Das Gröbste scheint für die Mettnaukur überstanden zu sein. Jedenfalls hat der Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs, Kurdirektor Eckhard Scholz, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats den dritten Jahresüberschuss in Folge präsentiert. Nach einem Mini-Plus von etwa 1600 Euro im Jahr 2013 und einem größeren Überschuss von 296.000 Euro im Jahr 2014 stieg das Plus der Kur im Jahr 2015 auf 552.000 Euro.

Zum Vergleich: Der Wirtschaftsplan für die Medizinischen Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell, Mettnau, wie die Kur offiziell heißt, sieht laut der Sitzungsvorlage für 2015 ein Jahresergebnis in Höhe von 52.000 Euro vor – ein Zehntel des erzielten Betrages. Die Gründe für dieses deutlich positivere Ergebnis wurden in der Sitzung nicht im Detail thematisiert. Der Jahresabschluss der Reha-Einrichtung sorgte allerdings für einhellige Begeisterung bei Verwaltung und Gemeinderäten – zumal allen Beteiligten offenbar noch das Jahr 2012 mit dem Rekordverlust von fast 1,2 Millionen Euro in den Knochen steckt. Davor hatte die Verlustserie seit 2005 angehalten.

Oberbürgermeister Martin Staab eröffnete den Reigen der lobenden Stellungnahmen: "Das ist ein Bombenergebnis, nachdem die Kur jahrelang Verluste gemacht hat." Der Dank an Kurdirektor Scholz und seine Mitarbeiter ging durch alle Fraktionen, wenn auch die Wortmeldungen unterschiedlich nuanciert waren. Da gab es Lob für die geleistete Arbeit: "An fast allen Stellschrauben wurde gedreht" (Helmut Villinger, CDU) oder "Es wurde seit 2012 Kärrnerarbeit in den Strukturen geleistet" (Siegfried Lehmann, Freie Grüne Liste).

Seit 2012 habe es weniger Ausgaben und mehr Einnahmen gegeben, so Lehmann. Es gab Wünsche für die Zukunft: Das "bundesweite Aushängeschild" Mettnaukur müsse man weiterentwickeln, damit es in der Zukunft weitergehen kann, sagte etwa Norbert Lumbe (SPD). Josef Joachim Reckziegel (FDP) verwies darauf, dass man nun Kraft für Investitionen sammeln müsse. Helmut Villinger dachte an die Aufgaben aus dem Masterplan, die noch vor der Kur liegen. Und Siegfried Lehmann wünschte sich künftig mehr Transparenz, auch im Hinblick auf Baumaßnahmen. Schließlich lenkten manche Räte den Blick aufs Personal: Die Mitarbeiter, die das Ergebnis eingefahren haben, seien das wichtigste Gut eines Betriebes, sagte etwa Dietmar Baumgartner (Freie Wähler). Und Lehmann ergänzte, dass die Mitarbeiter laut einer Befragung stolz darauf seien, bei der Kur zu arbeiten. Es sei wichtig, diesen Zustand zu erhalten, sagte er.

Kurdirektor Scholz wirkte bei all der Euphorie zurückhaltend. Nicht nur trug er die Zahlen des Abschlusses betont nüchtern vor. Er begründete nach der Aussprache der Räte auch, warum er das getan hatte: Es gebe eben keine Garantie, dass es so weitergeht. Die Mettnaukur bewege sich in einem hart umkämpften Markt von Reha-Einrichtungen, weitere Investitionen seien nötig. Die Mittel, die zur Verfügung stehen, werde man dafür einsetzen. Er stellte außerdem heraus, dass auch viele Bürger der Stadt schon die Kur nutzen, zum Beispiel bei Kursen. Und der Kurdirektor gab das Lob des Gremiums an die Mitarbeiter weiter: "Dies ist keine Ein-Mann-Show, sondern der Erfolg ist durch die harte Arbeit vieler Mitarbeiter zustande gekommen."

Die Anfänge

Die Radolfzeller Kur, die heute unter dem Namen Medizinische Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell, Mettnau, firmiert, wurde im Juni 1958 eröffnet. Im Jahr zuvor war die Idee zur Gründung einer Sportkur aufgekommen. Das erste Quartier der Kur war das Strandhotel, wo sich im Gründungsjahr 59 Gäste einquartierten, wie es in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen heißt. Anfangs war die Kur demnach an das Krankenhaus angeschlossen, erst 1965 wurde sie eigenständig.