Kritische Stimmen ist die Deutsche Umwelthilfe gewohnt, wie Michael Hadamczik als Leiter für Marketing und Finanzen sagt. Eine Gegendarstellung zur Berichterstattung der Bild-Zeitung über die von der Umwelthilfe organisierte Spendensammlung von Schülern wollen sie zwar nicht anstrengen. Das bringe ja nichts, sagt Hadamczik. Die Bild-Zeitung hatte behauptet, dass die Umwelthilfe Kinder im Alter von elf bis 13 Jahren Haustüren abklappern lasse, um Spenden für den Verein zu sammeln. Und doch wehrt sich der Verein mit Sitz in Radolfzell gegen die Vorwürfe. Die Sammlung sei vielmehr ein Serviceangebot an die Schulen. Hadamczik hinterfragt, ob es Kritikern überhaupt um diese Aktion geht, wie sie seit 42 Jahren stattfindet: "Bei dieser Negativberichterstattung ging es nur vordergründig um die Haus- und Straßensammlung." Den Kritikern gehe es vielmehr um den Verein selbst und seine Rolle im Dieselskandal.

"Abmahnverein" ist nur ein Schlagwort, das in Online-Foren von Kritikern gerne gebraucht wird. Auch solche Vorwürfe höre man immer wieder, sagt Hadamczik. "Wir wählen Themen und Ansatzpunkte, bei denen wir etwas erreichen können", erklärt er das Wirken der Umwelthilfe. Das gelinge ihnen im Großen und Ganzen ganz gut. Spätestens mit dem Dieselskandal hat der Verein für Schlagzeilen gesorgt. Und mit der Forderung von Fahrverboten zur Luftreinhaltung in Stuttgart fühlt sich manch Autofahrer angegriffen: Soll er sein Auto nicht mehr fahren dürfen? Angesichts manch kontroverser Aussagen von Geschäftsführer Jürgen Resch befürchten das manche. Hadamczik betont aber: Letztlich würden sie nur geltendes Recht einfordern. "Wir schließen eine Lücke, wo der Staat nicht wirksam tätig wird." So hätten sie etwa erreicht, dass 98 Prozent der Verbrauchskennzeichnungen bei Autos nun formal korrekt seien.

Mehrere Steine im Weg

"Wir sind einer der bestgeprüften Verbände, was unsere Gemeinnützigkeit angeht", stellt Hadamczik klar. Die Umwelthilfe gehört zu den 78 klageberechtigten Verbänden in Deutschland und zähle mit dem BUND zu den einzigen Vertretern für Natur- und Umweltschutz. Gemeinnützigkeit sei eine der Voraussetzungen, um zugelassen zu werden, und die Umwelthilfe werde besonders regelmäßig geprüft. Die Prüfung sieht er nicht einmal als Stolperstein, eine aktuelle Regelung im Gesetzesentwurf zur Musterfeststellungsklage dagegen schon: Es sei ein merkwürdiger Zufall, dass der Gesetzesentwurf Anfang Mai angepasst wurde. Wer künftig für mehrere Betroffene klagen möchte, muss 350 Mitglieder haben und darf nicht mehr als fünf Prozent der Finanzbeiträge von Unternehmen erhalten. "Diese Kriterien erfüllen wir derzeit beide nicht."

Wenn es um die Finanzierung der Umwelthilfe geht, wägt Hadamczik sorgfältig ab, was er sagt. Er spricht langsamer, überlegt ein wenig länger als sonst. "Mehr als zehn Prozent" ihrer Einnahmen würden von Unternehmen stammen. Weniger als 20 Prozent? Das hänge von der Art der Verrechnung ab. "Wir erhalten Spenden von Unternehmen, wie auch andere gemeinnützige Organisationen oder Parteien", erklärt der Finanzverantwortliche. Kommerzielles Interesse sei das nicht: „Das bedeutet weder, dass sie Einfluss auf unsere inhaltliche Arbeit nehmen, noch dass wir damit Gewinne erzielen."

Gewinne seien auch mit der Spendensammlung nicht erzielt worden. Ob und welche Sammlungen in Schulen künftig stattfinden dürfen, muss laut Hadamczik jetzt geklärt werden. Durch die nun herangezogene Verwaltungsvorschrift habe sich eine neue Situation ergeben. Dabei besteht die Regelung bereits seit dem Jahr 2002, teilt das Kultusministerium mit. Im Landesrecht wurde zu Werbung, Wettbewerbe und Erhebungen in Schulen festgehalten, dass die Schule bei außerschulischen Sammlungen nicht als Mittler agieren darf. Diese Bestimmung war laut Ministerium erstmalig in einer Vorschrift vom 5. August 1985 enthalten. "Selbstverständlich können sich Schüler oder Lehrer privat in ihrer Freizeit an Sammlungen beteiligen", heißt es auf Nachfrage. Das bedeutet: Am Schwarzen Brett darf auf Sammlungen für gemeinnützige Zwecke hingewiesen werden, im Unterricht aber nicht.

Hadamczik zeigt sich überrascht: Gesammelt werde bereits seit 42 Jahren und Minister Helmut Rau (CDU) habe einst sogar als Schirmherr fungiert. Rau war von 2005 bis 2010 Kultusminister. Für das Kultusministerium ist das kein Widerspruch, wie es auf Nachfrage erklärt, denn es stehe nicht die Spendensammlung als solche in der Kritik. Hadamczik fasst das anders auf: Durch die jetzige Entscheidung habe man voreilig Fakten geschaffen, statt den Sachverhalt in Ruhe gemeinsam zu klären. Dringenden Handlungsbedarf sieht er nicht: Die Sammlung findet einmal pro Jahr im April statt.

Hoffen auf Zukunft

"Wir wollen die Haus- und Straßensammlung auch in Zukunft weiterführen", sagt Hadamczik. Engagierte zu finden, werde aber nicht einfacher. Zwar hätten sie immer wieder auch Kritik zur Sammlung gehört, dann aber den Kontakt zu Kritikern gesucht und beispielsweise mit Eltern darüber gesprochen, welchen Vorteil die Aktion für Schule wie Schüler habe. Den sieht er etwa darin, dass sie Geld für Umweltprojekte der eigenen Schule sammeln. Der Verantwortliche für Marketing und Finanzen erklärt die Hintergründe: "Das ist entstanden, als solche Sammlungen noch genehmigungspflichtig waren." Da habe es geholfen, wenn die Umwelthilfe einen professionellen Rahmen bot: Schüler erhalten etwa Informationen und Spendenbuchsen, Mitarbeiter der Umwelthilfe übernehmen die Abrechnungen. Die Spenden würden anschließend aufgeteilt: Zwischen 60 und 70 Prozent erhalte die sammelnde Gruppe für Umweltprojekte an ihrer Schule, zwischen 20 und 30 Prozent würden auf Kreis- und Landesebene vergeben. Für die Umwelthilfe würden zwischen fünf und zehn Prozent übrig bleiben. Im vergangenen Jahr wurden laut Hadamczik in Baden-Württemberg und Niedersachsen insgesamt 110 000 Euro gesammelt, die Umwelthilfe habe also ungefähr 10 000 Euro erhalten.

Der Verein

Die Deutsche Umwelthilfe wurde im Jahr 1975 gegründet und ist ein Verein mit Geschäftsstellen in Radolfzell, Berlin und Hannover. Rund 90 Mitarbeiter setzen sich hauptamtlich für den Natur- und Umweltschutz ein, den sich der Verein auf die Fahne geschrieben hat. Die Umwelthilfe engagiert sich prominent im Dieselskandal und wird mitunter als "Diesel-Hasser" bezeichnet. Kritik erntet der Verein dafür, weil er Gelder von Unternehmen annimmt und einen Teil der Einnahmen über Abmahnungen erwirtschaftet. Der Verein hat rund 280 Mitglieder.