Prominenter Vortragender bei den 44. Naturschutztagen im Radolfzeller Milchwerk war der streitbare Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Er lockte am frühen Sonntagmorgen so viele Tagungsteilnehmer, dass nicht alle einen Sitzplatz fanden.

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Denn Resch setzt sich nicht nur vehement für Diesel-Fahrverbote und für Verbotszonen für Raketen und Böller in der Silvesternacht ein, oder plädiert dafür, die Straßen zugunsten der Schiene zu entlasten. Bei den Naturschutztagen referierte er überzeugend zum Thema „Nachhaltiger Konsum“.

Was kann jeder Einzelne tun?

Jürgen Resch präsentierte viele und beeindruckende Zahlen, Bilder und Grafiken zu seinem Beitrag mit dem Titel „Die Plastiklüge: Warum wir uns von Einweg-Plastik und Pseudo-Recycling verabschieden müssen“. Wir haben seinen Vortrag auf Alltagstauglichkeit abgeklopft. Was kann jeder Einzelne zum nachhaltigen Konsum beitragen?

Warum denn überhaupt Abschied von Einweg-Plastik und Pseudo-Recycling? Reschs eindeutige Antwort: Weil wir damit zu viele Klimagase freisetzen. Deshalb sind Konsum und Plastik auch ein Klimathema, obwohl die Bundesregierung in ihrem Klimapaket das Thema Ressourceneffizienz bewusst ausgeklammert hat.

Was können wir als Konsumenten denn tun? Schließlich trennen wir doch Müll und entsorgen Verpackungen und Plastik im Gelben Sack? Resch sieht schwarz für den gelben Sack: Die Bilanz von 30 Jahren „Grüner Punkt“ falle vernichtend aus. Deutschland ist mit 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfall in 2017 das Schlusslicht in Europa. Denn nur etwa 49 Prozent des Inhaltes des Gelben Sacks werden recycelt, der größere Teil wird zur Energiegewinnung verbrannt.

Aber es kaufen doch immerhin schon viele von uns keine Getränke mehr in beschichten Verpackungen, sondern Wasser oder Saft in Glasflaschen, zum Beispiel beim regionalen Werksverkauf? Das ist laut Resch auf jeden Fall vorbildhaft und entspricht der aktuellen Ausrichtung der EU in Sachen Mehrwegschutz. So kann nämlich eine Mineralwasser-Mehrwegflasche von 0,7 Litern fünfzigmal wieder befüllt werden und ersetzt so 23 Einwegflaschen aus Plastik mit 1,5 Litern.

Immerhin hat es die Deutsche Umwelthilfe geschafft, dass eine Mehrwegquote ins Verpackungsgesetz aufgenommen wird, mit dem Ziel, einen Anteil von mindestens 70 Prozent der in Mehrweggetränke-Verpackungen abgefüllten Getränke zu erreichen.

Also macht man alles richtig, wenn man Milchflaschen und Joghurt-Gläser mit Pfand kauft, die man zurückgeben kann? Ja. Resch bedauert nur, dass die großen Discounter nicht so weit sind. Auf seine Anfrage hierzu bekam er zur Antwort: „Wir machen beim Mehrweg erst mit, wenn wir dazu gezwungen werden.“ Denn es gebe im deutschen Verpackungsgesetz kein Abfallvermeidungsziel.

Wenn man Klimaschutz ernst nehme, müsse sich Deutschland ehrgeizige Ziele setzen. Erster Schritt wäre die konsequente Umsetzung der 70-Prozent-Mehrwegquote für Getränke im Verpackungsgesetz gegenüber Industrie und Handel. Das Ziel sollte sein, 120 Kilo pro Kopf-Abfallvermeidung bis 2025 und 90 Kilo pro Kopf bis 2030 festzulegen.

In Werbeanzeigen liest man, dass sogar Kleidung aus recyceltem Plastik hergestellt wird. Ist das gut? Damit packe man das Problem nicht an der Wurzel, meint Resch, denn damit werde suggeriert: „Es ist ja nicht so schlimm mit dem Plastikmüll, man macht ja Neues daraus.“ Doch die Abfallberge wachsen, statt zu schrumpfen.

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Die offiziellen Recyclingquoten entsprechen nicht der Materialmenge, die tatsächlich stofflich verwertet wird. Amtlich spricht man von 77 Prozent, tatsächlich sind es nur 36 Prozent – etwa im Fall der Getränkekartons. Ein 100-prozentiger Materialkreislauf ist wegen der hohen Energieaufwendungen und Materialverluste nicht möglich, und viele Verpackungen sind gar nicht recycelbar. Es gilt also, Abfall konsequent zu vermeiden.

Vermeiden wir denn genug, wenn wir beispielsweise Seife und hölzerne Seifenschale verwenden statt Flüssigseife aus Plastikflaschen? Das ist zumindest ein Anfang. Denn nur, wer sich von der Plastikflut bei Obst und Gemüse, aber auch bei Kosmetik, Hygieneartikeln und Haushaltsmitteln verabschiedet, leistet seinen Beitrag zum nachhaltigen Konsum und einer saubereren Umwelt.

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