Zum zweiten Mal hob das Trio Tangoinpetto die Theaterräume der Zeller Kultur aus den Angeln. Die drei Musiker aus Argentinien, Österreich und Deutschland überfluteten ihr Publikum in ihrem mehr als zwei Stunden andauernden Programm mit der Energie, Sinnlichkeit und Lebensfreude des Tangos. Das Ensemble besteht aus der Österreicherin Katharina Wibmer an der Violine, dem deutschen Akkordeonisten Gerhard Schiewe und Cecilia Castillo aus Argentinien am Violoncello. Ihr Spiel faszinierte die Zuhörer. Es versetzte das Publikum in eine ganz besondere Stimmung lateinamerikanischer Lebensart und lockte immerhin zehn Tänzer auf das Parkett im Saal der Zeller Kultur. Tanzen war beim Konzert ausdrücklich erwünscht. Es gab den musikalischen Tango-Delikatessen eine anregende optische Note.

Tango – das ist ein trauriger Gedanke, den man Tanzen kann, beschrieb der Texter Enrique Santos Discépolo den lateinamerikanischen Musikstil, dessen Wurzeln in Argentinien und Uruguay liegen. Das Trio Tangoinpetto ließ mit seinen über zwanzig Nummern die Herzen der Besucher schmelzen. Ihr Konzert strahlte eine trotzige Schwermut gepaart mit einer heiteren Sinnlichkeit aus. Eine Tristezza, die alles Verlorene bedauert und in ihrer süßen Trauer den Mut zu Neuem gibt. Mal kokett und rasant, mal melancholisch und dramatisch oder verschmolzen im Dreivierteltakt, zeigte das Trio auch die lyrische Seite des lateinamerikanischen Tanzes. Dabei entpuppte sich während des Konzerts der "Tango Por Una Cabeza" als die kürzeste Oper der Welt, scherzte Akkordeonist Gerhard Schiewe. Er komponiert und musiziert aus Leidenschaft. In der Not lässt er es sich nicht nehmen, auch aus Filmen die Noten eines besonders schönen Tangos zu transkribieren, wenn sich beispielsweise der Komponist des Musikstückes nicht ermitteln lässt.

In der Tangoszene haben Familiennamen keine Bedeutung. Die Tänzer beim Konzert duzen sich und kennen sich nur beim Vornamen. Für Barbara, die ihren Familiennamen stringent für sich behält, bedeutet der Tango Lebensfreude, enge Umarmungen und eine Bewegung zu schöner Musik. Gemeinsam mit ihren Tanzpartnern nimmt sie am Bodensee jede Gelegenheit zum Tanzen wahr. Mit dem Tanz interpretiert Rudy seine Empfindungen zu der Musik. Der Tango bietet ihm Anspannung und Entspannung. Beim Tango würde der Körper eine besondere Präsenz entwickeln, in die man sich fließend hineinfallen lassen könne, sagt Jürgen. Und Kathi taucht mit dem Tango in eine völlig andere Welt ein. Beim Tango könne sie gemeinsam mit dem Partner in die Musik mit ihren Tanzfiguren versinken. Obwohl der Mann beim Tango führt, so habe die Frau einen großen Spielraum beim Tanz. Ihr würde es obliegen, wie sie beim Tango die Tanzfiguren verziert. Bereits zu Konzertbeginn wechselten die acht Tangotänzer ihr Straßen- mit den Tanzschuhen. Und warteten von Anfang an in den Theaterräumen der Zeller Kultur auf die ersten Tango-Takte des Trio Tangoinpetto.

Das Ensemble

Die drei Musiker des Trios Tangoinpetto lernten sich in Stuttgart kennen. Gerhard Schiewe spielt in einer Swing-Band. Die Bandleaderin und Violinistin des Trios, Katharina Wibmer, lernte ihn bei Konzerten kennen. Katharina Wibmer ermöglichte das Trio mit der argentinischen Cellistin Cecillia Castello, die in Ludwigsburg bei Stuttgart spielt. Die Südamerikanerin gibt dem Tango des Trios weitere Authentizität. Der Bandgründung lag auch ein romantisches Motiv zugrunde. Gerhard Schiewe lebt in Berlin, seine Mutter in Stuttgart. Die Konzerte des Trios ließen dann häufigere Besuche in der Heimat des Wahlberliners zu. (gla)