"Die Steinobst-, Erdbeer- und Himbeerernte waren hervorragend, die Äpfel- und Birnbäume hängen brechend voll", fasst Michael Forster vom Stahringer Obsthof Forster das Obstjahr 2018 zusammen. Auf seinen Plantagen ist die Apfel- und Birnenernte schon seit Mitte August in vollem Gang – rund drei Wochen früher als in den vergangenen Jahren. Nachdem im letzten Jahr die Frostnächte im April bis zu 80 Prozent der Obstblüten vernichtet hatte, hatten die Bäume viel Zeit und Platz, um Knospen für die diesjährige Obstblüte zu bilden.

Das Wetter ist ideal für die Obstreife

Im Frühjahr zur sensiblen Blütezeit herrschten ideale Bedingungen, gefolgt von monatelangem warmem und sonnigem Reifewetter für Äpfel und Birnen. Dank idealer Wachstumsbedingungen reifen am Bodensee nicht nur besonders hochwertige und aromatische Äpfel heran, sondern auch das breiteste Sortenspektrum Europas. Neben einer ausgiebigen Ernte kann sich Michael Forster auch über die gute Qualität seiner Birnen und Äpfel freuen, allen voran der Sorte Elstar, der wichtigsten Sorte am Bodensee. "Normalerweise müssen die Elstar-Äpfel nach dem Pflücken zwei Wochen nachreifen. Dieses Jahr kann man sie direkt vom Baum essen", erzählt Forster.

Überangebot macht sich bei der Nachfrage bemerkbar

Für Obstbauern ist die diesjährige Rekordernte jedoch Fluch und Segen zugleich. "Nicht nur die Obstplantagen, auch die Bäume in den Privatgärten hängen voll, und viele Obstliebhaber werden momentan privat versorgt", sagt Michael Forster. Während Beeren und Steinobst an seinem Obststand im direkten Verkauf sehr gut verkauft wurden, werden Äpfel und Birnen bisher kaum gekauft.

Fast die gesamte Ernte wird zunächst eingelagert, bis sie vom Großmarkt abgerufen wird. Dies kann in diesem Jahr bedingt durch die Riesenernte noch Monate dauern und resultiert für viele Obstbauern in hohen Einlagerungskosten, schließlich muss das Obst trocken und in gekühlten Hallen gelagert werden.

Es gibt viel weniger Erntehelfer

Eine besondere Herausforderung stellen für die Obstbauern auch die dringend benötigten Erntehelfer dar. Die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften hat sich in den vergangenen Jahren stetig verringert. Viele ehemalige Erntehelfer haben eine dauerhafte Beschäftigung auf dem Bau, bei Paketzustellern oder in der Gastronomie gefunden oder sehen nicht mehr die Notwendigkeit, ihr Heimatland für die Saisonarbeit zu verlassen. Die Wirtschaft in Osteuropa floriert und etliche Saisonhelfer haben in ihrer Heimat Arbeit gefunden.

Umstellung auf biologische Anbau

Nachdem Michael Forster seine langjährigen Erntehelfer im vergangenen Jahr nicht einsetzen konnte, musste er sich in diesem Jahr mit einer Gruppe von rumänischen Erntehelfern komplett neu aufstellen. Nach einer intensiven Einarbeitungszeit hofft er, diese auch in den kommenden Jahren einsetzen zu können. Vor knapp zwei Jahren hat Michael Forster den elterlichen Hof übernommen. Momentan steht der Obsthof mitten in der Umstellung auf biologischen Obstanbau und kann ab 2019 vollbiologisches Obst anbieten.

Michael Forster sieht den Hof gut aufgestellt

Auf 23 Hektar werden neben Äpfeln und Birnen auch Kernobst sowie Erdbeeren und Himbeeren angebaut. "Bio-Obst ist mitten in der Gesellschaft angekommen und entsprechend groß ist die Nachfrage", erklärt Michael Forster. Für die kommenden Wochen wünscht sich der Obstbauer kühle Nächte und sonnige, warme Tage – so bekommen die Äpfel kurz vor der Ernte noch die für die Bodenseeregion so typischen roten Bäckchen. Für das kommende Erntejahr sieht sich Michael Forster gut gerüstet und aufgestellt. Durch eine regelmäßige Ausdünnung der Blüten stellt er sicher, dass seine Obstbäume auch im Jahr nach der Rekordernte genug Kraft für eine gute Blüte haben.