Ihre kreativen Taschen sind ein Verkaufsschlager und jede einzelne davon ein Unikat. Sie sind aus robusten Materialien in der Freizeit selbst gefertigt und von der Idee her das beste Beispiel für ein Upcycling, bei dem scheinbar nutzlose Stoffe in neue Produkte umgewandelt werden.

Die Verkaufserlöse gehen jährlich an gemeinnützige Einrichtungen und an Hilfsbedürftige. Insgesamt haben Renate Martin und Christine Karrer mehr als 2000 Umhängetaschen aus Polsterstoffen, Kunststoff-Tischdecken oder aus Segeltuchleinen genäht. Innerhalb von zwölf Jahren kamen so über 30 000 Euro an Spendengelder zusammen. Die Radolfzellerinnen spendeten im vergangenen Jahr 2700 Euro und verteilten diese an das Tierheim, das Frauenhaus und an die Bürgerstiftung.

Beide Näherinnen entwerfen Modelle selbst

Die Idee der selbst genähten Taschen aus Polsterstoff stammte von Renate Martin. Die gelernte Polsterin fand es schade, dass die Stoffe aus den Musterkatalogen übrig blieben und weggeworfen werden sollten. Mit einer selbst genähten Tasche begeisterte sie ihre Freundin Christine Karrer für das soziale Vorhaben. Karrer spricht dabei von einem sehr großen Glück, das ihr widerfahren sei: Ein Familienmitglied erkrankte schwer und überlebte seine Krankheit. Christine Karrer wolle an die Gesellschaft das zurückgeben, was sie damals selbst erhalten hatte.

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Beim Nähen sind die Frauen jedoch kein Team: Das funktioniere nicht, sprudelt es sofort aus Christine Karrer heraus. Jede würde für sich nähen und sei bei den Modellen selbst kreativ. So käme erst die große Vielfalt zusammen. Jede habe den Luxus, ein Arbeitszimmer zu besitzen, so Karrer: Wenn sie dieses nicht hätte, würde sie durch den Auf- und Abbau keine fünf Prozent der Menge nähen, bekennt Karrer lachend. Packe einen die Lust, so könne man nicht mehr mit Nähen aufhören, erzählt Renate Martin. Das sei wie eine Sucht.

Vier Stunden für eine Tasche

Durchschnittlich benötige das Nähen einer einzelnen Tasche rund vier Stunden. Im letzten Jahr kamen so allein 350 Stunden an der Nähmaschine zusammen. Nicht hinzugerechnet der Auf- und Abbau der Verkaufsstände sowie die Zeit für den Verkauf.