Kinder rennen umher, nehmen sich gegenseitig Huckepack und springen auf Baumstümpfe und wieder herunter. In wenigen Minuten werden die Eltern kommen und ihre Kinder abholen. Es ist das Ende einer Ferienfreizeit, an der 16 Kinder zwischen neun und 13 Jahren teilnahmen. Sie alle verbindet eines: Sie haben Diabetes mellitus Typ 1.

Die Ferienfreizeit unter dem Motto "Diabetes – im Mittelpunkt und doch am Rande" bot ein buntes Programm für die Kinder. Es gab einen Ausflug zum Radolfzeller Kletterwerk und in den Wild- und Freizeitpark Allensbach. Dabei sollten die Kinder lernen, ihre Krankheit mit Sport zu vereinbaren. "Denn Diabetes schließt Sport nicht aus. Die Kinder müssen nur lernen richtig damit umzugehen", betont Birgit Hansel, Organisatorin der Ferienfreizeit. Dabei sei Diabetes immer ein Thema, aber der Spaß der Kinder solle im Vordergrund stehen. Natürlich gebe es auch Schulungen, in denen die Kinder mehr über die Krankheit erführen, gezielt erlernen, wie sie die Kalorienzufuhr ihres Essens richtig einschätzen, um entsprechend das Insulin zu dosieren. Auch den Blutdruck im Auge zu behalten und sich selbst das Insulin zuzuführen, wurde geübt. "Die Lerneinheiten sollen aber die Ferienfreizeit nicht bestimmen", sagte Hansel. Ziel des Programms sei es, dass die Kinder künftig selbstständiger mit ihrer Krankheit umgehen können und Ängste abbauen. So sollten sie zunehmend unabhängiger von ihren Eltern werden. Gerade der Austausch mit anderen Kindern mit der gleichen Krankheit sei dabei hilfreich, sagt Hansel.

Birgit Hansel ist eine ehemalige Verkaufsleiterin in der Medizintechnik und beschäftigt sich schon lang mit Diabetes. In den 90-er Jahren kam ihr die Idee eine Ferienfreizeit für Kinder mit Diabetes ins Leben zu rufen. Zusammen mit einem Arzt entwickelte sie ein Konzept, das auf einem erlebnispädagogischen Ansatz beruht. Seither bietet sie jeden Sommer eine Ferienfreizeit im Markelfinger Naturfreundehaus an, die unter der Schirmherrschaft des Diabetes-Forums Radolfzell läuft.

Da die Nachfrage nach einem der 20 zur Verfügung stehenden Plätze seit jeher sehr groß war, hat sie voriges Jahr beschlossen, dieses Jahr erstmals auch in den Herbstferien eine Kinderferienfreizeit anzubieten. Diese allerdings unter der Schirmherrschaft der AG Diabetes Sport und Bewegung.

Um auch Kindern aus sozial schwächer gestellten Familien einen Besuch der Kinderferienfreizeit möglich zu machen, will Hansel den Selbstbeteiligungsbeitrag für die Eltern so gering wie möglich halten. "Seit Februar saß ich jeden Tag am Telefon und habe versucht, Sponsoren für die Freizeit zu gewinnen", schildert Hansel. "Das war sehr mühselig, weil vor allem große Konzerne kein Interesse daran haben, mein Herzensprojekt zu unterstützen". Rund 1000 Euro fehlten ihr immer noch, räumt sie ein.

Hansel ist überzeugt von ihrem Projekt. Vor Jahren habe sie den Erfolg des Ferienprogramms für Kinder mit Diabetes durch einen Psychologen testen lassen. Dieser sei zu dem Schluss gekommen, dass die Kinder im Kontakt mit anderen Kindern mit Diabetes tatsächlich Ängste abbauten.

Martina und Marco Pichler sind die Eltern einer neunjährigen Tochter, die vier Tage in Markelfingen verbrachte. Ihnen sei es nicht schwer gefallen, ihre Tochter die vier Tage allein zu lassen. Die Tochter sei sehr selbstständig und außerdem gut betreut gewesen, sagt Vater Marco Pichler. Sorgen mache man sich natürlich immer, fügt Martina Pichler hinzu. Ihnen hat Hansel damit ebenfalls vier Tage Urlaub vom Thema Diabetes geschenkt. Den hätten sie sich auch genommen, bestätigen die Eltern.

 

Zur Krankheit, ihren Ursachen und der Therapie

  • Formen der Krankheit: Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit. Es gibt zwei Formen: Diabetes Typ 1 und 2. Während Diabetes Typ 2 vor allem bei älteren Menschen vorkommt, ist Typ 1 auch im Kindesalter verbreitet. Diabetes ist nicht heilbar. Laut der deutschen Diabetes Hilfe sind in Deutschland rund 30 000 Kinder und Jugendliche betroffen
  • Folgen: Bei Menschen mit Diabetes Typ 1 richtet sich das Immunsystem gegen die insulinproduzierenden Zellen und zerstört sie. Die Folge: Dem Körper fehlt Insulin. Dieses benötigt er jedoch, um den in der Nahrung enthaltenen Zucker, den der Körper für die Energiegewinnung braucht, aus dem Blut in die Zellen zu schleusen. Kann der Körper den Zucker aus der Nahrung den Zellen nicht mehr zuführen, führt das zum Tod.
  • Therapie: Das Insulin muss von außen zugeführt werden. Dies geschieht meist, indem sich der Patient das Hormon spritzt. Um das Insulin richtig zu dosieren, muss ein Betroffener die Kohlenhydratzufuhr seines Essens abschätzen, um jeweils die richtige Dosis zu spritzen.