Hitze, Sommer, Badespaß: Die tropischen Temperaturen der vergangenen Tage treiben die Sonnenanbeter und Wasserratten aktuell in Radolfzell und auf der Höri in die Strand- und Schwimmbäder. Gerade am Wochenende herrschte dort Hochbetrieb. Obwohl sich Handtuch an Handtuch reihte, bedarf es in den Bädern allerdings keines Krisenmanagements. Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen wurden laut den Betreibern keine vorgenommen. Dabei scheint die Mischung aus Hitze, extrem vielen Badegästen und nur begrenzter Platz dem ein oder anderen zu Kopfe zu steigen. So kam es etwa am Wochenende im Osterholz Freibad in Stockach zu einer Schlägerei zwischen zwei Familien. Dramatischer ging es im Kehler Stadtteil Auenheim zu: Dort mussten Bademeister und Polizei das Freibad räumen.

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Aber entgegen den Vorkommnissen in Kehl oder Stockach meldeten die Betreiber in Radolfzell und auf der Höri keine Vorfälle. Gewaltausbrüche oder aggressives Verhalten untereinander oder gegenüber dem Schwimmbadpersonal blieben aus, wie die Pächterin des Strandbades in Radolfzell, Derya Yildirim, bestätigt: Ihrer Aussage nach kam es zu keinen Vorfällen. Im Gegenteil: „Unsere Badegästen verhalten sich respekt- und verständnisvoll“, sagt sie. Auch in den sechs Jahren in denen sie das Bad betreibe, sei es – bis auf einen Vorfall – zu keinen Zwischenfällen gekommen. „Wir mussten vor Jahren aufgrund eines stark betrunkenen Gastes die Polizei zu uns ins Strandbad rufen.“

Schilder statt Diskussionen

Derya Yildirim verfolgt eine klare Linie: Ihre Badegäste müssen sich an die Badeordnung halten. „Diskussionen mit aggressiven Gästen eskalieren oft“, sagt sie. In ihrem Bad werde deshalb nicht lange diskutiert: Wer aggressiv auftrete oder sich nicht an die Badeordnung halte, müsse damit rechnen, dass die Polizei gerufen werde. „Unser Gäste benehmen sich aber meist vorbildlich“, berichtet sie.

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Eine Sache stößt ihr allerdings ein wenig sauer auf: Als Betreiberin müsse sie überall Schilder mit Regeln anbringen. Erst dann werden sie von den Badegästen angenommen. Sie höre die Frage „Wo steht das geschrieben“ mit am häufigsten. Soll heißen: Ohne entsprechende Schilder werden die Anweisungen auch einmal ignoriert. „Wenn das Schild aber hängt, gibt es keine Widerreden mehr“, so Derya Yildirim weiter.

Friedliches Baden auch auf der Höri

Die Einschätzung der Radolfzeller Strandbad-Pächterin wird auch von ihren Kollegen der Bäder auf der Höri geteilt. „Die Gäste sind nett, obwohl es so voll war“, sagt Kudret Gül vom Strandbad in Moos. Ihre Mitarbeiter seien auf den Ansturm vor Ort vorbereitet gewesen und konnte deshalb entsprechende Vorkehrungen und Vorbereitungen treffen.

Am Megaphon: Steffen Mengele, Vorsitzender der DLRG Radolfzell, betont: Die DLRG gibt gerne Hinweise, ist aber nicht weisungsbefugt gegenüber Badegästen. Bild: Petra Reichle
Am Megaphon: Steffen Mengele, Vorsitzender der DLRG Radolfzell, betont: Die DLRG gibt gerne Hinweise, ist aber nicht weisungsbefugt gegenüber Badegästen. Bild: Petra Reichle

Ein pickepackevolles Bad bilanzierte auch Janos Auer, Betreiber des Strandbades in Öhningen. „So viele Gäste habe ich noch nie erlebt, aber es gab keine Randale, keine Verletzungen und keine Schlägereien.“ Trotz der positiven Nachrichten, dass es zu keinen Vorfällen kam, herrscht bei Auer auch ein bisschen Sorge, ob der Menschenmassen an den enorm heißen Sommertagen. Das gibt er auch unumwunden zu: „Ich scheue mich nicht, den Einlass am Bad wegen Überfüllung zu schließen.“

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„Alles war bisher gut“, berichtet auch Ismail Aktas vom Strandbad in Iznang. Es gebe aktuell keine Gründe zu klagen. Es sei zwar aufgrund des Ansturms zu längeren Wartezeiten am Eingang oder am Kiosk gekommen, aber alle Gäste haben diesen Umstand klaglos hingenommen. „Es war alles friedlich“, bestätigt Ismail Aktas.

Ebenfalls durchweg positiv schätzt Gülhan Aktas, die den Kiosk im Strandbad in Horn betreibt, die Situation ein. Szenen wie die in den Bädern in Stockach oder in Kehl habe sie bisher auf der Höri keine erlebt. „Wir haben alles unter Kontrolle“, versichert sie. Ihr Team habe auch regelmäßig größere Gruppen im Bad, auch durch den angrenzenden Campingplatz, aber Beschwerden von anderen Badegästen über aggressive Schwimmbadgänger oder Camper habe sie keine vernommen.

Hinweise werden gerne angenommen

  • DLRG gibt Hinweise: Wie der Vorsitzende der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Radolfzell, Steffen Mengele, auf Nachfrage gegenüber dem SÜDKURIER bestätigt, haben die Wachgänger der DLRG gegenüber den Badegästen im Radolfzeller Strandbad keine Weisungsbefugnis. „Wir geben aber gerne Tipps und Hinweise“, sagt er. Diese Hinweise werden von den Besuchern der Radolfzeller Bäder grundsätzlich gerne angenommen, Unstimmigkeiten gebe es deshalb keine.
  • Die Einsatzbereitschaft: „Natürlich ist die DLRG in Radolfzell bei solchen Wetterverhältnissen in erhöhter Einsatzbereitschaft“, betont Steffen Mengele. Dies gelte nicht nur beim Dienst in den Bädern oder auf unseren Rettungsbooten, sondern eben auch für die meist auftretenden Wärmegewitter, die in der Regel mit starken Winden einhergehen und auch sehr schnell aufziehen können. „Die Gewitter können schnell zur Gefahr von Wassersportlern werden“, so Mengele weiter.
  • Keine Gewaltausbrüche: DLRG-Chef Steffen Mengele kann die Einschätzungen der Betreiber der Strandbäder in Radolfzell und auf der Höri teilen. In diesem Sommer gab es seiner Aussage nach kein erhöhtes Gewaltpotenzial bei den Badegästen. Er verweist aber darauf, dass schon mäßiger Alkoholkonsum bei den vorherrschenden heißen Temperaturen eine verstärkte Wirkung haben kann. (mgu)