Das große Kunstprojekt „7:75 Ortszeit“ anlässlich des 775. Böhringer Dorfjubiläums im vergangenen Jahr wird an der bevorstehenden Kulturnacht fortgesetzt: mit neuer Besetzung, weiteren Räumen und neuer Kunst als „7:76 Ortszeit“. Mit mehr als 30 Künstlern will Organisatorin Victoria Graf abermals einen vielfältigen Eindruck in die Szene bieten.

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Mit Kunstformen, die von Installationen und Skulpturen über Trash-Art, Konzeptfotografie, Videokunst, Theater und Musik bis hin zu professioneller zeitgenössischer Kunst reichen. Nicht nur eine Nacht lang, sondern mit erweiterten Öffnungszeiten vom 2. (Kulturnacht) bis 6. Oktober wollen die Künstler erneut die mehr als 200 Jahre alten, leerstehenden landwirtschaftlichen Gebäude in der Fritz-Kleiner-Straße zum Leben erwecken – Räume, deren Tage gezählt sind, weil dort die neue Böhringer Ortsmitte geplant ist.

Hoffnung auf weitere Ortzeit 7:78 zu den Heimattagen

„Die Besucherströme im vergangenen Jahr waren einfach ein wahnsinniger Erfolg“, schildert Victoria Graf ihre Motivation, erneut dieses „Mega-Event“ zu organisieren, mit dem sie Böhringen zum Kulturdorf auf Zeit erheben möchte, das Strahlkraft über die Region hinaus entwickelt. „Noch stehen die Scheunen, und so lange es geht, wollen wir diese Räume mit besonderem Charme nutzen“, so die umtriebige Böhringer Künstlerin. Sie hofft, dass es noch recht lange dauert, bis sie abgerissen werden: „Es wäre schön, wenn wir noch eine „7:78 Ortszeit“ zu den Heimattagen 2021 hinbekämen.“

Mit Hammer und Meißel hat die Hilzinger Künstlerin Astrid Rothmund in Böhringen ihre Arbeit für die „7:76 Ortszeit“ zur bevorstehenden Kulturnacht aufgenommen.
Mit Hammer und Meißel hat die Hilzinger Künstlerin Astrid Rothmund in Böhringen ihre Arbeit für die „7:76 Ortszeit“ zur bevorstehenden Kulturnacht aufgenommen. | Bild: Marina Kupferschmid

Doch zurück zur „7:76 Ortszeit“, die mit neuen Kunsträumen aufwartet. Als erste Künstlerin hat Astrid Rothmund bereits die Arbeit aufgenommen. Mit Hammer und Meißel ist sie im Wohnhaus Singener Straße 6 (Eingang vom Dorfplatz) zu Gange, wo sie das Portrait einer alten Frau als Relief entstehen lässt. „Das Zusammenspiel von Mauerwerk, Putz, Tapete und Farbe eröffnet bei jedem Werk neue Möglichkeiten“, erklärt die Künstlerin aus Hilzingen, die schon an mehreren Abbruch-Gebäuden gearbeitet hat. An der Wand dieses Böhringer Wohnhauses hat sie Überraschungen beim Untergrund erlebt, die sie nun in das Kunstwerk einfließen lässt.

Gänsehaut-Momente im alten Schlachthaus

Von diesem Haus gibt es einen Durchgang zur Fritz-Kleiner-Straße mit einem Hof, der ebenfalls an der Kulturnacht „bespielt“ werden wird. Direkt neben dem Haus, ebenfalls vom Dorfplatz zugänglich, liegt das ehemalige Schlachthaus, das neu zur Ortszeit hinzukommt. Das dort angesagte Action-Painting live von Wolf-Christian Leithäuser und auch die angekündigten Artvideos und Photokompositionen von Bette Beyer unter den experimentellen Bedingungen der Umgebung mit weiß gekachelten Wänden und den großen alten Fleischerhaken lässt Gänsehaut-Momente erwarten.

Auch in den Wohnhäusern, Ställen und Scheunen in der Fritz-Kleiner-Straße, wo schon im vergangenen Jahr ausgestellt wurde, gibt es weitere Winkel und Geschosse, die für die Präsentation von Kunst in vielfältiger Form neu entdeckt wurden.

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„Die 7:76 Ortszeit wird wieder eine coole Sache“, freut sich Victoria Graf, die auch in ihrem Atelier „Die Werkstatt“ mit großem Programm aufwartet. Zudem hat sie ein spannendes Gemeinschaftsprojekt aller Künstler initiiert, das unter dem Titel „Artort“ das Kopf-Kino anregen wird.

Das Projekt „7:76 Ortszeit“ im Überblick

  • Ehemaliges Schlachthaus (Eingang Dorfplatz) und Wohnhaus daneben: Action-Painting mit Wolf-Christian Leithäuser; Artvideos und Photokompositionen von Bette Beyer, Relief von Astrid Rothmund.
  • Fritz-Kleiner-Straße 3, Wohnhaus, Scheune, Stall und Hof: „Artort“- Gemeinschaftsprojekt 7:76, Fotografien „sichtbar“ von Jana Akyildiz, Trash-Kunst „Global Warning“ der Zwillingsbrüder Andreas und Ralph Hilbert (Anra), Tango-Performance „Encuentro II“ von Annette und Thomas Gönner-Langendörfer, Portraits und Mixed Media von Birgit Guzmann Batista, Gartenskulpturen von Adalbert Maier, Interaktive Kunst mit Lesungen und Spontanem von Mario Müller, Fundstücke (Upcycling) und Skurriles von Jens Mohr, Installationen von Thomas Notheisen, Körperbilder von Tatjana Römer, Illustrationen und Abstraktionen von Ulrike Roller (Drucktechnik), Fadenbilder von Susanne Sterk, „Plastic Age“ – Objekte von Siegi Treuter, Raumbilder/Bildräume von Kerstin Weiland und Andrea Dietz, Skulpturen von Alexander Weinmann, Kleiderkunst von Victoria Graf; Bewirtung.
  • Fritz-Kleiner-Straße 4, Scheune: Materialbilder von Joachim Boos, Kunst zum Schmunzeln von Werner Schönmetzler, Engelskulpturen und Schmuck (Upcycling) von Claus und Angelika Witte, Till Rehfeld mit Shirts (Textiler Schablonensiebdruck).
  • Rathaus: Qilts von Barbara Klingenberg und Sigrid Thiele.
  • Singener Straße 11: Frank Kramer mit Kunst aus Gips und Farbe.
  • Singener Straße 15, Atelier „Die Werkstatt“: Alexander Weinmann mit archaische Skulpturen und Zeichen, Keramikfiguren von Irmgard Waning, Werkstatt-Bilder von Victoria Graf; Rock zur Kulturnacht mit der Band The Lakers, Hobby-Ensemble des Improtheater Konstanz mit „Geschichten aus dem Moment“, Bewirtung.
  • Evangelische Kirche Böhringen: Buntes Programm in der Kirche mit dem Jazz-Duo Erik Hörenberg /Tobias Rädle, dem Circus Moosimo, dem Lakeside Gospelchor und dem TuS Böhringen mit Tanzvorführungen, außerdem Bilder und originelle Kunstwerke aus Jeans und altem Silberbesteck.
  • Länger als eine Nacht: Die Ausstellung „7:76 Ortszeit“ in Böhringen geht über die Kulturnacht hinaus. Für das Schlachthaus mit Nebengebäude, die Wohngebäude, Scheunen und Ställe in der Fritz-Kleiner-Straße 3 und 4, das Rathaus sowie für das Atelier „Die Werkstatt“, gelten verlängerte Öffnungszeiten: Mittwoch, 2. Oktober, 17 bis 24 Uhr; Donnerstag, 3. Oktober, 13 bis 17 Uhr; Freitag, 4. Oktober, 17 bis 20 Uhr; Samstag, 5. Oktober, 17 bis 22 Uhr, Sonntag, 6. Oktober, 11 bis 17 Uhr (mit Finissage). Die Evangelische Kirche Böhringen und Frank Kramer in der Singener Straße 11 beteiligen sich im üblichen Rahmen der Kulturnacht, die am Mittwoch, 2. Oktober von 18 bis 24 Uhr zum Besuch einlädt.