Bei der alljährlichen Waldbegehung mit Oberbürgermeister Martin Staab sowie dem Forst-Revierleiter Gerhard Heizmann und Bernhard Hake vom Kreisforstamt Konstanz konnten sich die Teilnehmer einen Eindruck vom Zustand des Radolfzeller Stadtwaldes machen. Der ist, um es kurz zu machen, nicht sonderlich gut. Grund ist in diesem Jahr die anhaltende Trockenheit, die verschiedenen Baumarten unterschiedlich stark zusetzt.

Um die Dramatik auch Laien gut deutlich zu machen, hatte Revierförster Gerhard Heizmann einen Rundgang im Radolfzeller Hardt vorbereitet. Das Gebiet liegt westlich von Böhringen, jenseits der Bundesstraße 34 (oberhalb des Media-Marktes). Der kieshaltige Untergrund macht es den dort angesiedelten Bäumen besonders schwer, an das notwendige Wasser zu kommen. Die ohnehin seit Jahren geschwächten Bäume sind dann leichte Beute von Schädlingen wie dem Borkenkäfer, der die Trockenheit liebt.

Da sieht selbst der Laie, dass es den Bäumen nicht gut geht: Fichten im Radolfzeller Stadtwald.
Da sieht selbst der Laie, dass es den Bäumen nicht gut geht: Fichten im Radolfzeller Stadtwald. | Bild: Jarausch, Gerald

Besonders hart treffen die Umstände die Fichte, die im Radolfzeller Stadtwald immerhin knapp 20 Prozent des Bestandes ausmacht. „Die Fichte ist unsere Problembaumart“, führte Bernhard Hake vom Kreisforstamt Konstanz bei der Waldbegehung aus. Die relativ flach wurzelnden Bäume benötigen 60 bis 100 Liter Wasser pro Tag, um gesund zu sein. Sind sie es nicht, dann überfällt sie gerne der Borkenkäfer. Und dann werden die Förster zu Getriebenen in ihrem Wald.

Das führte bei Gerhard Heizmann nicht nur zu einem überdurchschnittlichen Arbeitspensum im vergangenen Jahr, sondern auch zu einem exorbitanten Anstieg des Baumhiebes. Während in normalen Jahren der Vergangenheit rund 260 Festmeter Holz im Stadtwald geschlagen wurden, stieg dieser Wert im Jahr 2017 auf enorme 10 320 Festmeter an, wie der Revierförster erläuterte. Das brachte der Stadt zwar auch rund 505 000 Euro ein, aber soll aus Sicht der Förster natürlich kein Dauerzustand sein. „Wir müssen uns Gedanken um den Wald von Morgen machen. Wir wollen uns nicht von Zwangsnutzung und Käferholz treiben lassen“, führte er aus.

So sieht das Schadenbild nach einem Befall durch einen Borkenkäfer aus. Zum Größenvergleich liegt ein Centstück auf dem Holz.
So sieht das Schadenbild nach einem Befall durch einen Borkenkäfer aus. Zum Größenvergleich liegt ein Centstück auf dem Holz. | Bild: RL Bosch

Der Fichte räumen die Förster in unseren Breitengraden keine Zukunft mehr ein: „Sie hat mittelfristig keine Chance mehr“, so Heizmann. Aber auch die Buchen, die hierzulande stärkste Baumart, leidet unter dem Klimawandel. Welche Folgen der Hitzesommer nach sich ziehen wird, ist noch gar nicht abzusehen. Um sich zu schützen, haben die Buchen zum Teil schon ihr Laub abgeworfen. Als Folge werden im kommenden Jahr notwendige Nährstoffe aber nicht zur Verfügung stehen. „Das könnte eine Überraschung geben. Das sehen wir aber erst im nächsten Jahr“, sagte Gerhard Heizmann dazu.

Eine junge Douglasie vor der Gruppe einer Radolfzeller Waldbegehung mit Revierförster Gerhard Heizmann (grünes Hemd). Die Douglasie gilt als Nadelbaum der Zukunft.
Eine junge Douglasie vor der Gruppe einer Radolfzeller Waldbegehung mit Revierförster Gerhard Heizmann (grünes Hemd). Die Douglasie gilt als Nadelbaum der Zukunft. | Bild: Jarausch, Gerald

Angesichts des Dauerstresses, dem der Wald ausgesetzt ist, setzen die Förster auf eine möglichst breite Mischung der Baumarten, wobei die Vermarktung immer im Mittelpunkt der Überlegungen steht. Fichten werden künftig wohl hauptsächlich durch Douglasien ersetzt. Zumindest aktuell können damit sogar rund dreimal höhere Erlöse erzielt werden. Grundsätzlich sind Nadelholzkulturen günstiger und ertragreicher als Laubbäume: „Das Nadelholz brauchen wir als das wirtschaftliche Rückgrat“, sagte dazu Bernhard Hake. Eichen hingegen, die ebenfalls mit trockener Witterung besser zurechtkommen als andere Bäume, sind sehr arbeitsintensiv. Im jungen Stadium sind oft das Opfer von Rehen und später muss man sie von sogenannten Wassertrieben befreien, wenn zu viel Licht auf ihre Stämme fällt.

Spätfolgen des Eschentriebsterbens: Das Holz im Stamminneren wird durch einen Pilz geschädigt (heller Kern mit dunklem Rand) und ist nur noch eingeschränkt nutzbar. Das Bild entstand im Dezember 2017, als im Radolfzeller Stadtwald zahlreiche Eschen gefällt werden mussten. Das Problem ist in weiten Bereichen Europas allgegenwärtig.
Spätfolgen des Eschentriebsterbens: Das Holz im Stamminneren wird durch einen Pilz geschädigt (heller Kern mit dunklem Rand) und ist nur noch eingeschränkt nutzbar. Das Bild entstand im Dezember 2017, als im Radolfzeller Stadtwald zahlreiche Eschen gefällt werden mussten. Das Problem ist in weiten Bereichen Europas allgegenwärtig. | Bild: Jarausch, Gerald

Ein weiterer großer Verlust ist die Esche, die immerhin rund zehn Prozent der Bäume in den Radolfzeller Wäldern ausmachte. Das Eschentriebsterben hat bereits jetzt die meisten Exemplare dahingerafft. Für die feuchten Standorte, mit den die Eschen zurechtkommen, habe man momentan noch keine Alternative, sagte Hake.