das Flair der Stadt und die netten Menschen in Radolfzell ziehe sie magisch an, meinte er. Es sei schön, dass man so etwas genießen und mit dabei sein dürfe: Er habe beim Diner eine wunderschöne Gemeinschaft unter Freunden genossen. Die Mole sei zudem eine fantastische Kulisse.

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Mark Steidle kam aus Konstanz und war zum ersten Mal auf einem Diner en Blanc. Freunde hatten ihn eingeladen. Er schwärmte von dem geselligen Picknick mit seinen Freunden in toller Atmosphäre. Und von netten Menschen, die mit an dem Tisch saßen und die man nicht kannte. Schon auf dem Weg habe er durch den Dresscode neue Leute kennengelernt.

Auch Gerhard Heckner war zum ersten Mal bei einem Diner en Blanc dabei. Zunächst zeigte er sich skeptisch, doch dann wurde er von der Atmosphäre überrumpelt. Alle würden sich als eine Gemeinschaft fühlen, beobachtete der Stahringer: „Obwohl sich die Menschen nicht kennen.“ Die Farbe Weiß verbinde die Menschen. Dieses Jahr hatten seine Freunde die letzten vier Karten für das Diner en Blanc ergattert. Im nächsten Jahr möchte er unter den ersten hundert sein, die sich für das Picknick der besonderen Art anmelden.